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Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert, allen voran die [[Erste Dionysiusflut]], bei der u.a. das Dorf [[Westeel]] zerstört wurde, seit 1425, beginnend mit dem [[Udo-Focken-Deich]], dem Meer abgerungen und [[Liste der Eindeichungen|wiedereingedeicht]]. Der geologisch jüngste Stadtteil [[Leybuchtpolder]] wurde erst 1947 bis 1950 durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]] eingedeicht und urbar gemacht. Der Großteil der Eindeichungen konzentriert sich jedoch auf das 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Eindeichung eines Teils der [[Leybucht]] und einer deutlich kleineren Eindeichungsmaßnahme nahe Harlesiel gab es an der niedersächsischen Nordseeküste keine nennenswerten Landgewinnungsmaßnahmen durch Eindeichung mehr, so dass diese Landstriche die jüngsten dem Meer abgerungenen und von Menschen besiedelten Flächen Niedersachsens sind. Auch [[Neuwesteel]] wurde erst im 20. Jahrhundert dem Meer abgerungen. | Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert, allen voran die [[Erste Dionysiusflut]], bei der u.a. das Dorf [[Westeel]] zerstört wurde, seit 1425, beginnend mit dem [[Udo-Focken-Deich]], dem Meer abgerungen und [[Liste der Eindeichungen|wiedereingedeicht]]. Der geologisch jüngste Stadtteil [[Leybuchtpolder]] wurde erst 1947 bis 1950 durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]] eingedeicht und urbar gemacht. Der Großteil der Eindeichungen konzentriert sich jedoch auf das 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Eindeichung eines Teils der [[Leybucht]] und einer deutlich kleineren Eindeichungsmaßnahme nahe Harlesiel gab es an der niedersächsischen Nordseeküste keine nennenswerten Landgewinnungsmaßnahmen durch Eindeichung mehr, so dass diese Landstriche die jüngsten dem Meer abgerungenen und von Menschen besiedelten Flächen Niedersachsens sind. Auch [[Neuwesteel]] wurde erst im 20. Jahrhundert dem Meer abgerungen. | ||
Norden ist geprägt von Wasser und Landwirtschaftsflächen, fast 80 Prozent des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. Auf den [[Polder|eingepolderten]] Flächen im Süden der Stadt wird Ackerbau betrieben. Das eingepolderte [[Marsch|Marschland]], das vor allem aus früherem Schlick besteht, ist sehr fruchtbar. Angepflanzt werden hauptsächlich Kartoffeln, Getreide und Raps. Auf den anderen Landwirtschaftsflächen wird Viehzucht betrieben. Dominierend ist hier die Milchviehwirtschaft, gefolgt von der Schweinezucht. Auf den Deichen weiden in den wärmeren Monat Schafe, die nicht nur die Grasnarbe niedrig halten, sondern zugleich auch mit ihren Hufen den Deichboden festtreten. | |||
Da weite Teile des Stadtgebiets nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegen, muss das Land kontinuierlich entwässert werden. Das [[Norder Tief]], früher Fahrwasser des [[Norder Hafen|Norder Hafens]], spielt dabei eine bedeutende Rolle. Über die Schöpfwerke [[Leybuchtsiel]] und [[Leysiel]] entwässert es in die [[Leybucht]] und dadurch in die Nordsee. Diese Vielzahl an Gräben und die ständige Entwässerung machen eine Besiedlung der Region überhaupt erst möglich. Neben dem Norder Tief und seinen zahlreichen Zuflüssen, wie dem [[Addinggaster Tief]] oder dem [[Langhauser Tief]], prägen noch eine Vielzahl von kleinen und größeren Entwässerungsgräben die Landschaft um Norden - wie auch im Rest von Ostfriesland. | |||
Wie die meisten der zum größten Teil in der Marsch gelegenen Orte ist Norden nur äußerst spärlich bewaldet. Ursächlich dafür ist, dass diese Gebiete bis vor wenigen hundert Jahren noch [[Liste der Eindeichungen|unter Wasser standen]] und nie eine wesentliche Aufforstung erfahren haben. | |||
Die Kernstadt und die | ==Gliederung== | ||
Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen. Die Kernstadt umfasst neben dem [[Norden (Stadtteil)|alten Stadtzentrum]] noch die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde [[Sandbauerschaft]] mit ihren ehemaligen [[Index.php?title=Sandbauerschaft#Gliederung|Ortsteilen]] | |||
Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind [[Bargebur]], [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]], [[Ostermarsch]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]], [[Tidofeld]], [[Westermarsch I]] und [[Westermarsch II]]. Bis auf Bargebur und Tidofeld, die historisch zu Lütetsburg gehörten, waren alle heutigen Stadtteile bis zur Kommunalreform 1972 eigenständige Gemeinden bzw. Samtgemeinden, im Falle von Norddeich handelt es sich um einen Sonderfall. Der heutige Ortsteil [[Norddeich]] ist praktisch identisch mit der ehemaligen [[Lintelermarsch|Gemeinde Lintelermarsch]], von dem Norddeich ursprünglich nur ein Ortsteil war. | |||
Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, Tidofeld sowie Teile von Westermarsch II, dessen nordwestliche Teile oftmals fälschlicherweise Norddeich zugerechnet werden, sind baulich weitestgehend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem Ballungsgebiet leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.<ref>[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen], abgerufen am 20. April 2021</ref> Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein. Die [[Norden (Stadtteil)|historische Kernstadt]] umfasst eine Fläche von nicht einmal 14 km², was nicht einmal einen Anteil von 15 % an der städtischen Gesamtfläche darstellt. | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
===Frühzeit=== | ===Frühzeit=== | ||
Das Gebiet der heutigen Stadt Norden wurde nachweislich schon in der Mittelsteinzeit, viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, besiedelt.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 30</ref> Besiedelt wurde das Gebiet vor allem von den Friesen, aber auch Chauken und Sachsen waren hier sesshaft. | Das Gebiet der heutigen Stadt Norden wurde nachweislich schon in der Mittelsteinzeit, viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, besiedelt.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 30</ref> Besiedelt wurde das Gebiet vor allem von den Friesen, aber auch Chauken und Sachsen waren hier sesshaft. | ||
Die Menschen besiedelten zunächst die Gebiete auf der [[Norder Geestinsel]], die deutlich über den Meeresspiegel ragt und dadurch einen natürlichen Schutz vor Überflutungen but. Die umliegenden [[Marsch|Marschgebiete]] wurden erst wesentlich später besiedelt bzw. [[Liste der Eindeichungen|eingedeicht]]. Entlang der Geestinsel bildeten sich einzelne Bauerschaften, die sich später zu einer Gemeinde, der sogenannten [[Sandbauerschaft]], zusammenschlossen. Im Zentrum ihrer Bauerschaften errichteten sie einen [[Marktplatz]], von dem aus sich das spätere Stadtgebiet entwickelte. Hier erbauten besonders vornehmene Familien bzw. Geschlechter ihre Wohnhäuser, sogar [[Oldeborg|eine Burg]] entstand. In der Folgezeit wuchsen die Bauerschaften parallel zur Besiedlung um den Marktplatz weiter zusammen. | |||
Die genaue Entstehung der Stadt Norden ist jedoch ansonsten weitgehend unbekannt. Aus der Frühzeit der Stadt liegen wenige Belege vor, deren Deutung unsicher ist. Funde einer mittelalterlichen Siedlung in [[Ekel]] deuten auf eine arbeitsteilige Beziehung des Geestortes mit der Bevölkerung der umliegenden Marsch hin. Zudem scheint in der Umgebung von Norden im frühen Mittelalter neben der Landwirtschaft vor allem die Produktion von Eisen eine wichtige wirtschaftliche Rolle gespielt zu haben. Noch ist über die Bedeutung des Ortes im Wirtschaftsgefüge des Norderlandes jedoch wenig und nichts Sicheres bekannt. | |||
Der Marktort war über eine hochwassersichere Verbindung auf der [[Geest]] mit Esens verbunden, das Endpunkt des Friesischen Heerwegs von Oldenburg war. Noch heute erinnert die [[Heerstraße]] mit ihrem Namen daran. Aber auch die [[Osterstraße]] war einst ein alter Heerweg. Durch die günstige Lage am äußersten nordwestlichen Rand des Oldenburgisch-ostfriesischen [[Norder Geestinsel|Geestrückens]] hatte der Ort für viele Jahrhunderte Zugang zur See. Gehandelt wurde vor allem mit Vieh, Muschelkalk und Salz. Bis heute genießt Rindfleisch aus den Marschgebieten einen hervorragenden Ruf. Besonders in den Marschgebieten, aber auch in Norden, gab es mehrere [[Warft#Kalkwarf|Kalkwarfen]] sowie Salzsiedereien. | |||
===Mittelalter=== | ===Mittelalter=== | ||
Norden gehörte vermutlich zunächst zum historischen Federgau. Nach dem Einbruch der [[Leybucht]], die sich wahrscheinlich während einer schweren Sturmflut am 26. Dezember 838 bildete, verlor das Kirchspiel Norden ab dem 9. Jahrhundert nach und nach seine Verbindungen zum Federgau.<ref>[http://www.michaeltillheinze.de/f_k1989/f_k890223.htm#1 Fehntjer Kurier - Wer nicht will deichen, der muss weichen], abgerufen am 21. April 2021</ref> So entwickelte sich die Ansiedlung bis 1150 zu einem Vorort des Gaues Nordendi, der in etwa das Gebiet umfasste, das ab dem Hochmittelalter [[Norderland|Norder-]], Auricher- und Harlingerland genannt wurde. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die fränkische Grafschaftsverfassung von den Friesen weitgehend ausgehöhlt und der Großgau Nordendi brach auseinander. Norden wurde nun Hauptort des [[Norderland|Norderlandes]]. | |||
Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden erstmals steinerne Kirchen in Norden. Die [[Andreaskirche]] war die erste von ihnen. Trotz der erhöhten Lage der Kernstadt errichteten die Menschen eine künstliche [[Warft]], auf der sie die Kirche bauten. Ihre Kirchtürme dienten über Jahrhunderte den Seefahrern bis zur Elbmündung als wichtiges Seezeichen, bis sie 1531 von [[Balthasar von Esens]] gebrandschaft wurde und in den Folgejahrzehnten verfiel. Mehrere Versuche, sie wieder aufzubauen, schlugen fehl. | |||
Während die Andreaskirche die Kirche der Stadt war, errichteten die Norder Umlandgemeinden in ihrer unmittelbaren Nähe die [[Ludgerikirche]]. Dieser Umstand ist einer der bedeutendsten Hinweise auf das Miteinander der Stadt mit den Umlandgemeinden. Neben den beiden Kirchen entstanden zudem zwei Klöster: Das [[Kloster Marienthal]] - gegründet vom Orden der Benediktiner - und das [[Kloster Norden]], das wiederum von den Dominikanern gegründet wurde. Beide Klöster waren über Jahrhunderte von zentraler Bedeutung für Norden und die Region. Sie waren nicht nur geistliche Zentren, sondern waren auch Orte von Vertragsunterzeichnungen, wie dem [[Norder Vertrag]] im Jahre 1255. In diesem Vertrag wurde Norden erstmals gesichert urkundlich erwähnt, was vielfach mit der Verleihung des Stadtrechts verwechselt wird. Aus diesem Irrtum heraus erklärt sich, dass Norden sich lange Zeit als "älteste Stadt Ostfrieslands" bezeichnet. Emden wurde allerdings 1224, also 31 Jahre früher, erstmals urkundlich erwähnt. | |||
Zu dieser Zeit gab es [[Liste der Burgen und Wehrhäuser|mehrere Burgen]] der vorherrschenden Häuptlingsfamilien des Ortes. Diese darf man sich jedoch nicht wie jene Burgen aus der Trivialliteratur vorstellen, sondern vielmehr um größere Steinhäuser. Steine waren und sind aufgrund fehlender, natürlicher Vorkommen ein seltener Rohstoff in Ostfriesland. Nur die wohlhabendsten Persönlichkeiten konnten sich Steine leisten. Die meisten Behausungen bestanden aus Lehm, Torf oder Holz. Die älteste Burg war die [[Oldeborg]] nahe des [[Marktplatz|Norder Marktplatzes]], an die heute noch der Straßenname [[Burggraben]] erinnert. Das damals wichtigste Norder Geschlecht, die [[Idzinga]], errichteten ihre Burg in [[Ostlintel]], hatten aber auch weitere Besitztümer im Stadtgebiet, so etwa der [[Engenahof]] am Marktplatz, in dem seit Oktober 1945 die [[Polizei Norden|Norder Polizei]] ansässig ist. Aus dem Wappen der Idzinga stammen die goldenen Sporenräder im [[Stadtwappen]]. Neben den Burgen entstanden mehrere [[Liste der Burgen und Wehrhäuser|mehrere Wehrhäuser]], die sich ringförmig um die Stadt legten und so einen grundlegenden Schutz vor Angreifern boten. Norden hatte, anders als beispielsweise Emden, zu keiner Zeit eine Stadtmauer oder eine vergleichbare Befestigung. | |||
In der Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge von 1350 bis 1464 gehörte Norden mit seinem Umland zum Herrschaftsgebiet verschiedener Häuptlingsfamilien und fiel schließlich an die tom Brok aus dem Brookmerland, nach ihrem Ende an die Grafen und späteren Fürsten von Ostfriesland aus dem Hause Cirksena. Das bedeutete für den Ort eine geringere politische Bedeutung, da sich die Machtzentren Ostfrieslands in Aurich (zunächst Sitz der tom Brok, später der Cirksena) und Emden (Cirksena, bis zu ihrer Vertreibung 1595) entwickelten, worin vermutlich begründet liegt, weshalb der Ort nie mit einer Stadtmauer oder Ähnlichem befestigt wurde. Norden war in der Folgezeit hauptsächlich Handelsort, was im 14. Jahrhundert nach Sturmfluten durch eine Ausweitung der Leybucht begünstigt wurde. Der Ort hatte danach direkten Zugang zum Meer. So entstand im Südbereich der Stadt ein Seehafen, der bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Bedeutung hatte und der Stadt über einen langen Zeitraum eine wirtschaftliche Blüte bescherte, auch wenn sein Handel dem der Stadt Emden stets nachstand. Norden besaß eine eigene Handelsflagge, unter der Norder Schiffe Nord- und Ostsee befuhren. | |||
===Neuzeit=== | ===Neuzeit=== | ||
Version vom 21. April 2021, 08:53 Uhr
Stadt Norden | |
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| Höhe | 7 m ü. NN |
| Fläche | 106,33 |
| Einwohner | 25.614 (31.12.2020) |
| Gründung | um 800 |
| Bevölkerungsdichte | 241 Einwohner/km² |
Norden ist die nordwestlichste Stadt auf dem deutschen Festland. Sie hat 25.614 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 13,38 km² verteilen. Gemessen an der Einwohnerzahl ist sie nach Emden, Aurich und Leer die viertgrößte Stadt Ostfrieslands und kann auf eine hochinteressante, wechselhafte Geschichte zurückbringen. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt im Norder Vertrag aus dem Jahre 1255. Fälschlicherweise wird dieses als das Gründungsjahr angesehen, Belege für eine wesentlich frühere Existenz der Stadt reichen weit voraus.
Als Stammsitz wechselnder, mächtiger Häuptlingsgeschlechter war Norden über Jahrhunderte dominierender Ort des historischen Norderlandes und bedingt dadurch, dass die seit dem 15. Jahrhundert in Ostfriesland vorherrschenden Cirksenas hier über lange Zeit ihren Sitz hatten, auch der gesamten Region. Bis zum 31. Juli 1977 war die Stadt Norden Sitz des Landkreis Norden, der am 1. August jenes Jahres im Landkreis Aurich aufging.
Die Region um Norden ist vor allem durch die Landwirtschaft und den Tourismus geprägt. Letztgenannter ist heute der dominierende Wirtschaftszweig. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert befanden sich jedoch auch eine Reihe bedeutender Industriebetriebe in der Stadt Norden, die bekannteste davon dürfte wohl die Firma Doornkaat sein, welche die Stadt über fast zwei Jahrhunderte maßgeblich prägte.
Namensherkunft
Es herrscht Uneinigkeit darüber, woher die Stadt Norden ihren Namen erhalten hat. Allgemeiner Konsens ist, dass sich der Name auf die nördliche Lage der Stadt bezieht und sie so zu ihrem Namen gekommen ist. Der älteste Beleg ist "Nordedi" (787, jedoch in fehlerhafter Abschrift); um 860 wird die Gegend Nordwidu ('Norder Wald') genannt. Grundlage des Ortsnamens ist das altsächsische "norð", altfriesisches north ('Norden').[1] Wenngleich es nicht absolut gesichert ist, liegt es nahe, dass der Stadtname 884 ebenfalls im Zusammenhang mit der Schlacht von Nordendi fällt. Die Schlacht war ein wichtiger Sieg der Friesen über die plündernden, die friesischen Gewässer heimsuchenden Wikinger und Gründungsmythos der Theelacht.
Wappen
Das Norder Stadtwappen zeigt auf einem blauen Schild drei goldene sechsstrahlige Sporenräder im Verhältnis 2 (oben) zu 1 (unten), Oberwappen mit Laubkrone auf dem Schild und als Schildhalter die bemäntelte Figur des heiligen Andreas. Im Wesentlichen geht das Wappen auf das älteste, bekannte Stadtsiegel aus dem Jahre 1498 zurück und wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten eher marginal geändert.
Die Sporenräder sind dem Wappen der bis in das 15. Jahrhundert in Norden vorherrschenden Häuptlingsfamilie Idzinga entnommen. Blau und gelb sind die Stadtfarben von Norden. Sie verdeutlichen den Wohlstand und die Lage am Meer. Der Heilige Andreas ist der Schutzpatron der Stadt. Ihm war die Andreaskirche in der Stadtmitte geweiht.
Bevölkerungsentwicklung
Anmerkung: Die hier vorliegenden Daten beziehen sich jeweils auf die heute geltenden Grenzen. Daher werden bereits beispielsweise vor der Kommunalreform 1972 die Einwohnerzahlen der ab dann zu Norden gehörenden Stadtteile in den nachfolgenden Tabellen mitgerechnet.
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Geografie
Norden ist die nordwestliche Stadt auf dem deutschen Festland und erstreckt sich auf etwa 106,33 Quadratkilometer. Seewärts wird die Stadt von 27,3 Kilometer Seedeich begrenzt. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 21 Kilometer, die größte Ost-West-Ausdehnung ca. 13 Kilometer. Die höchste Erhebung Nordens, der Alte Friedhof liegt auf 9,7 Meter über Normalnull, im Mittel liegt Norden etwa 7 Meter über Normalnull.[2]
Der Küste vorgelagert sind die Inseln (von Ost nach West) Norderney, Juist und Memmert. Zwischen der Küstenlinie und den Inseln befindet sich das Wattenmeer, das als "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer" unter Naturschutz steht und im Juni 2009 gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen und dem niederländischen Teil des Wattenmeers von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.[3] Südwestlich der Stadt liegt die Leybucht.
Nachbargemeinden auf dem Festland sind (im Uhrzeigersinn, von Ost nach Südwest) die Gemeinden Hagermarsch, Lütetsburg und Halbemond (alle Samtgemeinde Hage), Leezdorf und Osteel (beide Samtgemeinde Brookmerland) sowie die Gemeinde Krummhörn. Eine Besonderheit der Grenze zur Gemeinde Leezdorf liegt darin, dass sie nur gut eine Straßenbreite beträgt: Norden und Leezdorf treffen am Schwarzen Weg aufeinander, die nördlichen und südlichen Straßenseiten gehören jedoch zu den Gemeinden Halbemond und Osteel.
Norden ist neben der Kreisstadt Aurich das zweite Mittelzentrum des Landkreises Aurich. Das Einzugsgebiet ist durch die Natur eingeschränkt, da sich im Norden, Westen und Südwesten das Wattenmeer befindet. Allerdings spielt Norden für die Versorgung der vorgelagerten Inseln Juist und Norderney eine wichtige Rolle. Als Einkaufsstadt tritt Norden insbesondere in Konkurrenz zu Aurich und Emden.
Der Stadtkern von Norden liegt auf einer Geestinsel, die dem nordwestlichsten Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens vorgelagert ist.[4] Auch Bargebur und Tidofeld sowie Süderneuland II befinden sich ebenfalls auf Geestboden, während der Großteil des weiteren Stadtgebiets auf der Marsch liegt. Die beiden Bodentypen unterscheiden sich insbesondere durch ihre Beschaffenheit. Im Geestboden dominiert Sand, im Marschboden schwerer Klei. Die Geest ist zudem deutlicher höher als die Marsch gelegen und gehört daher auch zu den erstbesiedelten Gebieten.
Rund die Hälfte des Stadtgebiets wurde nach verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert, allen voran die Erste Dionysiusflut, bei der u.a. das Dorf Westeel zerstört wurde, seit 1425, beginnend mit dem Udo-Focken-Deich, dem Meer abgerungen und wiedereingedeicht. Der geologisch jüngste Stadtteil Leybuchtpolder wurde erst 1947 bis 1950 durch den Bau des Störtebekerdeichs eingedeicht und urbar gemacht. Der Großteil der Eindeichungen konzentriert sich jedoch auf das 16. und 17. Jahrhundert. Seit der Eindeichung eines Teils der Leybucht und einer deutlich kleineren Eindeichungsmaßnahme nahe Harlesiel gab es an der niedersächsischen Nordseeküste keine nennenswerten Landgewinnungsmaßnahmen durch Eindeichung mehr, so dass diese Landstriche die jüngsten dem Meer abgerungenen und von Menschen besiedelten Flächen Niedersachsens sind. Auch Neuwesteel wurde erst im 20. Jahrhundert dem Meer abgerungen.
Norden ist geprägt von Wasser und Landwirtschaftsflächen, fast 80 Prozent des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. Auf den eingepolderten Flächen im Süden der Stadt wird Ackerbau betrieben. Das eingepolderte Marschland, das vor allem aus früherem Schlick besteht, ist sehr fruchtbar. Angepflanzt werden hauptsächlich Kartoffeln, Getreide und Raps. Auf den anderen Landwirtschaftsflächen wird Viehzucht betrieben. Dominierend ist hier die Milchviehwirtschaft, gefolgt von der Schweinezucht. Auf den Deichen weiden in den wärmeren Monat Schafe, die nicht nur die Grasnarbe niedrig halten, sondern zugleich auch mit ihren Hufen den Deichboden festtreten.
Da weite Teile des Stadtgebiets nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegen, muss das Land kontinuierlich entwässert werden. Das Norder Tief, früher Fahrwasser des Norder Hafens, spielt dabei eine bedeutende Rolle. Über die Schöpfwerke Leybuchtsiel und Leysiel entwässert es in die Leybucht und dadurch in die Nordsee. Diese Vielzahl an Gräben und die ständige Entwässerung machen eine Besiedlung der Region überhaupt erst möglich. Neben dem Norder Tief und seinen zahlreichen Zuflüssen, wie dem Addinggaster Tief oder dem Langhauser Tief, prägen noch eine Vielzahl von kleinen und größeren Entwässerungsgräben die Landschaft um Norden - wie auch im Rest von Ostfriesland.
Wie die meisten der zum größten Teil in der Marsch gelegenen Orte ist Norden nur äußerst spärlich bewaldet. Ursächlich dafür ist, dass diese Gebiete bis vor wenigen hundert Jahren noch unter Wasser standen und nie eine wesentliche Aufforstung erfahren haben.
Gliederung
Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen. Die Kernstadt umfasst neben dem alten Stadtzentrum noch die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde Sandbauerschaft mit ihren ehemaligen Ortsteilen
Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind Bargebur, Leybuchtpolder, Neuwesteel, Norddeich, Ostermarsch, Süderneuland I, Süderneuland II, Tidofeld, Westermarsch I und Westermarsch II. Bis auf Bargebur und Tidofeld, die historisch zu Lütetsburg gehörten, waren alle heutigen Stadtteile bis zur Kommunalreform 1972 eigenständige Gemeinden bzw. Samtgemeinden, im Falle von Norddeich handelt es sich um einen Sonderfall. Der heutige Ortsteil Norddeich ist praktisch identisch mit der ehemaligen Gemeinde Lintelermarsch, von dem Norddeich ursprünglich nur ein Ortsteil war.
Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, Tidofeld sowie Teile von Westermarsch II, dessen nordwestliche Teile oftmals fälschlicherweise Norddeich zugerechnet werden, sind baulich weitestgehend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem Ballungsgebiet leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.[5] Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein. Die historische Kernstadt umfasst eine Fläche von nicht einmal 14 km², was nicht einmal einen Anteil von 15 % an der städtischen Gesamtfläche darstellt.
Geschichte
Frühzeit
Das Gebiet der heutigen Stadt Norden wurde nachweislich schon in der Mittelsteinzeit, viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, besiedelt.[6] Besiedelt wurde das Gebiet vor allem von den Friesen, aber auch Chauken und Sachsen waren hier sesshaft.
Die Menschen besiedelten zunächst die Gebiete auf der Norder Geestinsel, die deutlich über den Meeresspiegel ragt und dadurch einen natürlichen Schutz vor Überflutungen but. Die umliegenden Marschgebiete wurden erst wesentlich später besiedelt bzw. eingedeicht. Entlang der Geestinsel bildeten sich einzelne Bauerschaften, die sich später zu einer Gemeinde, der sogenannten Sandbauerschaft, zusammenschlossen. Im Zentrum ihrer Bauerschaften errichteten sie einen Marktplatz, von dem aus sich das spätere Stadtgebiet entwickelte. Hier erbauten besonders vornehmene Familien bzw. Geschlechter ihre Wohnhäuser, sogar eine Burg entstand. In der Folgezeit wuchsen die Bauerschaften parallel zur Besiedlung um den Marktplatz weiter zusammen.
Die genaue Entstehung der Stadt Norden ist jedoch ansonsten weitgehend unbekannt. Aus der Frühzeit der Stadt liegen wenige Belege vor, deren Deutung unsicher ist. Funde einer mittelalterlichen Siedlung in Ekel deuten auf eine arbeitsteilige Beziehung des Geestortes mit der Bevölkerung der umliegenden Marsch hin. Zudem scheint in der Umgebung von Norden im frühen Mittelalter neben der Landwirtschaft vor allem die Produktion von Eisen eine wichtige wirtschaftliche Rolle gespielt zu haben. Noch ist über die Bedeutung des Ortes im Wirtschaftsgefüge des Norderlandes jedoch wenig und nichts Sicheres bekannt.
Der Marktort war über eine hochwassersichere Verbindung auf der Geest mit Esens verbunden, das Endpunkt des Friesischen Heerwegs von Oldenburg war. Noch heute erinnert die Heerstraße mit ihrem Namen daran. Aber auch die Osterstraße war einst ein alter Heerweg. Durch die günstige Lage am äußersten nordwestlichen Rand des Oldenburgisch-ostfriesischen Geestrückens hatte der Ort für viele Jahrhunderte Zugang zur See. Gehandelt wurde vor allem mit Vieh, Muschelkalk und Salz. Bis heute genießt Rindfleisch aus den Marschgebieten einen hervorragenden Ruf. Besonders in den Marschgebieten, aber auch in Norden, gab es mehrere Kalkwarfen sowie Salzsiedereien.
Mittelalter
Norden gehörte vermutlich zunächst zum historischen Federgau. Nach dem Einbruch der Leybucht, die sich wahrscheinlich während einer schweren Sturmflut am 26. Dezember 838 bildete, verlor das Kirchspiel Norden ab dem 9. Jahrhundert nach und nach seine Verbindungen zum Federgau.[7] So entwickelte sich die Ansiedlung bis 1150 zu einem Vorort des Gaues Nordendi, der in etwa das Gebiet umfasste, das ab dem Hochmittelalter Norder-, Auricher- und Harlingerland genannt wurde. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die fränkische Grafschaftsverfassung von den Friesen weitgehend ausgehöhlt und der Großgau Nordendi brach auseinander. Norden wurde nun Hauptort des Norderlandes.
Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden erstmals steinerne Kirchen in Norden. Die Andreaskirche war die erste von ihnen. Trotz der erhöhten Lage der Kernstadt errichteten die Menschen eine künstliche Warft, auf der sie die Kirche bauten. Ihre Kirchtürme dienten über Jahrhunderte den Seefahrern bis zur Elbmündung als wichtiges Seezeichen, bis sie 1531 von Balthasar von Esens gebrandschaft wurde und in den Folgejahrzehnten verfiel. Mehrere Versuche, sie wieder aufzubauen, schlugen fehl.
Während die Andreaskirche die Kirche der Stadt war, errichteten die Norder Umlandgemeinden in ihrer unmittelbaren Nähe die Ludgerikirche. Dieser Umstand ist einer der bedeutendsten Hinweise auf das Miteinander der Stadt mit den Umlandgemeinden. Neben den beiden Kirchen entstanden zudem zwei Klöster: Das Kloster Marienthal - gegründet vom Orden der Benediktiner - und das Kloster Norden, das wiederum von den Dominikanern gegründet wurde. Beide Klöster waren über Jahrhunderte von zentraler Bedeutung für Norden und die Region. Sie waren nicht nur geistliche Zentren, sondern waren auch Orte von Vertragsunterzeichnungen, wie dem Norder Vertrag im Jahre 1255. In diesem Vertrag wurde Norden erstmals gesichert urkundlich erwähnt, was vielfach mit der Verleihung des Stadtrechts verwechselt wird. Aus diesem Irrtum heraus erklärt sich, dass Norden sich lange Zeit als "älteste Stadt Ostfrieslands" bezeichnet. Emden wurde allerdings 1224, also 31 Jahre früher, erstmals urkundlich erwähnt.
Zu dieser Zeit gab es mehrere Burgen der vorherrschenden Häuptlingsfamilien des Ortes. Diese darf man sich jedoch nicht wie jene Burgen aus der Trivialliteratur vorstellen, sondern vielmehr um größere Steinhäuser. Steine waren und sind aufgrund fehlender, natürlicher Vorkommen ein seltener Rohstoff in Ostfriesland. Nur die wohlhabendsten Persönlichkeiten konnten sich Steine leisten. Die meisten Behausungen bestanden aus Lehm, Torf oder Holz. Die älteste Burg war die Oldeborg nahe des Norder Marktplatzes, an die heute noch der Straßenname Burggraben erinnert. Das damals wichtigste Norder Geschlecht, die Idzinga, errichteten ihre Burg in Ostlintel, hatten aber auch weitere Besitztümer im Stadtgebiet, so etwa der Engenahof am Marktplatz, in dem seit Oktober 1945 die Norder Polizei ansässig ist. Aus dem Wappen der Idzinga stammen die goldenen Sporenräder im Stadtwappen. Neben den Burgen entstanden mehrere mehrere Wehrhäuser, die sich ringförmig um die Stadt legten und so einen grundlegenden Schutz vor Angreifern boten. Norden hatte, anders als beispielsweise Emden, zu keiner Zeit eine Stadtmauer oder eine vergleichbare Befestigung.
In der Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge von 1350 bis 1464 gehörte Norden mit seinem Umland zum Herrschaftsgebiet verschiedener Häuptlingsfamilien und fiel schließlich an die tom Brok aus dem Brookmerland, nach ihrem Ende an die Grafen und späteren Fürsten von Ostfriesland aus dem Hause Cirksena. Das bedeutete für den Ort eine geringere politische Bedeutung, da sich die Machtzentren Ostfrieslands in Aurich (zunächst Sitz der tom Brok, später der Cirksena) und Emden (Cirksena, bis zu ihrer Vertreibung 1595) entwickelten, worin vermutlich begründet liegt, weshalb der Ort nie mit einer Stadtmauer oder Ähnlichem befestigt wurde. Norden war in der Folgezeit hauptsächlich Handelsort, was im 14. Jahrhundert nach Sturmfluten durch eine Ausweitung der Leybucht begünstigt wurde. Der Ort hatte danach direkten Zugang zum Meer. So entstand im Südbereich der Stadt ein Seehafen, der bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Bedeutung hatte und der Stadt über einen langen Zeitraum eine wirtschaftliche Blüte bescherte, auch wenn sein Handel dem der Stadt Emden stets nachstand. Norden besaß eine eigene Handelsflagge, unter der Norder Schiffe Nord- und Ostsee befuhren.
Neuzeit
Verwaltung
- siehe auch: Ostfriesische Häuptlinge
Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.
Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die Zweite Marcellusflut im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die Idzinga an die Macht, deren Hauptsitz in Itzendorf in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.
Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland.
Bildung
Religion
Gesundheit und Soziales
Wirtschaft und Verkehr
Erwähnenswerte Bauwerke
Einzelnachweise
- ↑ Niemeyer, Manfred (2012): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin, S. 456
- ↑ Zahlen und Daten auf Norden.de, abgerufen am 20. April 2021
- ↑ Internetseite vom Nationalpark Wattenmeer, abgerufen am 20. April 2021
- ↑ Rack, Eberhard (1998): Kleine Landeskunde Ostfriesland, Oldenburg, S. 94
- ↑ Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen, abgerufen am 20. April 2021
- ↑ Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 30
- ↑ Fehntjer Kurier - Wer nicht will deichen, der muss weichen, abgerufen am 21. April 2021
Quellenverzeichnis
- Beschreibung von Norden in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden
