Ekeler Vorwerk: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Ekeler Vorwerk''' ist ein großes Steinhaus mit baulich angeschlossenem Gulfhof, welches sich zwischen den heutigen Straßenzügen [[Schulstraße]], [[Baumstraße]] und [[Langer Pfad]] befindet. Das Gebäude gehört zu den historisch bedeutendsten der Stadt und ist bis heute in einem relativ authentischen Zustand erhalten. Es ist ein zweigeschössiger, verputzter klassizistischer Backsteinbau unter einem Krüppelwalmdach. Blockrahmen und Schiebefenster aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sind bis heute erhalten.
__TOC__
==Geschichte==
Der Name erklärt sich aus seiner Lage im Stadtteil [[Ekel]] und seiner Eigenschaft als Vorwerk (auch ''Vorwerck''). Als solche bezeichnete man landwirtschaftliche Nebengebäude und Höfe, die sich außerhalb der Befestigungslagen einer Burg oder eine Festung befanden.


Das '''Ekeler Vorwerk''' ist ein großes Steinhaus mit Scheune, welches sich zwischen den heutigen Straßenzügen [[Schulstraße]], [[Baumstraße]] und [[Langer Pfad]] befindet. Das Gebäude gehört zu den historisch bedeutendsten der Stadt und ist bis heute in einem relativ authentischen Zustand erhalten. Es ist ein zweigeschössiger, verputzter klassizistischer Backsteinbau unter einem Krüppelwalmdach. Blockrahmen und Schiebefenster aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sind bis heute erhalten.
Erwähnt wird das Ekeler Vorwerk erstmalig im Jahr 1605 als ''Schatthaus'' (Versorgungshof) des Adeligen Albert von Jemgum, welcher nach dem Tod des letzten [[Uldinga]] die [[Uldingaburg]] und das gesamte [[Gut Ekel]] geerbt hatte.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37ff.</ref> Das Umland bestand zunächst vor allem aus Eichenbäumen, die namensgebend für den Stadtteil [[Ekel]] waren. Sie wurden im Laufe der Zeit nach und nach abgerissen, um Platz für weitere Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen.


==Geschichte==
1719 gehörten noch 100 [[Diemat]] zum Anwesen, was einer Fläche von umgerechnet etwa 570.000 Quadratmetern entspricht. Ungefähr zwischen der [[Schulstraße]] und dem [[Langer Pfad |Langen Pfad]] existierte ein sogenannter ''Küchengarten'', ein Obst- und Gemüsegarten zur eigenen Versorgung. Ebenso sollen ein Hopfengarten und drei weitere Gärten zum Gut gehört haben.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Finettenburg: Neue Erkenntnisse, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 8. Januar 2011, S. 1ff.</ref> Die über die Jahrhunderte unveränderten Straßenzüge [[Looger Weg]], [[Heitsweg]], [[Ekeler Weg]], [[Baumstraße]] und [[Ekeler Gaste]] können als Abgrenzungen der Ausmaße der Ländereien angesehen werden.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref> 1840 wurde das Land stückweise verkauft und das Gebäude fortan als Gastwirtschaft genutzt. Für das Jahr 1848 lässt sich nachweisen, dass das Ekeler Vorwerk zwei Gebäude und acht Einwohner umfasste.<ref>Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848</ref>
Der Name erklärt sich aus seiner Lage im Stadtteil [[Ekel]] und seiner Eigenschaft als Vorwerk (auch "Vorwerck"). Als solche bezeichnet man landwirtschaftliche Nebengebäude bzw. Höfe, die sich außerhalb der Befestigungslagen einer Burg oder ähnliches befanden. Erwähnt wird das Ekeler Vorwerk erstmalig im Jahr 1605 als Schatthaus (Schatzhaus) des Adeligen Albert von Jemgum, welcher nach dem Todes letzten [[Uldinga]] die [[Uldingaburg]] und das gesamte [[Gut Ekel]] geerbt hatte.
 
1903 wurde in dem Gasthof im Jahre 1903 die [[Freie Turnerschaft|''Freie Turnerschaft'']] gegründet, die den den Saal zugleich für ihre Leibesübungen nutzte. Auch war die Gaststätte Gründungslokal des [[Radfahrverein Frisch Auf|''Radfahrvereins Frisch Auf'']].<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 16</ref>
 
Spätestens seit dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] befand war der Gasthof im Besitz der Familie Dittrich.<ref name=":0" /><ref name=":2">Ostfriesischer Kurier vom 1. Oktober 1915, S. 3</ref> Während des Kriegs wurden in diesem auch Auktionen von Fleisch durchgeführt, so etwa am 1. Oktober 1915.<ref name=":2" /> Im Folgejahr, 1916, kam es schließlich zu einem großen Brand in dem Gasthof, bei dem auch sämtliche Habseligkeiten der Vereine mit verloren gingen.<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5</ref><ref name=":1">Ostfriesischer Kurier (1999): Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart (Sonderdruck), Norden, S. 31</ref> Der Gasthof selbst erlitt schwerste Schäden und musste weitestgehend neu aufgebaut werden.<ref name=":1" /> Am Tage des Kriegsendes, dem 11. November 1918, sprach im Gasthof ein Arbeiter- und Soldatenrat zu einer dichtgedrängten Volksmenge.<ref name=":0">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17</ref>
 
Der neugebaute Gasthof wurde auch bekannt als ''Gewerkschaftshaus'', da sich hier neben der [[SPD Norden|örtlichen SPD]] auch die Gewerkschaften regelmäßig trafen. 1919 übernahm die Stadt das Gebäude und Gastwirt [[Bruno Dittrich]] eröffnete in der Nähe ein neues Geschäft.<ref name=":1" />
 
Von 1921 bis 1923 wurden Haus und Garten auch als Schützenhaus genutzt, damals hieß die Gaststätte hier ''Zum Stadtpark'' oder auch ''Gasthof Zum Ekeler Vorwerk''.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 7. August 2021, S. 6</ref> Die benachbarte [[Schützenwiese]] erinnert noch heute mit ihrem Namen an diese Zeit. 1924 erbauten die Schützen das [[Schützenhaus]] am [[Ekeler Weg]] und zogen dorthin um. Seitdem wurde das Grundstück des Ekeler Vorwerks unter anderem für [[TC Blau-Gelb|Tennisspiele]] genutzt und dafür das Grundstück im Winkel von [[Baumstraße]] und [[Schulstraße]] zu einem Tennisplatz hergerichtet. Mit Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde das Gelände von der nationalsozialistischen Bautruppe ''Organisation Todt'' beschlagnahmt, die es zur Einlagerung von Material für den Bau von [[Liste der Bunker|Bunkern]] und [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] nutzten.<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 8</ref>
 
Mitte Februar 1949 veranstalteten von Einheimischen und [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenen]] gegründete Betriebe der Stadt eine ''Mustermesse'' (Messe, auf der Warenmuster gezeigt und Abschlüsse zwischen Herstellern und Wiederverkäufern getätigt werden) in der großen Scheune des Vorwerks. Die Messe trug den sinnbildlichen Namen ''Die Brücke'', da sie die genannten Bevölkerungsgruppen einander näher bringen sollte. Das Publikumsinteresse war groß, insgesamt kamen rund 12.700 Besucher. Im Dezember des Jahres wurde daraufhin eine Weihnachtsausstellung mit 41 Ständen organisiert. Um an den Erfolg anzuschließen, wollte die Stadt die Veranstaltung im Folgejahr wiederholen, doch dabei ortsfremde Firmen einbeziehen, weshalb die Veranstaltung durch den Boykott der Norder Betriebe floppte.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 59</ref>


Das Gebäude besteht aus einem Wohnhaus und einer Scheune. Beide Gebäude sind bis heute erhalten, wenngleich sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach über- bzw. umbaut wurden.
Im Jahre 1950 befand sich im Ekeler Vorwerk kurzfristig ein provisorisches Kino als Ersatz für das wegen baulicher Mängel geschlossene [[Metropol-Theater]], ehe der Betrieb dort wieder aufgenommen werden konnte.<ref>[http://www.allekinos.com/NORDENMetropol.htm Geschichte des Metropol-Theaters], abgerufen am 17. Juni 2021</ref> Der Garten wurde um 1960 abgeholzt und bebaut. Hier entstanden zahlreiche Wohnhäuser. An den alten Baumbestand erinnern noch die Straßenbezeichnungen ''[[Eibenweg]]'' und ''[[Baumstraße]]''.


Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden Haus und Garten als [[Schützenhaus]] genutzt, der Garten wurde um 1960 abgeholzt und bebaut. Hier entstanden zahlreiche Wohnhäuser.
Bis etwa 2008 war in der Gulfscheune das Geschäft ''H. Wiesner Fußboden- und Innenausbau GmbH'' ansässig. 2010 wurde das steinerne Wohnhaus teilweise instandgesetzt und an der Nordseite mit dem markanten Schriftzug ''Ekeler Vorwerk'' versehen. Das Hauptgebäude wird als Wohnhaus genutzt, die Scheune beherbergt von 2008 bis Mai 2023 eine Freikirche (''[[Philadelphia Community]]''). Nebenräume der Scheune werden von der Partei [[Bündnis 90/Die Grünen]] genutzt. Dahinter befindet sich ein kleines Dojo.


==Ländereien==
==Beschreibung==
Das Umland des gesamten Guts bestand zunächst vor allem aus Eichenbäumen, die namensgebend für den Stadtteil [[Ekel]] waren. Diese wurden im Laufe der Zeit nach und nach abgerissen, um Platz für weitere Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Der große Baumgarten an der Westseite des Hauses war vor 200 Jahren Teil einer beliebten Gartenwirtschaft.
Das Gebäude besteht aus einem steinernen Wohnhaus im Stile der [[Liste der Burgen und Wehrhäuser|Burgen ostfriesischen Typus]] und einer Scheune mit Nebengebäuden. Das Haupthaus (Steinhaus) ist mehr oder minder im originalgetreuen Zustand. Wie auf den nachfolgenden Bildern zu erkennen ist, hat sich der Gebäudekomplex zur [[Schulstraße]] bedeutend verändert.


1719 gehören 100 Diemat zu diesem Vorwerk, was einer Fläche von umgerechnet etwa 570.000 Quadratmetern entspricht. Ungefähr zwischen der [[Schulstraße]] und dem [[Langer Pfad | Langen Pfad]] existierte ein Küchengarten, sprich ein Obst- und Gemüsegarten zur eigenen Versorgung. Ebenso sollen ein Hopfengarten und drei weitere Gärten zum "Gut Ekel" gehört haben. Die über die Jahrhunderte unveränderten Straßenzüge [[Looger Weg]], [[Heitsweg]], [[Ekeler Weg]], [[Baumstraße]] und [[Ekeler Gaste]] können als Abgrenzungen der Ausmaße der Ländereien angesehen werden. 1840 wurde das Land stückweise verkauft.
==Galerie==
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Datei:Ekel Ekeler Vorwerk Gasthof 1905 01.jpg|Der ''Gasthof Zum Ekeler Vorwerk'' im Jahre 1905. Der Fotograf steht westlich des Gebäudekomplexes.
Datei:Ekel Ekeler Vorwerk Gasthof 1905 02.jpg|Der ''Gasthof Zum Ekeler Vorwerk'' im Jahre 1905. Der Fotograf steht westlich des Gebäudekomplexes.
Datei:Ekeler Vorwerk 1907 01.jpg|Aufnahme von 1907. Der Fotograf steht an der [[Schulstraße]]. Der zu sehende Gebäudeteil ist nicht mehr existent.
Datei:Ekeler Vorwerk um 1910 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1910.
Datei:Ekeler Vorwerk um 1910 02.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1910 (links - nicht erkennbar - verläuft die [[Schulstraße]]).
Datei:Ekeler Vorwerk um 1910 03.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1910, aufgenommen vom [[Langer Pfad|Langen Pfad]].
Datei:Ekeler Vorwerk Schützenhaus um 1920 01.jpg|Innenansicht um 1920, hier noch als [[Schützenhaus]] beworben.
Datei:Schulstraße 33 - 03052006 (1).jpg|Frontansicht mit der Teppichhandlung ''H. Wiesner''. Aufnahme vom 3. Mai 2006.
Datei:Schulstraße 33 - 03052006 (2).jpg|Seitenansicht. Hier befand sich der Hauptbereich des oben genannten Gasthofs. Aufnahme vom 3. Mai 2006.
Datei:Schulstraße 33 - 06052006.jpg|Ansicht vom [[Langer Pfad|Langen Pfad]]. Aufnahme vom 6. Mai 2006.
Datei:Schulstraße 33 - 29032009.jpg|Neuere Ansicht mit dem Philadelphia Community Center. Aufnahme vom 29. März 2009.
</gallery>


==Quellenverzeichnis==
==Einzelnachweise==
* Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
<references />
* Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37ff.
* Schreiber, Gretje (2011): Finettenburg: Neue Erkenntnisse, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 8. Januar 2011, S. 1ff.
* Übersicht über sach- und personenbezogene Straßennamen der Stadt Norden


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Uldingaburg]]
*[[Uldingaburg]]
*[[Sandbauerschaft]]


[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Ekel]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Ekel]]
[[Kategorie:Ekel]]

Aktuelle Version vom 22. März 2024, 07:20 Uhr

Ekeler Vorwerk

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Basisdaten
Entstehungszeit vor 1605
Erbauer Häuptlingsgeschlecht Uldinga
Burgentyp Steinhaus mit Gulfscheune
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Schulstraße 33

26506 Norden

Das Ekeler Vorwerk ist ein großes Steinhaus mit baulich angeschlossenem Gulfhof, welches sich zwischen den heutigen Straßenzügen Schulstraße, Baumstraße und Langer Pfad befindet. Das Gebäude gehört zu den historisch bedeutendsten der Stadt und ist bis heute in einem relativ authentischen Zustand erhalten. Es ist ein zweigeschössiger, verputzter klassizistischer Backsteinbau unter einem Krüppelwalmdach. Blockrahmen und Schiebefenster aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sind bis heute erhalten.

Geschichte

Der Name erklärt sich aus seiner Lage im Stadtteil Ekel und seiner Eigenschaft als Vorwerk (auch Vorwerck). Als solche bezeichnete man landwirtschaftliche Nebengebäude und Höfe, die sich außerhalb der Befestigungslagen einer Burg oder eine Festung befanden.

Erwähnt wird das Ekeler Vorwerk erstmalig im Jahr 1605 als Schatthaus (Versorgungshof) des Adeligen Albert von Jemgum, welcher nach dem Tod des letzten Uldinga die Uldingaburg und das gesamte Gut Ekel geerbt hatte.[1] Das Umland bestand zunächst vor allem aus Eichenbäumen, die namensgebend für den Stadtteil Ekel waren. Sie wurden im Laufe der Zeit nach und nach abgerissen, um Platz für weitere Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen.

1719 gehörten noch 100 Diemat zum Anwesen, was einer Fläche von umgerechnet etwa 570.000 Quadratmetern entspricht. Ungefähr zwischen der Schulstraße und dem Langen Pfad existierte ein sogenannter Küchengarten, ein Obst- und Gemüsegarten zur eigenen Versorgung. Ebenso sollen ein Hopfengarten und drei weitere Gärten zum Gut gehört haben.[2] Die über die Jahrhunderte unveränderten Straßenzüge Looger Weg, Heitsweg, Ekeler Weg, Baumstraße und Ekeler Gaste können als Abgrenzungen der Ausmaße der Ländereien angesehen werden.[3] 1840 wurde das Land stückweise verkauft und das Gebäude fortan als Gastwirtschaft genutzt. Für das Jahr 1848 lässt sich nachweisen, dass das Ekeler Vorwerk zwei Gebäude und acht Einwohner umfasste.[4]

1903 wurde in dem Gasthof im Jahre 1903 die Freie Turnerschaft gegründet, die den den Saal zugleich für ihre Leibesübungen nutzte. Auch war die Gaststätte Gründungslokal des Radfahrvereins Frisch Auf.[5]

Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg befand war der Gasthof im Besitz der Familie Dittrich.[6][7] Während des Kriegs wurden in diesem auch Auktionen von Fleisch durchgeführt, so etwa am 1. Oktober 1915.[7] Im Folgejahr, 1916, kam es schließlich zu einem großen Brand in dem Gasthof, bei dem auch sämtliche Habseligkeiten der Vereine mit verloren gingen.[8][9] Der Gasthof selbst erlitt schwerste Schäden und musste weitestgehend neu aufgebaut werden.[9] Am Tage des Kriegsendes, dem 11. November 1918, sprach im Gasthof ein Arbeiter- und Soldatenrat zu einer dichtgedrängten Volksmenge.[6]

Der neugebaute Gasthof wurde auch bekannt als Gewerkschaftshaus, da sich hier neben der örtlichen SPD auch die Gewerkschaften regelmäßig trafen. 1919 übernahm die Stadt das Gebäude und Gastwirt Bruno Dittrich eröffnete in der Nähe ein neues Geschäft.[9]

Von 1921 bis 1923 wurden Haus und Garten auch als Schützenhaus genutzt, damals hieß die Gaststätte hier Zum Stadtpark oder auch Gasthof Zum Ekeler Vorwerk.[10] Die benachbarte Schützenwiese erinnert noch heute mit ihrem Namen an diese Zeit. 1924 erbauten die Schützen das Schützenhaus am Ekeler Weg und zogen dorthin um. Seitdem wurde das Grundstück des Ekeler Vorwerks unter anderem für Tennisspiele genutzt und dafür das Grundstück im Winkel von Baumstraße und Schulstraße zu einem Tennisplatz hergerichtet. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände von der nationalsozialistischen Bautruppe Organisation Todt beschlagnahmt, die es zur Einlagerung von Material für den Bau von Bunkern und Flakstellungen nutzten.[11]

Mitte Februar 1949 veranstalteten von Einheimischen und Vertriebenen gegründete Betriebe der Stadt eine Mustermesse (Messe, auf der Warenmuster gezeigt und Abschlüsse zwischen Herstellern und Wiederverkäufern getätigt werden) in der großen Scheune des Vorwerks. Die Messe trug den sinnbildlichen Namen Die Brücke, da sie die genannten Bevölkerungsgruppen einander näher bringen sollte. Das Publikumsinteresse war groß, insgesamt kamen rund 12.700 Besucher. Im Dezember des Jahres wurde daraufhin eine Weihnachtsausstellung mit 41 Ständen organisiert. Um an den Erfolg anzuschließen, wollte die Stadt die Veranstaltung im Folgejahr wiederholen, doch dabei ortsfremde Firmen einbeziehen, weshalb die Veranstaltung durch den Boykott der Norder Betriebe floppte.[12]

Im Jahre 1950 befand sich im Ekeler Vorwerk kurzfristig ein provisorisches Kino als Ersatz für das wegen baulicher Mängel geschlossene Metropol-Theater, ehe der Betrieb dort wieder aufgenommen werden konnte.[13] Der Garten wurde um 1960 abgeholzt und bebaut. Hier entstanden zahlreiche Wohnhäuser. An den alten Baumbestand erinnern noch die Straßenbezeichnungen Eibenweg und Baumstraße.

Bis etwa 2008 war in der Gulfscheune das Geschäft H. Wiesner Fußboden- und Innenausbau GmbH ansässig. 2010 wurde das steinerne Wohnhaus teilweise instandgesetzt und an der Nordseite mit dem markanten Schriftzug Ekeler Vorwerk versehen. Das Hauptgebäude wird als Wohnhaus genutzt, die Scheune beherbergt von 2008 bis Mai 2023 eine Freikirche (Philadelphia Community). Nebenräume der Scheune werden von der Partei Bündnis 90/Die Grünen genutzt. Dahinter befindet sich ein kleines Dojo.

Beschreibung

Das Gebäude besteht aus einem steinernen Wohnhaus im Stile der Burgen ostfriesischen Typus und einer Scheune mit Nebengebäuden. Das Haupthaus (Steinhaus) ist mehr oder minder im originalgetreuen Zustand. Wie auf den nachfolgenden Bildern zu erkennen ist, hat sich der Gebäudekomplex zur Schulstraße bedeutend verändert.

Galerie

Einzelnachweise

  1. Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37ff.
  2. Schreiber, Gretje (2011): Finettenburg: Neue Erkenntnisse, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 8. Januar 2011, S. 1ff.
  3. Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
  4. Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848
  5. Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 16
  6. 6,0 6,1 Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 17
  7. 7,0 7,1 Ostfriesischer Kurier vom 1. Oktober 1915, S. 3
  8. Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5
  9. 9,0 9,1 9,2 Ostfriesischer Kurier (1999): Von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart (Sonderdruck), Norden, S. 31
  10. Ostfriesischer Kurier vom 7. August 2021, S. 6
  11. Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 8
  12. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 59
  13. Geschichte des Metropol-Theaters, abgerufen am 17. Juni 2021

Siehe auch