Norddeich

Aus Norder Stadtgeschichte
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Norddeich

Wappen
Höhe 1,4 m ü. NN
Fläche 10,523 km²
Einwohner 1264 (30.06.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 120 Einwohner/km²

Norddeich ist ein Stadtteil von Norden und hat 1264 Einwohner (Stand: 30.06.2020), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen.

Im Osten grenzt Norddeich an Ostermarsch, im Westen an Westermarsch II und im Süden an Norden. Im Norden wird das Land durch die Nordseeküste begrenzt.

Namensherkunft

Norddeich war historisch Teil der Gemeinde Lintelermarsch und bezeichnete eigentlich nur den nördlich gelegenen Teil. Im Laufe der Zeit, als der Ort mehr und mehr an Bedeutung gewann, wurde aus der Deichbezeichnung schließlich ein Ortsname. Erstmalige Erwähnung findet der Ort 1813 in einem Werbeprospekt, in dem ein Geschäftsmann für einen Urlaub "am Norddeiche" von Norden wirbt. 1824 wird es als "Fischerhausen am sogenannten Norddeiche" bezeichnet. Später kürzte man den Namen ab und nannte ihn fortan nur noch "Norddeich". Wann genau, ist nicht überliefert.

Wappen

Das Wappen zeigt im grünen Schildhaupt einen silbernen Fisch mit goldenen Flossen und darunter einen roten Blitz mit silbernem Rand. Es wurde von der Gemeinde Lintelermarsch übernommen, welche 1972 Teil von Norden wurde und das Wappen am 26. Juli 1960 verliehen bekam. Es handelt sich um ein sogennantes "redendes Wappen", da es die Ortsgeschichte - wie bei Neuwesteel - bildlich wiedergibt. Der Fisch im oberen Bereich spiegelt die in Norddeich jahrhundertelang bedeutende Fischerei wieder, der Blitz steht für die Sendestelle von Norddeich Radio, welche sich in Osterloog befand. Heute befindet sich dort das Waloseum. Die Farbgebung Rot-Silber wurde vom Anstrich der Sendetürme übernommen. Das Grün im Wappen steht für die Landwirtschaft, die ebenfalls lange Zeit eine große Bedeutung hatte und in den östlichen Gebieten Norddeichs bis heute hat.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 295
1848 441
1871 555
1885 626
1905 710
Jahr Einwohner
1925 818
1933 825
1939 890
1946 1338
1950 1453
Jahr Einwohner
1956 1212
1961 1181
1970 1383
2009 1734
2010 1747
Jahr Einwohner
2016 1654
2018 1542
2020 1264

Geografie

Der Ort befindet sich in einem Kalkmarschgebiet in einer Höhe von bis zu 1,4 m über Meeresniveau (NN). Eine von Südwest nach Nordost zum Teil am Süderschloot verlaufende Linie trennt Norddeich von der südlich gelegenen ehemaligen, heute zu Norden gehörenden Sandbauerschaft. Diese Linie ist heute die Grenze zu Neustadt. In nördlicher Richtung wird der Ort vom Wattenmeer begrenzt, im Osten von der Ostermarsch und im Westen von Westermarsch II.

In Teilen der südlichen Ausläufer des Ortes weist der Boden eine sandige und weißlich bis rötlichgraue Farbe auf. Der Großteil des Bodens in Norddeich und Umgebung besteht jedoch aus sehr fruchtbarem Marschboden, der eher kräftig hell und gelblich ist.

Auffallend sind um Norddeich die vielen mit Schilf bestandenen Wasserstellen. Sie sind in den letzten Jahrhunderten durch immer wieder notwendig werdende Deichbauten entstanden. Außerdem sind etliche meist runde oder längliche Wasserstellen bzw. -löcher zu finden, die die verschiedenen Sturmfluten verursacht haben und als "Kolk" bezeichnet werden.

Geschichte

Mittelalter

Bis ins Mittelalter war die Zahl der hier lebenden Menschen äußerst gering. Der Ort bestand - wie alle Marschgebiete nördlich von Norden - aus vereinzelten Streusiedlungen mit nur wenigen Gebäuden. Erbaut wurden sie zu Beginn auf Warften, künstlichen Erhöhungen, die Mensch, Tier und Behausung Schutz vor Sturmfluten bieten sollte, als es noch keine oder nur schwache Deiche gab.

Neuzeit

Mit Beginn der Neuzeit (ab etwa 1500) begannen größere Veränderungen, besonders in der Sozialstruktur. In allen Marschgebieten - und damit auch in Norddeich und umzu - ging die Zahl der kleineren Höfe zurück, die der größeren stieg. Im Jahr 1600 werden in der gesamten Lintelermarsch 48 Hofstellen gezählt, im Jahre 1719 sind nur noch 27 Höfe vorhanden.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hatten die Bewohner der Lintelermarsch nicht nur unter den Folgen von Sturmfluten sondern auch unter den Einquartierungen der Mansfelder sowie der Kurfürstlichen Brandenburgischen Soldaten zu leiden, die ihr Land und ihre Häuser verwüsteten und kaum erfüllbare Forderungen stellten. Damit erlitten die Bewohner das gleiche Schicksal wie die von Westermarsch I und Westermarsch II.

Im 18. Jahrhundert gewann der Tourismus allmählich an Bedeutung, jedoch blieben die bis dahin vorherrschenden Wirtschaftszweige - die Fischerei und die Landwirtschaft - weiterhin von zentraler Bedeutung für den Ort.

1870 sind für Norddeich ein Fähranleger, eine Schule, vier Bauernhöfe (davon einer mit Gaststätte) und 18 Häusern angegeben.

1871 wird die Reederei Frisia als "Dampfschiffsrhederei Norden" gegründet.

1889-1891 erfolgt der Molenbau und im Jahre 1892 der Bahnanschluss.

In Norddeich befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager in der Gastwirtschaft Friesenhof, in dem bis zu 40 Personen (Franzosen und Belgier) untergebracht waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg werden Bahnhof und die Gebäude der Reederei Frisia bedeutend erweitert. Im Juli 1951 wird die Seebadeanstalt wieder eröffnet. Initiator ist der zuvor gegründete Bade- und Verkehrsverein Norden-Norddeich.

Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde Norddeich zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden und verlor damit seine Eigenständigkeit.

Nachdem 1962 die Aufgaben des Bade- und Verkehrsvereins Norden-Norddeich auf einen kommunalen Zweckverband der Stadt Norden sowie der Gemeinden Lintelermarsch und Westermarsch II übergegangen sind, fördern die Eingemeindungen 1972 die Gründung der "Kurbetriebs GmbH".

Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstehen in den siebziger Jahren Freizeitanlagen wie das Meereswasserbecken (1973) und das Haus des Gastes (1975/76). Hinter dem Deich folgen landeinwärts das Meereswasser-Hallenbad (1979; heute Ocean Wave), ein Campingplatz, der Wellenpark sowie die Seehundstation.

Am 24. Juni 2010 verlieh der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode dem Stadtteil den Titel "Nordseeheilbad", die höchste touristische Anerkennungsstufe des Landes.

Verwaltung

Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) im Amt Norden war der Drost, später Amtsverwalter genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen Amt Norden hatte. Der Vogt, ein Exekutivbeamte des Drosten, erhielt seine Bestallung vom Fürsten. Sein Arbeitsbereich umfasste die Lintelermarsch und die bei Norden gelegene Sandbauernschaft. Dem Vogt wurde ein Auskündiger beigegeben, der vom zeitigen Amtsverwalter eingesetzt wurde.31 Zusätzlich gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten, die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Schatzungen und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen anzusagen. Das Amt ging im Rott um und wurde hier auf zwei Jahre verwaltet.32 Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in der Lintelermarsch und nach der Gemeindereform 1972 ein Ortsvorsteher. Die Landwehr wurde 1735 von einem Leutnant und einem Fähnrich geführt, gewählt von den qualifizierten Interessenten, konfirmiert vom fürstlichen Haus.33

Bildung

Religion

Gesundheit und Soziales

Wirtschaft und Verkehr

Vom Hafen Norddeich aus gelangen mit den Fähren der Reederei Norden-Frisia jährlich 2,25 Millionen Menschen sowie 175.000 Fahrzeuge zu den vorgelagerten Inseln Juist und Norderney. Nach Puttgarden und Rostock ist Norddeich der drittgrößte Personenhafen Deutschlands und der größte in Niedersachsen.

Sehenswürdigkeiten

Quellenverzeichnis