Neuweger Schule
Neuweger Schule | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | 1712 | |||||||
| Erbauer | Stadt Norden | |||||||
| Bauweise | Ziegelsteinbau | |||||||
| Entwidmung | 1877 | |||||||
| Erhaltungszustand | erhalten | |||||||
| Genaue Lage | Neuer Weg 78
26506 Norden | |||||||
Die Neuweger Schule war eine zunächst privatbetriebene, später staatliche Volksschule auf dem Namensgebenden Neuen Weg. Sie existierte bis 1877, aber auch heute noch wird das Gebäude für Lehrzwecke genutzt. So hat hier ein Nachhilfeverein seinen Sitz. Viele Jahre war das Gebäude zudem auch als "Piratenschule" bekannt.
Geschichte
Die Geschichte der Neuweger Schule reicht bis in das Jahr 1712 zurück. 44 Norder Privatleute (sog. Interessenten) errichteten und unterhielten diese Schule, um ihren Kindern eine - zumindest rudimentäre - Bildung zu ermöglichen. Zu jener Zeit oblag das Schulwesen noch keinesfalls dem Staat, vielmehr wurden diese hauptsächlich von Kirchen betrieben und finanziert, so etwa die Lutherische Klassenschule oder die Gasthausschule. Staatliche Schulen waren sehr selten und wenn, dann waren sie oft von der Gunst und den Zuwendungen der herrschenden Familie abhängig, so etwa im Falle des Ulrichsgymnasiums. Dieser Umstand streckte sich noch bis in das 19. Jahrhundert hinein, sodass beispielsweise auch die alte Nadörster Schule oder die alte Osterlooger Schule unter der Aufsicht der Kirche stand, wenngleich sie oftmals von der Schulgemeinde unterhalten wurde.
Bei der Neuweger Schule hingegen handelte sich um eine sogenannte Winkel- bzw. Klippschule, also eine privat betriebene, von den Behörden nicht anerkannte Schule, die eigenständig von Privatleuten unterhalten wurden.[1] Solche Schulen wurden erst im 19. Jahrhundert verboten, als man die Notwendigkeit eines staatlich organisierten, einheitlichen Schulsystems erkannte und derartige "Klippschulen" verbot. Anders als die meisten Klippschulen erfuhr die Neuweger Schule jedoch eine allgemein breite Anerkennung.[1]
Vor der Nutzung als Schule befand sich hier die Weberei eines Folkert Jacobs, wie ein Kaufvertrag aus dem Jahr 1712 belegt. In der Folgezeit entwickelte sich die Schule sehr positiv und erwarb sich einen guten Ruf. Dies mag vor allem darin begründet sein, dass die Interessenten die Lehrkräfte akribisch aussuchten. Aber auch der selbst gewählte Schulvorstand kümmerte sich vorbildlich darum, dass Schulgelder rechtzeitig eingetrieben und sinnvoll investiert wurden. Erster Schulmeister (frühere Bezeichnung für nicht-akademische Lehrkräfte) wurde Hinrich Janshen, der 21 Jahre lang an der Schule unterrichtete.[1]
1775 wird Cornelius Harmens Norman neuer Lehrer für die 68 Schulkinder.[1] Norman war zuvor seit 1771 Lehrer an der Itzendorfer Schule. In seinem Antrittsjahr an der Neuweger Schule versuchte die kirchliche Schulbehörde (Consistorium) in Aurich, ein Verbot der Klippschulen auf den Weg zu bringen und die Eltern bei Strafandrohung anzuhalten, ihre Kinder auf öffentliche Schulen zu schicken.[2] Dass dieses Verbot wenig fruchtete, zeigt der Fortbestand der Neuweger Schule.
1778 wurde der Schulraum um 14 Fuß (ca. 4,35 Meter) in den rückwärtigen Bereich verlängert. Zu dieser Zeit besuchten 71 Kinder die Schule. Unter Lehrer Claas Alpts Peters stieg die Schülerzahl auf 120 Kinder, eine für heutige Zeiten unvorstellbare Größe, sodass man die Einstellung eines Gehilfen erwog. 1865 stieg die Schülerzahl auf unfassbare 270 Schüler.[1]
Erst 1869 wurde die Schule verstaatlicht und in den Norder Schulverband aufgenommen. Die Verstaatlichung ging zurück auf ein Verbot derartiger Klippschulen. Bis dahin waren in der 157-jährigen Geschichte der Schule nur neun Lehrer an der Schule tätig gewesen.[2] Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Lehrkräfte (zumindest vergleichsweise) gut entlohnt wurden und auch sonst die Arbeitsbedingungen erträglich waren.
1877 wurde die Schule geschlossen und die verbliebenen Schüler wurden an die Marktschule umgeschult, was die dortige Raumnot noch weiter vergrößerte.[3] Ursächlich war eine Änderung in den Einzugsbereichen der Schule.[2]
Beschreibung
Die Platzverhältnisse in der Schule können als sehr beengt angesehen werden. Auch ein Schulhof existierte nicht, sodass die Kinder bis 1874 hinter dem Gebäude spielen mussten und ab dann nur noch den Neuen Weg als Spielfläche hatten, da der bisherige Platz bebaut wurde.[1]
Lehrkräfte
| Zeitraum | Vollständiger Name |
|---|---|
| 1712 - 1733 | Hinrich Janshen |
| 1733 - 1775 | ??? |
| 1775 - ??? | Cornelius Harmens Norman |
| ??? - ??? | Claas Alpts Peters |
| vor 1858 - 1873 | ??? Ehwegen |
| 1873 - 1877 | Johann Friedrich Ferdinand Snoek |
Schülerzahlen
| Schuljahr | Anzahl |
|---|---|
| 1775 | 68 |
| 1778 | 71 |
| ??? | 120 |
| 1865 | 270 |
Literatur
- Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 54-