Westermarsch II
Westermarsch I | |
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| Höhe | 0,7 - 1,3 m ü. NN |
| Fläche | 11,687 km² |
| Einwohner | 395 (30.06.2020) |
| Eingemeindung | 1. Juli 1972 |
| Bevölkerungsdichte | 34 Einwohner/km² |
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Westermarsch II ist ein Stadtteil von Norden und hat 395 Einwohner (Stand: 30.06.2020), die sich auf einer Fläche von rund 11,69 km² verteilen.
Im Norden und Westen grenzt Westermarsch II unmittelbar an die Nordsee, im Osten an Norddeich sowie im Süden an Westermarsch I und teilweise Norden.
Namensherkunft
Der Name Westermarsch II kennzeichnet einerseits den Landschaftstyp des Ortes (Marsch) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen der historischen Region Norderland bzw. der Stadt Norden. Durch die römische 2 unterscheidet sich der Ort von Westermarsch I.
Erstmalige Erwähnung findet die Westermarsch in 1361. Spätere Bezeichnungen waren ebenfalls "Westermarsch" (1541/1542). In 1553 wird die "Westermersch" erwähnt. 1823 und 1826 folgen dann "Westermarsch 1. und 2. Bauernschaft" und schließlich die heutige Bezeichnung ab 1858.
Bevölkerungsentwicklung
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Geografie
Westermarsch I befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 1,3 m über Meeresniveau (NN). Die nördliche und westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die östliche Grenze zu Norddeich verläuft hauptsächlich mittig des ursprünglichen Verlaufs des Dörper Wegs. Im Süden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und ist historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Größe entweder zu Westermarsch I oder II gehören.
Geschichte
Mittelalter
Wann genau die Gegend erstmalig besiedelt wurde, ist nicht genau nachvollziehbar. Durch seine nähere Lage an der Nordsee und der damit stets einhergehenden großen Gefahr von Sturmfluten, vor denen auch nicht immer die Warften Schutz boten, war Westermarsch II bis in die Neuzeit deutlich dünner besiedelt als das südlichere Westermarsch I. Die Anzahl an Bewohner dürfte sehr überschaubar und im zweistelligen Bereich gelegen haben. Darum befinden sich auch heute noch kaum Warften in Westermarsch II, die sich dagegen wesentlich häufiger im weiter südlich gelegenen Westermarsch I befinden.
Seit Anbeginn der Besiedlung ist das Land den Launen der Nordsee ausgeliefert. Sturmfluten und damit einhergehende Überschwemmungen bestimmten seit jeher den Verlauf der Deichlinie und machten den Bewohnern das Leben schwer. Bis zum vollständigen Untergang der nordwestlich von Westermarsch gelegenenen Nordseeinsel Bant konnten sich die Menschen mit relativ geringen Deichen schützen und errichteten ihre Häuser auf Warften, die sie je nach Bedarf erhöhten. Warften sind künstlich geschaffene Erhöhungen der Landschaft. Man kann sie sich als Hügel vorstellen, auf denen die Erbauer ihre Gebäude errichteten. Noch heute sind viele Warften in der Landschaft unverändert gut erkennbar und viele Gebäude stehen weiterhin auf solchen.
Ihre Ländereien schützten sie, wenn überhaupt, mit kleinen Dämmen vor den Fluten der Nordsee. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann man, diese kleinen Ringdeiche seewärts miteinander zu verbinden, so dass in den ersten Jahrzehnten nach 1100 ein fast geschlossener Hauptdeich entstand. Die damaligen Deiche waren in ihrer Bauweise jedoch keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen und boten nicht immer Schutz. Besonders verheerende Deichbrüche und dadurch folgende Überschwemmungen sind für die Jahre 1164, 1196, 1219 und 1334 überliefert. Überreste eines frühzeitlichen Deichs sind noch heute teils entlang der Westermarscher Straße erkennbar.
Die zweite Marcellusflut, die auch als "große Mandränke" (großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch Eindeichungen wieder dem Wasser abgewonnen wurden. Die im 9. Jahrhundert entstandene Leybucht gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde nach der Leybucht auch "Leide" genannt. Aus ihr entsprang das Norder Tief.
Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, die erste Dionysiusflut, die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene Westeel wurde sogar gänzlich zerstört und aufgegeben.
Bei der zweiten Dionysiusflut in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das Dominikanerkloster nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die Stadt Norden direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des Langhauser Tiefs, der von Utlandshörn bis nach Norden reichte.
Das 14. Jahrhundert war das wohl verheerendste Flutjahr in der überlieferten Geschichte der Westermarsch. Um 1400 hatte die Leybucht dadurch ihre größte Ausdehnung erreicht. Die Folgen der Sturmfluten waren so verheerend und weitreichend, als dass man sie in absehbarer Zeit hätte reparieren können. Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte der Schwarze Tod (Beulenpest) zwischen 1350 und 1360 in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim.
Neuzeit
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde auch Westermarsch von Mansfeldern belagert. Die Söldner des berüchtigten Heerführers Peter Ernst II. von Mansfeld drangsalierten die Bevölkerung über viele Jahre und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu könnenn. Später kamen auch brandenburgische Soldaten hinzu, die noch schlimmer als die Mansfelder wüteten und für zahlreiche Verwüstungen sorgten.
Bei der Weihnachtsflut 1717 entstanden in Westermarsch II sieben Grundbrüche im Seedeich. Die Bewohner konnten die Deichbrüche nicht schnell genug reparieren, vermutlich, da sie selbst zunächst genug damit zu tun hatten, ihre eigenen Existenzen halbwegs wieder aufzubauen. So kam es, dass bei einer erneuten Sturmflut am 24. Februar 1718 erneut zu schweren Schäden kam. Das Land war nun durch das Salzwasser teils entwertet, die Schäden der Sturmflut dadurch umso immenser. Die Ortschaft Itzendorf wurde 1721 vollends aufgegeben. An sie erneut heute nur noch die Itzendorfplate, eine kleine Untiefe im nordöstlichen Bereich von Westermarsch II. Die Deichlinie wurde weiter ins Innenland verlegt und verlief nun in etwa entlang der Grenze zu Westermarsch I, beginnend in Utlandshörn und in Norden endend.
Die Sturmflut 1825 hatte zwischen dem Kleinen Krug und dem Großen Krug insgesamt 16 Deichbrüche zur Folge. Bei Itzendorf brach der Deich sogar in einer Breite von 70 Metern. Es wurden mehrere tausend Hektar Land überflutet und mehrere hundert Hektar versandet. Abgesehen vom direkten Schaden hatte die Sturmflut auch weitere wirtschaftliche und sogar gesellschaftliche Folgen. So mussten 46 Bauern ihre Höfe und Ländereien veräußern, da sie sie und die damit einhergehenden Pflichten, besonders das Spatenrecht ("Keen nich will dieken, de mutt wieken" - "wer nicht deichen will muss weichen"), nicht mehr erfüllen konnten.
roßen Krug 16 Deichbrüche zur Folge,
so etwa in der Nähe des 1721 ausgedeichten Itzendorf mit einer Breite von ca. 70 m. Hier entstand
ein Kolk von etwa 11 m Tiefe. Im Norder Amt wurden fast 8 000 ha überströmt und ca. 550 ha
versandet. Dadurch wurden die Besitzverhältnisse innerhalb der Wester- und Lintelermarscher
Deichacht erheblich verändert: Von 88 Höfen wechselten in den folgenden Jahren bei 46 die
Besitzer, weil sie ihren Hof nicht halten konnten. Die bis dahin bei den Deichen geltende
Pfandwirtschaft wurde 1900 durch Beitragszahlungen abgelöst. Die Deichgenossenschaft trägt seit
dieser Zeit die Verantwortung für die Erhaltung der Deiche.
Westermarsch II entspricht der alten Rotteinteilung Rott 5 bis Rott 9. „Rott“, nd. „röt“, „rot“
bedeutet etwa „Abteilung“, „Bezirk“, „Quartier“, also z. B. einen Bezirk auf dem Lande. In der
Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) hatte der Drost, später im Norder Amt Amtsverwalter
genannt, die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen Amt Norden. Der Vogt als Exekutivbeamte
des Drosten erhielt seine Bestallung vom Fürsten. Sein Arbeitsbereich umfasste die ganze
Westermarsch, Süderneuland I & II, sowie alles was südlich von Norden gelegen war. Dem Vogt
wurde ein Auskündiger beigegeben, der vom zeitigen Amtsverwalter eingesetzt wurde. Zusätzlich
gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten, die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott
wohnten, Schatzungen und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen
anzusagen. Das Amt ging im Rott um und wurde hier auf zwei Jahre verwaltet.
Die Namen der Rotts konnten wechseln, so etwa: „Nyelander das fünffte Rott“ (1618), „Westermarscher 5. Rott“ (1650, 1672),“Westermarscher 5. Rott oder Witje Lammers Rott“ (1719). „Das
Sechste Rott“ (1618), „F(ähnrich) Redleff Folckers Rott“ (1634), „Redleff Folckerß Rott“ (1650),
„Reelef Folckers Rott“ (1672) oder „Westermarscher 6. Rott“ (1719). Das siebte Rott war das
Neudeicher Rott ,das achte das Itzendorfer Rott.
1735 standen ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze der Landwehr, gewählt von den qualifizierten Interessenten und konfirmiert vom fürstlichen Haus. Im 19. Jahrhundert stand der
Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in Westermarsch II.
1905 bis 1906 wurde die Funkstation Norddeich in Utlandshörn(?) errichtet und zunächst dem
Kaiserlichen Postamt Norden angegliedert. Ab 1910 wurde sie zur eigenständigen
Telegraphenanstalt Norddeich. Der Sender arbeitete auf Mittel-, Grenz-, Kurz- und
Ultrakurzwellen im Telegrafie- und Sprechfunk mit deutschen und ausländischen Schiffen und
stellte ebenso Funkverbindungen zwischen den Reedereien und ihren auf See befindlichen
Schiffen her. Die Küstenfunkstelle war von großer militärischer Bedeutung und ein tragender
Faktor für die Sicherheit auf See. Während des Ersten Weltkriegs stand die Küstenfunkstelle unter
das Kommando der Kaiserlichen Marine und das Itzendorfer Schulgebäude diente häufig als
Unterkunft für Militäreinheiten. Nachdem die Marine im November 1918 die Küstenunkstelle
geräumt hatte, wurde diese durch Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates besetzt.
Im September 1919 bestand die Einwohnerwehr der Westermarsch II aus 57 Mann, die mit 50
Waffen ausgerüstet waren.
Am 8. Dezember 1930 wurde der Empfangsbetrieb von Radio Nordeich, der seit 1923 in Westgaste stationiert war, in das neue Empfangsgebäude in Utlandshörn überführt. Mit der Zunahme
des Verkehrs und durch den Einbau von immer leistungsstärkeren Sendern war die räumliche
Trennung von Sende- und Empfangsfunkstelle notwendig geworden, da der Empfang durch die
eigenen Sender gestört wurde
Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs formierte sich eine Bürgerwehr, der 73 Mann angehörten. Die Wehr hatte keine Waffen, diese waren jedoch angefordert. Zu einer Bewaffnung kam es durch die Gründung der Weimarer Republik jedoch nicht mehr.
Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in einer Holzbaracke bei Landwirt J. Ahrends das Kriegsgefangenenlager Westercharlottenpolder (AK Nr. 1 164E), in dem 35 bis 40 (vorher auch 60) Personen untergebracht waren. Im Oktober 1940 gab es 40 Insassen von ausnahmslos französischer Herkunft. Im Juli 1941 registrierte man dann 39 Serben.
Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 730 Einwohner, von denen 190 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 22 auf insgesamt 752 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 200.
Verwaltung
Bis 1463 hatten wohl Häuptlinge oder andere lokale Würdenträger das Sagen. Feste Strukturen waren jedoch kaum vorhanden.
Ab 1464 bis 1744 stand Westermarsch I ein vom Grafen bzw. Fürsten bestellter Drost vor, der später auch den Titel "Amtsverwalter" trug, da ihm das Amt Norden unterstand. Dieser hatte neben der Oberaufsicht auch die gesamte Polizeigewalt inne. Dem Drosten bzw. Amtsverwalter war ein Vogt beigestellt, der vom Grafen bzw. Fürsten selbst eingesetzt wurde. Dieser Vogt war neben Westermarsch I auch für Westermarsch II sowie Süderneuland I und Süderneuland II zuständig. Ein sogenannter Auskündiger, der vom Drosten bzw. Amtsverwalter eingesetzt wurde, unterstützte den Vogten in seiner Arbeit und war diesem hierarchisch untergeordnet. Unter dem Auskündigen standen mehrere Rottmeister, die jeweils ein Rott verwalteten. Westermarsch I hatte damit vier Rottmeister. Sie hatten vor allem die Aufgabe, die Steuern in ihren Rotten einzutreiben und den Rottbewohnern ihre Pflichten anzusagen. Die Amtszeit der Rottmeister dauerte zwei Jahre, das Amt wurde danach im Rott an geeignete, männliche Bewohner neu vergeben.
Für 1735 sind ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze einer Landwehr (Miliz), die demokratisch gewählt, jedoch vom Regenten bestätigt werden mussten.
Ab dem 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze von Westermarsch I. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben. An der Spitze der eigentlichen Verwaltung stand ein (Samt-)Gemeindedirektor, der hauptberuflich tätig und Kommunalbeamter war. Von 1954 bis zum 30. Novemeber 1965 war Bernhard Ennenga Bürgermeister von Westermarsch I. Unter Gemeindedirektor Hippen fand von 01.12.1965 bis 30.06.1972 die "kleine Gebietsreform" statt, Westermarsch I und II verloren ihre Eigenständigkeit und gingen in der Samtgemeinde Leybucht auf, der auch Neuwesteel und Leybuchtpolder angehörten. Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Samtgemeinde Leybucht am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher Ortsvorsteher vertritt nun den Ort und seine Interessen gegenüber der städtischen Verwaltung sowie der Politik.
Bildung
- Hauptartikel: Altendeichsschule
Mindestens seit 1622 ist in Westermarsch I eine Schule belegt, die im Laufe der Jahre neugebaut und erweitert wurde. Das Schulgebäude aus dem Jahr 1868 existiert noch heute und befindet sich in Privatbesitz. Bis 1992 befand sich die Schule in einem 1961 errichteten Gebäude, in dem sich heute der Kindergarten Westermarsch befindet.
Religion
Es ist nicht belegt, dass es in Westermarsch jemals einen Friedhof gegeben hat. Die Verstorbenen wurden in Norden beerdigt, die zuständige Kirche aller Norder Umlandgemeinden war die Ludgerikirche am Norder Marktplatz.
Die Bevölkerung ist überwiegend evangelisch-lutherisch und gehört mittlerweile zur Andreas-Kirchengemeinde Norden, welche ihren Sitz im Warfenweg hat. Vereinzelt gibt es evangelisch-reformierte Bewohner, die die Kirche in Bargebur besuchen, sowie Mennoniten, die einst Schutzgeld zahlten und die in Norden am Marktplatz auf der Südseite seit 1795 ihre eigene Kirche besitzen. Die wenigen katholischen Bewohner gehen in die Kirche St. Ludgerus in Norden. In der Begegnisstätte am Altendeichsweg finden regelmäßig Teenachmittage statt.
Gesundheit und Soziales
Westermarsch I war von jeher dem Armenverband Norden und dem Kirchspiel Norden angegliedert, so 1735 und 1870. Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden vorgenommen. Aus den umliegenden Gemeinden Westermarsch, Lintelermarsch und Ostermarsch, soweit sie nach Norden eingepfarrt waren, wurde ein Kirchenverwalter bestellt. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien (Verpachtung und Erträge) und Kapitalvermögen. Später wurde das Armenwesen auf die Kommunen übertragen. Im Gebäude der alten Schule befindet sich heute der Kindergarten Westermarsch der AWO Norden sowie die Begegnungsstätte der Stadt Norden. Die Arbeiterwohlfahrt, Ortsverein Westermarsch wurde 1977 gegründet, die Begräbnishilfe Westermarsch 1933.
Wirtschaft und Verkehr
Haupterwerbszweig von Westermarsch I ist seit jeher die Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht und -haltung sowie der Handel mit Kühen eine bedeutende Rolle. Kühe aus der Westermarsch haben einen international sehr guten Ruf und ihr Fleisch ist aufgrund des saftigen Marschlandes von besonderer Qualität. Seit den 1950er Jahren ist eine stetig wachsende Rolle des Tourismus zu beobachten. Westermarsch I steht dabei jedoch Norddeich und Westermarsch II deutlich nach. "Ferien auf dem Bauernhof" bieten mittlerweile allerdings viele Höfe neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung an.
Das Einwohnerverzeichnis von 1880/81 weist einen Krämer (auch Schenkwirt), einen Partikulier, einen Zimmermann und einen Zolleinnehmer, sowie jeweils zwei Gastwirte, Grenzaufseher und Schmiede aus.
Erst zwischen 1873 und 1875 wurde von der Stadt Norden bis zum Kleinen Krug in Utlandshörn eine Landstraße gelegt, von der aus später noch zwei kleine Nebenstraßen in nördlicher und südlicher Richtung angelegt wurden. So war es vorher zu Regenzeiten unmöglich, die Wege zu benutzen, da es ansonsten keine befestigte Straßen gab. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Korn, mussten oftmals auf Schiffen die Kanäle entlang nach Norden transportiert werden. In umgekehrter Richtung galt dies auch für Waren, die nach Westermarsch I importiert wurden.
Erwähnenswerte Gebäude
Erhaltene Gebäude
Abgebrochene Gebäude
Sehenswürdigkeiten
Quellenverzeichnis
- Beschreibung von Westermarsch I in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen
- Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden

