Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Als die 1517 beginnende Reformation in den 1520er Jahren auch Ostfriesland erreicht, gelangten auch Glaubenskonflikte in die Stadt, die sich über Jahrzehnte hinzogen. Obwohl [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] 1528 noch die Glaubensfreiheit in Ostfriesland propagierte, verschärfte sich der Disput im Laufe der Zeit und fand einen ersten Höhepunkt in den - mitunter auch bewaffnet ausgetragenen - Konflikten zwischen den Söhnen Ennos II., [[Edzard II. Cirksena]] und [[Johann II. Cirksena]]. | Als die 1517 beginnende Reformation in den 1520er Jahren auch Ostfriesland erreicht, gelangten auch Glaubenskonflikte in die Stadt, die sich über Jahrzehnte hinzogen. Obwohl [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] 1528 noch die Glaubensfreiheit in Ostfriesland propagierte, verschärfte sich der Disput im Laufe der Zeit und fand einen ersten Höhepunkt in den - mitunter auch bewaffnet ausgetragenen - Konflikten zwischen den Söhnen Ennos II., [[Edzard II. Cirksena]] und [[Johann II. Cirksena]]. | ||
Die nach dem Tode Ennos II. vormundschaftlich für ihre Söhne regierende [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] ermahnte 1552 die Norder Pastoren, die Einigkeit zwischen den Glaubensrichtungen zu bewahren. Dies gelang ihr nur mit mäßigem Erfolg, denn schon 1560 kam es zu einem offenen Streit zwischen Lutheranern und Reformierten, weil der nach Norden gekommene Pastor Ligarius den Gottesdienst streng nach der lutherischen Linie ausrichtete. 1560 ließ [[Unico Manninga]] die Norder Reformierten daher an dem reformierten Gottesdienst in einer Kapelle in der Vorburg teilnehmen. Die Lutheraner verspotteten dies als "Lützbörg-Lopen", also "nach Lütetsburg laufen". | Die nach dem Tode Ennos II. vormundschaftlich für ihre Söhne regierende [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]] ermahnte 1552 die Norder Pastoren, die Einigkeit zwischen den Glaubensrichtungen zu bewahren. Dies gelang ihr nur mit mäßigem Erfolg, denn schon 1560 kam es zu einem offenen Streit zwischen Lutheranern und Reformierten, weil der nach Norden gekommene Pastor Ligarius den Gottesdienst streng nach der lutherischen Linie ausrichtete. 1560 ließ [[Unico Manninga]] die Norder Reformierten daher an dem reformierten Gottesdienst in einer Kapelle in der Vorburg von Schloss Lütetsburg teilnehmen. Die Lutheraner verspotteten dies als "Lützbörg-Lopen", also "nach Lütetsburg laufen". | ||
1577 wird Pastor Ligarius Hofprediger des der lutherischen Glaubensrichtung anhängenden Edzard II., welcher maßgeblichen Einfluss auf | 1577 wird Pastor Ligarius Hofprediger des der lutherischen Glaubensrichtung anhängenden Edzard II., welcher maßgeblichen Einfluss auf die Wahl Ligarius' bei der Besetzung der Pfarrstelle in Norden hatte. Hierdurch wurde die lutherische Richtung in Norden nicht unerheblich gestärkt und die reformierte weiter geschwächt. Die Reformierten wandten sich nun Hilfesuchend an Edzards II. Bruder, Johann II., der mehr der reformierten Richtung anhing. Dieser erlaubte ab 1579 den Reformierten, dass sie ihren Gottesdienst im [[Gasthaus]], dem Nachfolger des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]] abhalten dürfen. Hierfür schickte er ihnen einen eigenen Prediger, den Pastor [[Henricus Palatinus]]. | ||
Pastor Ligarius bemühte sich | Pastor Ligarius bemühte sich unerwartet um eine Versöhnung zwischen den beiden Glaubensrichtungen und lud die Anführer zu einem Gespräch auf die Burg Berum ein. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt und der lutherische Edzard II. ließ Pastor Palatinus mit seiner Familie am 15.12.1579 – neun Tage vor Weihnachten – von drei [[Polizei Norden|Stadtdienern]] auf die Straße setzen. Danach wanderten die Norder Reformierten erneut zum Gottesdienst nach Lütstsburg. Die Trennung zwischen Lutheranern und Reformierten wurde endgültig. | ||
1606 | 1606 führt Freiherr Wilhelm zu Inn- u. Knyphausen - Schwiegersohn von Unico Manninga – eine Kirchenordnung ein. Trotz Teilnahme am Gottesdienst in Lütetsburg bestand in der Gemeinde weiterhin der Wunsch nach einer eigener Kirche in Norden oder zumindest den Gottesdienst in einem Privathaus in Norden zu erlauben. Die Anträge wurden indes mit dem Hinweis, dass den Lutheranern in Emden dies auch nicht gewährt würde, abgelehnt. Die Norder Reformierten baten daraufhin die Niederländischen Generalstaaten, die großen Einfluss in Ostfriesland hatten, um Hilfe. | ||
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1677 | Unter der von 1599 bis 1625 währenden Herrschaft von [[Enno III. Cirksena]], dem Sohn von Edzard II., kam es zu einer ersten Aussöhnung. Enno III. erlaubte den Reformierten, ihren Gottestdienst fortan auch in der Stadt abzuhalten und schickte ihnen den Prediger [[Tido Henrici]]. Er wies den [[Drost|Drosten]], den [[Bürgermeister]] und den [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] an, den reformierten Pastoren zu schützen. Die aufgebrachten Lutheraner machten es den Reformierten jedoch unmöglich, den Gottesdienst in der Stadt auszuüben. Die Reformierten bekamen nur das Recht, alle zwei Monate in einem Privathaus in der Stadt ihre Kirchenangelegenheiten zu beraten und das Abendmahl nach ihrer Weise zu feiern. | ||
1677 stellte Dodo II. zu Inn- u. Knyphausen der Gemeinde den sogenannten [[Olyschlag]] neben der [[Bargeburer Mühle]] für ihren Gottesdienst zur Verfügung. Zwei Jahre später schenkte er ihnen sogar ein Stück Land in [[Bargebur]] zum Bau einer Kirche. Die Norder Reformierten erhalten überdies ein Mitbestimmungsrecht bei der Wahl des Pastoren, der bisher vom Schlossherrn allein bestimmt wurde. Der Bau der [[Bargeburer Kirche]] gestaltete sich indes schwierig, da fanatische Norder Bürger den Bau zu sabotieren versuchten. Erst als brandenburgische Truppen des zu dieser Zeit Greetsiel besetzt haltenden Kurfürst Friedrich Wilhelm den Bau schützten, konnte dieser 1684 fertiggestellt werden. | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
Version vom 28. März 2021, 18:56 Uhr
Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Gründung | um 1520 |
| Auflösung | - |
| Rechtsform | Religionsgemeinschaft |
| Hauptsitz | Bargeburer Kirche
an der Heerstraße |
Die Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden gehört historisch bedingt zusammen. Nach der jüdischen Gemeinde hat sie die bewegteste Geschichte aller Religionsgemeinschaften vorzuweisen.
Geschichte
Als die 1517 beginnende Reformation in den 1520er Jahren auch Ostfriesland erreicht, gelangten auch Glaubenskonflikte in die Stadt, die sich über Jahrzehnte hinzogen. Obwohl Graf Enno II. 1528 noch die Glaubensfreiheit in Ostfriesland propagierte, verschärfte sich der Disput im Laufe der Zeit und fand einen ersten Höhepunkt in den - mitunter auch bewaffnet ausgetragenen - Konflikten zwischen den Söhnen Ennos II., Edzard II. Cirksena und Johann II. Cirksena.
Die nach dem Tode Ennos II. vormundschaftlich für ihre Söhne regierende Gräfin Anna ermahnte 1552 die Norder Pastoren, die Einigkeit zwischen den Glaubensrichtungen zu bewahren. Dies gelang ihr nur mit mäßigem Erfolg, denn schon 1560 kam es zu einem offenen Streit zwischen Lutheranern und Reformierten, weil der nach Norden gekommene Pastor Ligarius den Gottesdienst streng nach der lutherischen Linie ausrichtete. 1560 ließ Unico Manninga die Norder Reformierten daher an dem reformierten Gottesdienst in einer Kapelle in der Vorburg von Schloss Lütetsburg teilnehmen. Die Lutheraner verspotteten dies als "Lützbörg-Lopen", also "nach Lütetsburg laufen".
1577 wird Pastor Ligarius Hofprediger des der lutherischen Glaubensrichtung anhängenden Edzard II., welcher maßgeblichen Einfluss auf die Wahl Ligarius' bei der Besetzung der Pfarrstelle in Norden hatte. Hierdurch wurde die lutherische Richtung in Norden nicht unerheblich gestärkt und die reformierte weiter geschwächt. Die Reformierten wandten sich nun Hilfesuchend an Edzards II. Bruder, Johann II., der mehr der reformierten Richtung anhing. Dieser erlaubte ab 1579 den Reformierten, dass sie ihren Gottesdienst im Gasthaus, dem Nachfolger des Klosters Marienthal abhalten dürfen. Hierfür schickte er ihnen einen eigenen Prediger, den Pastor Henricus Palatinus.
Pastor Ligarius bemühte sich unerwartet um eine Versöhnung zwischen den beiden Glaubensrichtungen und lud die Anführer zu einem Gespräch auf die Burg Berum ein. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt und der lutherische Edzard II. ließ Pastor Palatinus mit seiner Familie am 15.12.1579 – neun Tage vor Weihnachten – von drei Stadtdienern auf die Straße setzen. Danach wanderten die Norder Reformierten erneut zum Gottesdienst nach Lütstsburg. Die Trennung zwischen Lutheranern und Reformierten wurde endgültig.
1606 führt Freiherr Wilhelm zu Inn- u. Knyphausen - Schwiegersohn von Unico Manninga – eine Kirchenordnung ein. Trotz Teilnahme am Gottesdienst in Lütetsburg bestand in der Gemeinde weiterhin der Wunsch nach einer eigener Kirche in Norden oder zumindest den Gottesdienst in einem Privathaus in Norden zu erlauben. Die Anträge wurden indes mit dem Hinweis, dass den Lutheranern in Emden dies auch nicht gewährt würde, abgelehnt. Die Norder Reformierten baten daraufhin die Niederländischen Generalstaaten, die großen Einfluss in Ostfriesland hatten, um Hilfe.
Unter der von 1599 bis 1625 währenden Herrschaft von Enno III. Cirksena, dem Sohn von Edzard II., kam es zu einer ersten Aussöhnung. Enno III. erlaubte den Reformierten, ihren Gottestdienst fortan auch in der Stadt abzuhalten und schickte ihnen den Prediger Tido Henrici. Er wies den Drosten, den Bürgermeister und den Rat der Stadt Norden an, den reformierten Pastoren zu schützen. Die aufgebrachten Lutheraner machten es den Reformierten jedoch unmöglich, den Gottesdienst in der Stadt auszuüben. Die Reformierten bekamen nur das Recht, alle zwei Monate in einem Privathaus in der Stadt ihre Kirchenangelegenheiten zu beraten und das Abendmahl nach ihrer Weise zu feiern.
1677 stellte Dodo II. zu Inn- u. Knyphausen der Gemeinde den sogenannten Olyschlag neben der Bargeburer Mühle für ihren Gottesdienst zur Verfügung. Zwei Jahre später schenkte er ihnen sogar ein Stück Land in Bargebur zum Bau einer Kirche. Die Norder Reformierten erhalten überdies ein Mitbestimmungsrecht bei der Wahl des Pastoren, der bisher vom Schlossherrn allein bestimmt wurde. Der Bau der Bargeburer Kirche gestaltete sich indes schwierig, da fanatische Norder Bürger den Bau zu sabotieren versuchten. Erst als brandenburgische Truppen des zu dieser Zeit Greetsiel besetzt haltenden Kurfürst Friedrich Wilhelm den Bau schützten, konnte dieser 1684 fertiggestellt werden.
Einzelnachweise