Sielstraße: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 43: Zeile 43:
==Geschichte==
==Geschichte==
===Herkunft des Namens===
===Herkunft des Namens===
Der Straßenname bezieht sich auf die ursprüngliche Lage am sogenannten [[Erstes Siel |Ersten Siel]], das der Stadtentwässerung bis zum Bau des [[Zweites Siel|Zweiten Siels]] (am [[Norder Hafen]]) diente.
Die Sielstraße (bzw. in ihrer Fortführung der Sielweg) führten seit jeher zu den städtischen [[Siel|Sielen]]. Zunächst war dies das sogenannte [[Erstes Siel |Ersten Siel]], das der Stadtentwässerung bis zum Bau des [[Zweites Siel|Zweiten Siels]] (am [[Norder Hafen]]) diente. Das Erste Siel befand sich ungefähr in Höhe von [[Steenbalgen]], also dort, wo sich auch die Grenze zwischen ''Sielstraße'' und ''Sielweg'' befand. Heute heißt die gesamte Straße ''Sielstraße''.


===Entwicklung===
===Entwicklung===
Die südliche Verlängerung der Sielstraße hieß 1725 ''Syhlenstraten'', um 1760 ''Syhl-Straßer Weg'', 1772 ''Syhlenstraßer Fuhrweg'' oder ''Syhlen Straßer Weg'' und 1850 ''Weg nach dem Siel.'' 1897 erscheint sie als ''Sielweg'', später dann als ''Sielstraße''. Auch diese Straße wurde teilweise in die 1968 begonnene Altstadtsanierung mit einbezogen.<ref name=":0" /><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 14</ref> Der nördliche Arm der Sielstraße ist dabei wesentlich älter als der südliche (verlängerte) Teil. Erstgenannter bestand bereits vor 1583.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert, Manuskript</ref>
Die südliche Verlängerung der Sielstraße hieß 1725 ''Syhlenstraten'', um 1760 ''Syhl-Straßer Weg'', 1772 ''Syhlenstraßer Fuhrweg'' oder ''Syhlen Straßer Weg'' und 1850 ''Weg nach dem Siel.'' Spätestens seit 1897 wurde dieser Straßenteil als ''Sielweg'' bezeichnet, später dann die gesamte Straße als ''Sielstraße''.<ref name=":0" /><ref>Adressbuch der Stadt Norden von 1897/1898</ref> Der nördliche Arm der Sielstraße ist wesentlich älter als der südliche (verlängerte) Teil. Erstgenannter bestand bereits vor 1583.<ref>Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert, Manuskript</ref> Er führte einst lediglich bis zum [[Erstes Siel|Ersten Siel]], welches sich ungefähr in Höhe [[Steenbalgen]] befand. Der Straßenname [[Am Alten Siel]] erinnert noch an dieses alte [[Siel]].


Die Bewohnerschaft bestand seit jeher aus ''"mittelmäßigen (mittelständischen) Bürgern'', ''gemeinen (einfachen) Handwerkern"'' und Tagelöhnern. Im verlängerten (südlichen) Sielweg, der 1850 noch als ''Weg nach dem Siel'' (später ''Sielweg'') bezeichnet wurde, war an der Westseite ein ''Schlooth'' (Graben), der mit dem [[Zweites Siel |Zweiten Siel]] verbunden war und so entwässern konnte.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Die Gegend galt im Allgemeinen als verrufen, zur Nachtzeit wegen der hohen Kriminalität gar als lebensgefährlich. Auch soll es hier ein Bordell gegeben haben.<ref name=":1">Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 14f.</ref> Bis heute hat sich am eher schlechten Ruf der Straße nur wenig geändert.
Die Bewohnerschaft bestand seit jeher aus ''"mittelmäßigen (mittelständischen) Bürgern'', ''gemeinen (einfachen) Handwerkern"'' und Tagelöhnern. Im verlängerten (südlichen) Sielweg war an der Westseite ein ''Schloot'' ([[:Kategorie:Gewässer im Stadtgebiet|Entwässerungsgraben]]), der mit dem [[Zweites Siel |Zweiten Siel]] verbunden war und so entwässern konnte.<ref name=":0" /><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 14</ref> Die Gegend galt im Allgemeinen als verrufen, zur Nachtzeit wegen der hohen Kriminalität gar als lebensgefährlich. Auch soll es hier ein Bordell gegeben haben.<ref name=":1">Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 14f.</ref> Bis heute hat sich am eher schlechten Ruf der Straße nur wenig geändert.


Beherrscht wurde die südliche Ostseite durch die sogenannte [[Alte Kalkwarf]], die im 16. Jahrhundert eine Ziegelei war. Hier musste nach Fertigstellung des [[Neuer Süderdeich|(neuen) Süderdeich]] im Jahr 1583 die Unterhaltung von vier Fuß (altes Längenmaß; ca. 30 cm) durch die Anwohner geleistet werden mussten. Mit dem Bau des (neuen) Süderdeichs lagen diese Häuser hinter dem schützenden Deich und mussten entsprechend dieser [[Deichlast]] auch für seine Instandhaltung sorgen.<ref name=":0" />
Nach Fertigstellung des [[Neuer Süderdeich|(neuen) Süderdeich]] im Jahr 1583 musste die Unterhaltung des Deichs von vier Fuß (altes Längenmaß; ca. 30 cm) durch die Anwohner geleistet werden. Mit dem Deichbau lagen diese Häuser hinter dem schützenden Deich und mussten entsprechend des alten [[Deichlast|Deichrechts]] (Deichlast) auch für seine Instandhaltung sorgen.<ref name=":0" />


1726 standen auf der verlängerten Ostseite und Westseite der Sielstraße nur je zwei Häuser. Eine dichtere Bebauung erfolgte erst um 1850. Auf der Westseite nahm der [[Suider-Hoff]] eine wohl bedeutende Stellung ein. Das Grundstück war von einem Zingel (Wall) umgeben. Hier muss man sich vergegenwärtigen, dass Norden noch im 16. Jahrhundert in einer Meeresbucht lag. Auch auf dem Grünland des ''Suider-Hoff'' lagen [[Deichlast|Deichlasten]].<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1998): Norder Häuser, Die Bewohner der Sielstraße (I), in: Ostfriesischer Kurier, 13./14. Juni 1998, S. 8</ref>
Beherrscht wurde die südliche Ostseite durch die sogenannte [[Alte Kalkwarf]], die im 16. Jahrhundert eine Ziegelei war.<ref name=":0" /> 1726 standen auf der verlängerten Ostseite und Westseite der Sielstraße nur je zwei Häuser. Eine dichtere Bebauung erfolgte erst um 1850. Auf der Westseite nahm der [[Suider-Hoff]] eine wohl bedeutende Stellung ein. Das Grundstück war von einem Zingel (Wall) umgeben. Hier muss man sich vergegenwärtigen, dass Norden noch im 16. Jahrhundert in einer Meeresbucht lag. Auch auf dem Grünland des ''Suider-Hoff'' lagen Deichlasten.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1998): Norder Häuser, Die Bewohner der Sielstraße (I), in: Ostfriesischer Kurier, 13./14. Juni 1998, S. 8</ref>


Nach einem Stadtplan von 1882 befanden sich hier zu dieser Zeit 75, überwiegend eingeschossige Häuser.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 233</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 91</ref> Neben reinen Wohnhäusern gab es hier einige Kleinhändler und mehrere, größere Gewerbebetriebe.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 91</ref> Spätestens seit 1926 wurde der Sielweg nicht mehr eigenständig, sondern zur Sielstraße gerechnet.<ref>Adressbuch der Stadt Norden von 1926</ref>
Nach einem Stadtplan von 1882 befanden sich hier zu dieser Zeit 75, überwiegend eingeschossige Häuser.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 233</ref><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 91</ref> Neben reinen Wohnhäusern gab es hier einige Kleinhändler und mehrere, größere Gewerbebetriebe.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 91</ref> Spätestens seit 1926 wurde der Sielweg nicht mehr eigenständig, sondern zur Sielstraße gerechnet.<ref>Adressbuch der Stadt Norden von 1926</ref>


In der Zeit um 1940 wohnten in der Sielstraße und der [[Kleine Neustraße|Kleinen Neustraße]] noch elf Juden, welche jedoch im genannten Jahr deportiert wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 37</ref>
In der Zeit um 1940 wohnten in der Sielstraße und der [[Kleine Neustraße|Kleinen Neustraße]] noch elf [[Jüdische Gemeinde Norden|Juden]], welche jedoch im genannten Jahr deportiert wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 37</ref> 1968 wurde der größte Teil der Straße in die [[Altstadtsanierung]] mit einbezogen und verlor dadurch den Großteil seiner historischen Bebauung.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Seitdem wird die Sielstraße von Mehrparteienhäusern (Wohnblocks) dominiert.
 
Seit der [[Altstadtsanierung]] wird die Sielstraße von Mehrparteienhäusern (Wohnblocks) dominiert.


==Gebäude und Plätze==
==Gebäude und Plätze==

Version vom 19. Februar 2024, 07:31 Uhr

Sielstraße

Die Karte wird geladen …
Basisdaten
Stadtteil/-viertel Norden
Erschließungsjahr vor 1583
Namensgebung vor 1850
Historische Namen Sielweg

Syhlenstraten

Syhl-Straßer Weg

Syhlen Straßer Weg

Syhlenstraßer Fuhrweg

Weg nach dem Siel

Die Sielstraße ist eine Gemeindestraße in Norden. Die Straße grenzt nördlich an Am Markt und endet im Süden, kurz vor dem Norder Hafen als Sackgasse. Die Sielstraße kann seit der Altstadtsanierung ab 1968 nicht mehr vollständig durchfahren werden. Erst ab der Kleinen Neustraße, die die Sielstraße kreuzt, ist eine Weiterfahrt in Richtung Süden möglich. Ebenfalls gekreuzt wird die Sielstraße von Am Alten Siel. In ihren südlichen Ausläufern geht östlich die Peter-Janssen-Lohne und westlich die Gaswerkstraße ab. Weitere Nebenstraßen sind die Große Lohne und Steenbalgen.

Der nördliche Teil heißt seit jeher Sielstraße, der südliche Teil (ab Steenbalgen) hieß ursprünglich Sielweg. Kleine Teile am südlichen Ende der Sielstraße wurden mit dem Ausbau des Burggrabens abgebrochen, so etwa die ehemalige Hausnummer 31, die sich neben der ehemaligen Gaststätte Kehre wieder befand. Die Hausnummerierung wurde im Zuge der Altstadtsanierung vollständig geändert, eine vereinfachende Übersicht bzw. Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart liefert die Liste der Häuser an der Sielstraße.

Geschichte

Herkunft des Namens

Die Sielstraße (bzw. in ihrer Fortführung der Sielweg) führten seit jeher zu den städtischen Sielen. Zunächst war dies das sogenannte Ersten Siel, das der Stadtentwässerung bis zum Bau des Zweiten Siels (am Norder Hafen) diente. Das Erste Siel befand sich ungefähr in Höhe von Steenbalgen, also dort, wo sich auch die Grenze zwischen Sielstraße und Sielweg befand. Heute heißt die gesamte Straße Sielstraße.

Entwicklung

Die südliche Verlängerung der Sielstraße hieß 1725 Syhlenstraten, um 1760 Syhl-Straßer Weg, 1772 Syhlenstraßer Fuhrweg oder Syhlen Straßer Weg und 1850 Weg nach dem Siel. Spätestens seit 1897 wurde dieser Straßenteil als Sielweg bezeichnet, später dann die gesamte Straße als Sielstraße.[1][2] Der nördliche Arm der Sielstraße ist wesentlich älter als der südliche (verlängerte) Teil. Erstgenannter bestand bereits vor 1583.[3] Er führte einst lediglich bis zum Ersten Siel, welches sich ungefähr in Höhe Steenbalgen befand. Der Straßenname Am Alten Siel erinnert noch an dieses alte Siel.

Die Bewohnerschaft bestand seit jeher aus "mittelmäßigen (mittelständischen) Bürgern, gemeinen (einfachen) Handwerkern" und Tagelöhnern. Im verlängerten (südlichen) Sielweg war an der Westseite ein Schloot (Entwässerungsgraben), der mit dem Zweiten Siel verbunden war und so entwässern konnte.[1][4] Die Gegend galt im Allgemeinen als verrufen, zur Nachtzeit wegen der hohen Kriminalität gar als lebensgefährlich. Auch soll es hier ein Bordell gegeben haben.[5] Bis heute hat sich am eher schlechten Ruf der Straße nur wenig geändert.

Nach Fertigstellung des (neuen) Süderdeich im Jahr 1583 musste die Unterhaltung des Deichs von vier Fuß (altes Längenmaß; ca. 30 cm) durch die Anwohner geleistet werden. Mit dem Deichbau lagen diese Häuser hinter dem schützenden Deich und mussten entsprechend des alten Deichrechts (Deichlast) auch für seine Instandhaltung sorgen.[1]

Beherrscht wurde die südliche Ostseite durch die sogenannte Alte Kalkwarf, die im 16. Jahrhundert eine Ziegelei war.[1] 1726 standen auf der verlängerten Ostseite und Westseite der Sielstraße nur je zwei Häuser. Eine dichtere Bebauung erfolgte erst um 1850. Auf der Westseite nahm der Suider-Hoff eine wohl bedeutende Stellung ein. Das Grundstück war von einem Zingel (Wall) umgeben. Hier muss man sich vergegenwärtigen, dass Norden noch im 16. Jahrhundert in einer Meeresbucht lag. Auch auf dem Grünland des Suider-Hoff lagen Deichlasten.[1]

Nach einem Stadtplan von 1882 befanden sich hier zu dieser Zeit 75, überwiegend eingeschossige Häuser.[6][7] Neben reinen Wohnhäusern gab es hier einige Kleinhändler und mehrere, größere Gewerbebetriebe.[8] Spätestens seit 1926 wurde der Sielweg nicht mehr eigenständig, sondern zur Sielstraße gerechnet.[9]

In der Zeit um 1940 wohnten in der Sielstraße und der Kleinen Neustraße noch elf Juden, welche jedoch im genannten Jahr deportiert wurden.[10] 1968 wurde der größte Teil der Straße in die Altstadtsanierung mit einbezogen und verlor dadurch den Großteil seiner historischen Bebauung.[1][4] Seitdem wird die Sielstraße von Mehrparteienhäusern (Wohnblocks) dominiert.

Gebäude und Plätze

Die Straße besteht vom Marktplatz kommend bis zur Straße Am Alten Siel vorwiegend aus Mehrfamilienhäusern (Wohnblocks), ab dann - in Richtung Süden - existieren noch mehrere Bestandsbauten aus der Zeit vor der Altstadtsanierung.

In der Sielstraße befand sich einst der Vorgängerbau der 1885 an der Osterstraße errichteten Ludgeruskirche sowie von 1843 bis 1874 auch die Katholische Schule.[5]

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Schreiber, Gretje (1998): Norder Häuser, Die Bewohner der Sielstraße (I), in: Ostfriesischer Kurier, 13./14. Juni 1998, S. 8
  2. Adressbuch der Stadt Norden von 1897/1898
  3. Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert, Manuskript
  4. 4,0 4,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 14
  5. 5,0 5,1 Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 14f.
  6. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 233
  7. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 91
  8. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 91
  9. Adressbuch der Stadt Norden von 1926
  10. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 37

Siehe auch