Leybuchtpolder: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Leybuchtpolder==
==Leybuchtpolder==
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|Höhe
|Höhe
|1,0 - 1,5 m ü. NN
|1,5 - 2,0 m ü. NN
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|Fläche
|Fläche
|15,068 km²
|10,523 km²
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|Einwohner
|Einwohner
|276 <small>(31.12.2020)</small>
|424 <small>(31.12.2022)</small>
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|Gründung
|1. Juli 1954
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|Eingemeindung
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|Bevölkerungsdichte
|Bevölkerungsdichte
|18 Einwohner/km²
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'''Leybuchtpolder''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 276 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 15,07 km² verteilen..
'''Leybuchtpolder''' ist ein Stadtteil von Norden und hat 424 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen. Es ist der jüngste Ort Deutschlands und war in seiner Anfangszeit eine eigenständige Gemeinde, später eine Samtgemeinde mit den bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] sowie [[Neuwesteel]] und wurde im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil der [[Stadt Norden]].


Im Norden grenzt Neuwesteel an [[Westermarsch I]], im Osten an [[Süderneuland I]], im Westen an [[Leybuchtpolder]] und im Süden an die Norder Nachbargemeinde Osteel.
Nordöstlich grenzt Leybuchtpolder an [[Neuwesteel]], südöstlich an Osteel, südwestlich an Greetsiel und nordwestlich an die Nordsee, von der sie durch den [[Störtebekerdeich]] getrennt bzw. geschützt ist.


__TOC__
__TOC__


== Namensherkunft ==
== Namensherkunft ==
Der Name geht zurück auf das historische Dorf Westeel, welches sich im Bereich des heutigen Neuwesteels befunden hat und nach schweren Sturmfluten im 14. Jahrhundert aufgegeben werden musste. Nach der Neugründung am 11. Juli 1934 wurde der Ort zunächst Süderpolder genannt, bekam im Herbst 1939 jedoch zur Erinnerung an das untergegangene Westeel seinen heutigen Namen. Der Name "Süderpolder" erklärt sich aus der südlich der Stadt Norden gelegenen Lage, ähnlich wie bei [[Süderneuland]]. "Westeel" bedeutet übersetzt "West-Teil" und kann damit als Pendant zur Nachbargemeinde Osteel ("Ost-Teil") verstanden werden.
Namensgebend für den Ort ist der [[Leybuchtpolder (Polder)|Leybuchtpolder]], der den größten Teil der Landfläche des Ortes ausmacht. Dieser Name ergibt sich aus seiner Eigenschaft als aus der [[Leybucht]] gewonnener [[Polder]].


==Wappen==
==Wappen==
Das Wappen des Ortes zeigt einen einen roten Spaten und einen darunter befindlichen Fluss bzw. Wasserlauf auf weißem Grund. Es handelt sich um ein sogenanntes "redendes Wappen", also ein Wappen, das die Ortsgeschichte bildlich veranschaulicht. In früheren Jahren wurden Deiche mit Muskelkraft und Spaten erbaut, worauf neben der Wasserlinie auch der Spaten im Neuwesteeler Wappen hinweisen.
Das Wappen wird etwa mittig von einem Wellenschnitt geteilt. Oben befindet sich ein blaues Kleeblatt auf goldenem Grund, unten ein goldenes Spatenblatt auf blauem Grund. Die Farben veranschaulichen als Stadtfarben die Zugehörigkeit zur Stadt Norden. Es soll versinnbildlichen, dass der Ort mit weitestgehend einfachsten Mitteln (wie z.B. Spaten) dem Meer abgerungen wurde und nun landwirtschaftlich besiedelt wird. Das Kleeblatt ist ein typisches Symbol der Landwirtschaft.


==Bevölkerungsentwicklung==
==Bevölkerungsentwicklung==
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!Einwohner
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|1821
|1955
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|1848
|1956
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|1871
|1861
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|1885
|1970
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|1905
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|1925
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|1933
|2008
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|1939
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|1946
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|1950
|2010
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|1961
|2021
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|1970
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|2020
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== Geografie ==
== Geografie ==
Neuwesteel liegt etwa 6 Kilometer südwestlich von Norden. Die Gegend ist von fruchtbarem Marschboden geprägt. Das Land, auf dem sich Neuwesteel befindet, wurde vom 16. Jahrhundert an bis 1929 neu bzw. wieder durch die Schaffung von [[Polder | Poldern]] eingedeicht.
Leybuchtpolder liegt, wie der Name bereits erahnen lässt, direkt an der Leybucht und wurde in einer Höhe von 1,5 bis 2,0 m über Meeresniveau (NN) im Kalkmarschgebiet direkt an der Nordseeküste als Streusiedlung gegründet. Bis zum Beginn der [[Polder|Einpolderung]] lag der Ort vollständig unter Wasser. Der größte Teil des Ortsgebietes wurde zwischen 1947 - 1950 eingepoldert.


== Geschichte ==
== Geschichte ==


===Mittelalter===
===Mittelalter===
Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils lag das 1373 bei der sogenannten [[Erste Dionysiusflut | Ersten Dionysiusflut]] untergegangene Dorf Westeel. Die Sturmflut war eine der verheerendsten an der Nordseeküste und richtete zahlreiche Verwüstungen in Ostfriesland an. Die Leybucht erreichte durch die Flut ihre größte Ausdehnung, die Fluten drangen bis in den Stadtkern von Norden vor. Das 14. Jahrhundert ging als das Jahr der schlimmsten Flutkatastrophen in die Geschichte Ostfrieslands ein.
Über die frühe Geschichte des Ortes bzw. der Umgebung liegen keine Daten mehr vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gebiet relativ früh besiedelt war. Nach mehreren verheerenden Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, insbesondere der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]], brachen an vielen Stellen in Ostfriesland die Deiche und die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung. Sie erreichte eine Fläche von gut 129 km² und dehnte sich von Greetsiel im Westen bis Marienhafe im Osten bzw. dem Rand der Stadt Norden bis nach Canhusen (Gemeinde Hinte) im Süden aus. Allein durch die Erste Dionysiusflut gingen etwa 20.000 Hektar Land verloren. Das Land, auf dem heute Leybuchtpolder liegt, war damit über Jahrhunderte Teil des Meeres und als solcher nicht mehr bewohnbar. Eine Untiefe namens ''Hohe Plate'' ließ hier allerdings noch lange Zeit noch das ehemalige Land erahnen.
 
Westeel war ein vermögendes Marktdorf und der Hauptsitz der Häuptlingsfamilie [[Manninga]], die zu dieser Zeit eine der mächtigsten Familien Ostfrieslands war und auch über Besitztümer in [[Bargebur]] in Pewsum (Krummhörn) und der Norder Nachbargemeinde Lütetsburg verfügte. Die Lütetsburg selbst gehörte zu diesem Zeitpunkt auch den Manninga. Der Wohlstand Westeels wird in den Geschichtsbüchern als bemerkenswert beschrieben, was wohl auf den äußerst fruchtbaren Marschboden und der dadurch üppigen Erträge zurückzuführen sein dürfte. So soll es fünf Goldschmiede in Westeel gegeben haben, die dort ein gutes Einkommen erzielen konnten.
 
Beim Pflügen kommen am westlichen Rand des Dorfes Osteel gelegentlich Mauersteine zutage, die als Hinweis auf das untergegangene Dorf gedeutet werden. Dessen Zentrum soll in der Nähe eines ehemals "Kerkenriede" genannten Wasserlaufs bei der Warft von [[Hohebeer]] gelegen haben. Weitere Steinfunde, Mauerreste bis in 1 km westlich bzw. nordwestlicher Richtung davon, deuten auf weitere Steinhäuser hin. In diesem Gebiet verzeichnen die Archäologen sieben Warften, die Westeel zugerechnet werden. Westeel ist nach seinem Untergang weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl es ein florierendes Dorf gewesen sein soll, in dem es fünf Goldschmiede ein gutes Einkommen fanden.
 
Die erste Dionysiusflut am 8./9. Oktober 1373 leitete den Untergang Westeels ein. Durch die "Kleine Eiszeit" brachen vielerorts die Erträge der Landwirtschaft ein und bereits die [[Zweite Marcellusflut]] in 1362 hatte das Land schwer getroffen. Dazu kam eine verheerende Pestepidemie in den Jahren um 1350 - 1360. Die überlebenden Menschen waren finanziell wie körperlich geschwächt und nicht mehr in der Lage, die Deiche zu unterhalten. Die Fluten von 1375 und 1377 zerstörten das Land weiter, so dass es letztlich den Fluten überlassen und ausgedeicht werden musste. Auch viele Jahre nach der Aufgabe Westeels soll man die Kirchenruine noch in den Fluten gesehen haben. Deren Steine kamen letztlich ab 1387 beim Bau der durch einen Brand schwer beschädigten Marienhafer Kirche zur Verwendung.


===Neuzeit===
===Neuzeit===
Das Gebiet südlich von Norden wurde ab 1556 nach und nach wieder der Leybucht entrissen und es entstand bis 1593 der Stadtteil [[Süderneuland I]]. Ein Großteil des heutigen Neuwesteeler Gebiets wurde ab 1678 mit der Schaffung von [[Wester-Charlottenpolder]] und [[Groß-Südercharlottenpolder]] gewonnen. Weiteres Land kam 1769 mit der Landgewinnung durch den [[Leysanderpolder]], 1781 mit dem [[Schulenburgerpolder]] und 1804 mit dem [[Teltingspolder]] hinzu. In den Jahren 1928 bis 1929 wurde letztlich der letzte Teil - insgesamt 600 Hektar - des heutigen Neuwesteels ([[Leypolder]]) eingedeicht. All dieses neu eingedeichte Gebiet wurde ab 1930 besiedelt und am 11. Juli 1934 zunächst "Süderpolder" genannt, Neuwesteel wurde ein Ortsteil dieser Gemeinde. Im Herbst 1939 wurde die Gemeinde schließlich zur Erinnerung an Westeel in Neuwesteel umbenannt.
In den nächsten Jahrhunderten wurden sukzessive Landgewinnungsmaßnahmen aus der [[Leybucht]] vorgenommen, deren Abschluss die Eindeichung des [[Leybuchtpolder (Polder)|Leybuchtpolders]] bildete. Durch den Bau des [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeichs]], wurde die Küstenlinie in ihrem heutigen Verlauf begradigt und das neue Land vor dem Meer geschützt. Bereits 1947 begann ein ganzes Heer von Deicharbeitern unter der Leitung des [[Karl Wenholt]], damals Leiter des [[Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz|Bauamtes für Küstenschutz und Landgewinnung]] in Norden, mit dem Bau des Deichs. Es galt, eine Fläche von gut 1.000 Hektar dem Meer abzuringen, auf Dauer zu sichern und den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland urbar zu machen.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 149</ref>
[[Datei:Leybuchtpolder Hof um 1950 01.jpg|mini|Typischer Hof aus der Anfangszeit des Ortes.]]
Nach Abschluss der Eindeichung im Jahr 1950 wurde 1952 mit der Besiedlung des neu gewonnenen Landes begonnen. Hierbei wurden zu gleichen Anteilen Einheimische und Vertriebene aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten bei der Verteilung berücksichtigt. Bevorzugt wurden dabei die Deicharbeiter, unabhängig ihrer Herkunft, die mit ihrer Arbeit die Besiedlung des Ortes überhaupt erst möglich gemacht haben. Vergeben wurden 53 landwirtschaftliche Betriebe im Umfang von 10 bis 16 Hektar, 21 Betriebe in der Größenordnung von 7 bis 10 Hektar sowie 28 Arbeiter- und Handwerkerstellen, deren Grundstücke einen Hektar umfassten. Als Zuwegung und Verbindungen wurden etwa zwölf Kilometer Straßen angelegt, von denen viele noch in ihrer ursprünglichen, plattenartigen Bauweise existieren. Insgesamt wurden 103 Siedlerstellen geschaffen.<ref name=":0" /> Die Gebäude der Anfangsphase waren meist kleine Replikate der großen Gulfhöfe im Stile der bekannten ''Friesenhäuser'' und sahen den landwirtschaftlichen Betrieb als Nebenerwerb oder zur Selbstversorgung vor. Erst ab den späten 1950er und frühen 1960er Jahren begann man mit dem Bau regulärer Wohnhäuser.


Eng mit der Gründung Neuwesteels verbunden war die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie. Neuwesteel wurde als erste geschlossene Bauernsiedlung im nationalsozialistischen Deutschland angepriesen und zum Aushängeschild der Nationalsozialisten. Zu den Gründungsfeierlichkeiten marschierten mehrere Abteilungen der SA und der SS auf und jedes Gebäude wurde mit Hakenkreuzfahnen beflaggt. Der Reichsbauernführer und Ernährungsminister Walther Darré pries in seiner Festrede die Gründung des Ortes als großen Erfolg der NS-Ideologie an und dass der Nationalsozialismus zurecht "Blut und Rasse in den Mittelpunkt des weltanschaulichen Kampfes gestellt habe". So sei es der Wille Adolf Hitlers, dass die Deutschen wieder eine enge Verbindung zu ihrem Heimatboden eingehen, wie es die Germanen hatten. Dementsprechend wurden die Herdfeuer der Bauernhöfe und -häuser entsprechend eines alten germanischen Brauches entzündet. Die dafür benötigten Fackeln wurde dazu in Osteel entzündet und herbeigebracht. Träger des Siedlungsprojekts "Süderpolder" war das 1922 gegründete Wohnungsbauunternehmen Niedersächsische Heimstätte (N.S.H.), das als "Organ der staatlichen Wohnungspolitik" viele Siedlungs- und Wohnungsbauprojekte verantwortlichte. 1934 gingen dort über 400 Anträge williger Siedler ein. Da in der Planung lediglich 30 Bauernhöfe, sieben Landarbeiterhäuser und vier Handwerkerstätten vorgesehen waren, überstieg der Zahl der Bewerber die vorgesehenen Möglichkeiten bei Weitem.
Offiziell gegründet wurde die zunächst eigenstände Gemeinde schließlich am 1. Juli 1954. Wesentliche Teile des Ortes bestanden aus neu eingedeichtem Land, jedoch wurden auch Teile benachbarter Gemeinde in das Gebiet integriert. Hierbei wurden die Grenzen neu gezogen und vorwiegend alte Deichlinien und Flüsse bzw. Entwässerungsgräben als solche herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, weitere Eindeichungen vorzunehmen. Die Überlegungen gingen so weit, die gesamte Leybucht dem Meer abzuringen. Aus Naturschutzgründen wurde davon nichts mehr umgesetzt. Die Leybucht und ihre Peripherie ist seit jeher ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung. Lediglich kleinere Arbeiten, wie der Bau des [[Leysiel|Leysiels]] im Jahre 1991 oder Maßnahmen zur Deichverstärkung wurden vorgenommen.


Die Höfe wurden entlang der Hauptstraße, dem [[Königsweg]], gebaut. Die dazugehörigen Ländereien befanden sich direkt hinter an die Gebäude angrenzend. Diese Bauform nennt sich "Hufensiedlung", wobei mit "Hufe" eine alte Flächeneinheit für ein Stück Land genannt wird, welches im gemeinschaftlichen Eigentümer mehrerer Personen gehört (Allmende) und jemandem zur Bewirtschaftung überlassen wurden.
Mit dem Bau der [[Leybuchtpolder Schule]] im Jahr 1955 sowie der Errichtung [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|einer Kirche]] am [[Marktstraße|Dorfkern]] wurde Leybuchtpolder schließlich von einer Streusiedlung zu einem Ort mit Dorfcharakter.<ref name=":0" /> Am [[Alter Sielweg|Alten Sielweg]] entstand ein [[Altes Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Feuerwehrhaus]] und eine Freiwillige Feuerwehr. Ab dem 1. Dezember 1965 wurde Leybuchtpolder zum Hauptort und einer Teilgemeinde innerhalb der neu gegründeten ''Samtgemeinde Leybucht'', zu der auch die bis bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden [[Westermarsch I]], [[Westermarsch II]] und [[Neuwesteel]] gehörten. Ein Jahr zuvor, am 6. Juni 1964, wurde der [[SV Leybucht]] gegründet. Die Samtgemeinde wurde am 1. Juli 1972 in die [[Stadt Norden]] integriert.


Den Zweiten Weltkrieg überstand Neuwesteel unbeschadet. Während des Krieges befand sich das Kriegsgefangenenlager AK Nr. 5615 im Ort. In der Holzbaracke waren 25 bis 40 französische Kriegsgefangene untergebracht, die auf den Höfen in der Umgebung arbeiten mussten.
Die anfangs spärliche Infrastruktur wurde ab den 1960er Jahren immer weiter verbessert bzw. aufgebaut. Anfangs gab es hingegen noch nicht einmal eine öffentliche Wasserversorgung, die nach altertümlicher Art über Regenwasserzisternen erfolgte. Um bei Bränden dennoch mit ausreichend Wasser versorgt zu sein, legte man den [[Dorfteich]] als künstliche Wasserentnahmestelle für die Pumpen der Feuerwehr an.


Nach dem Krieg erlebte Neuwesteel durch Aufnahme zahlreicher Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs, sodass die Einwohnerzahl 1946 bei 643 lag, von denen mehr als ein Drittel (221 Personen) Vertrieben bzw. Flüchtlinge waren. 1950 stieg die Einwohnerzahl um 1 auf 644, der Anteil an Vertriebenen lag jedoch immer noch 208 Personen.
1971 wurde ein Nutzungskonzept entworfen, das den Bau eines neuen Dorfes (''Neu-[[Bant]]'') und eine dichte touristische Infrastruktur vorsah. Aufgrund der in den 1970er Jahren zunehmenden Sensibilisierung für den Umwelt- und Naturschutz wurde auch dieses Vorhaben nicht umgesetzt. Ein 1976 erarbeitetes Gestaltungskonzept, das großflächige Vogelschutzgebiete, raumgreifende landwirtschaftliche Nutzung und ein ''Neu-Greetsiel'' statt ''Neu-Bant'' vorsah, wurde ebenfalls wegen Umweltschutzgründen nicht verwirklicht.<ref>NWP Planungsgesellschaft (2011): Dorferneuerungs-/Entwicklungsplanung für die Ortsteile Leybuchtpolder und Neuwesteel, S. 22</ref>


Um dem wachsenden Wohnbedarf zu begegnen, wurde 1956 eine weitere Siedlung gelegt, die sich auf den [[Schulweg]] und den [[Westeeler Weg]] konzentriert. Sie wurde 1993 durch Ausweisung neuer Bauflächen erheblich erweitert. Der Westeeler Weg ist jedoch weiterhin durch Bauten aus den 1950er Jahren geprägt.
Zum 1. Juli 1972 wurden die [[Norder Umlandgemeinden]] im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform nach Norden eingemeindet. [[Süderneuland I]] und Leybuchtpolder weigerten sich zunächst noch beharrlich (doch letztlich vergebens), die Unterschrift zu leisten, sodass sie per Gesetzeskraft zwangseingemeindet werden mussten.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 77</ref> Alle anderen heutigen Stadtteile fügten sich ihrem Schicksal und gaben ihre Eigenständigkeit auf.


Zu Beginn war Neuwesteel eine eigenständige Gemeinde und wurde 1965 Gliedgemeinde der [[Samtgemeinde Leybucht]]. Diese wurde im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform am 1. Juli 1972 nach Norden eingemeindet. Als eingemeindeter Stadtteil hat Neuwesteel einen [[Ortsvorsteher]], der die Belange der Einwohner gegenüber dem Rat und der Verwaltung der Stadt Norden vertritt.  
Am 1. Juli 2008 wurde der Ort gemeinsam mit [[Neuwesteel]] in das Niedersächsische Programm zur Förderung der Dorferneuerung aufgenommen. Ziele der Dorferneuerungsplanung sind die Beibehaltung und Sicherung der charakteristischen dörflichen Eigenart, um den Dörfern und ihren Bewohnern die Möglichkeit zu geben, sich in zeitgemäßer Art und Weise weiterzuentwickeln. Nachdem der Rat der Stadt Norden im Mai 2011 den Dorfentwicklungsplan beschlossen und dieser im Juni 2011 vom Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems anerkannt wurde, konnte im Sommer 2011 mit der Umsetzungsphase der Dorfentwicklung begonnen werden.


Am Leybuchtsiel entstand 2007 eine [[Paddel und Pedal]]-Station die sowohl von Einheimischen wie von Gästen gern angesteuert wird.
Mit Jahresende 2021 endete die Maßnahme. In dieser Zeit wurden in beiden Orten drei große Infrastrukturprojekten und zahlreiche weitere Nebenprojekte fertiggestellt, darunter auch zahlreiche Modernisierungen und Instandsetzungen von privaten Höfen und Wohngebäuden. In Leybuchtpolder wurde 2014 bis 2015 der Dorfplatz- Schulelternparkpatz und Steganlage am [[Dorfteich]] modernisiert bzw. entsprechend ausgebaut, in Neuwesteel wurde von 2015 bis 2016 ein Dorftreff und ein Bolzplatz am [[Schulweg]] errichtet. Von 2019 bis 2021 wurde die ehemalige reformierte Kirche von Leybuchtpolder zum Dorfgemeinschaftshaus [[Lüttje Kark]] umgebaut. Nicht umgesetzt wurde hingegen bislang die Ausweisung neuer Bauplätze, die in dem 2011 erstellten Konzept sozial und baulich verträglich bzw. förderlich dargestellt und dringend empfohlen wurde, um dem ansonsten unaufhaltbaren Bevölkerungsschwund entgegenwirken zu können.<ref>NWP Planungsgesellschaft (2011): Dorferneuerungs-/Entwicklungsplanung für die Ortsteile Leybuchtpolder und Neuwesteel, S. 95ff.</ref>
 
Im Jahre 2009 wurden Neuwesteel und Leybuchtpolder im Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. So wurde beispielsweise der stark beschädigte [[Schulweg]] erneuert und 2016 mit einer Teerdecke versehen.


==Verwaltung==
==Verwaltung==
Neuwesteel steht ein ehrenamtlicher [[Ortsvorsteher]] vor, der den Ort und seine Interessen gegenüber dem Rat und der Verwaltung vertritt. Als der Ort noch eine eigenständige Gemeinde war, standen ein Bürgermeister und ein Gemeindedirektor an der Spitze der Verwaltung.
Seit dem Verlust der Eigenständigkeit steht Leybuchtpolder kein [[Liste der Gemeindevorsteher von Leybuchtpolder|Bürgermeister]] (Gemeindevorsteher), sondern ein [[Ortsvorsteher]] vor, der den Ort und seine Interessen gegenüber der Verwaltung und dem [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] vertritt. Als eigenständige Gemeinde standen der Verwaltung ein ehrenamtlicher Bürgermeister mit vorwiegend repräsentativen Aufgaben und ein hauptamtlicher [[Gemeindedirektor]] als eigentlicher Hauptverwaltungsbeamter an der Spitze der Verwaltung.


==Bildung==
==Bildung==
Die [[Neuwesteeler Schule]] wurde nach kurzer Bauzeit zu Ostern im Jahre 1935 eröffnet. Bemerkenswert ist, dass die Schule von den Einwohner selbst erbaut wurde. Von Anfang an war es Teil der Ortsplanung, eine Schule zu errichten. Die Schule umfasste nur eine Klasse und hatte 1935 insgesamt 47 Schüler. Wie früher üblich, wurde der Unterhalt der Schule durch die Verpachtung von Land gesichert, sogenanntem Schulland. Es umfasste im Falle der Neuwesteeler Schule zwei Hektar Land. Die Schule wurde 1971 geschlossen, die Schüler wurden der [[Grundschule Süderneuland]] bzw. den weiterführenden Schulen in Norden zugewiesen. Das Schulgebäude existiert noch heute. Es befindet sich im Königsweg 22 und wird von seinem Privateigentümer als Wohnhaus genutzt.
Der Ort verfügt über eine [[Grundschule Leybuchtpolder|Grundschule]], deren Arbeiten 1955 abgeschlossen wurden. Der Besuch weiterführender Schulen ist - unter anderem - in Norden möglich.


==Religion==
==Religion==
Aufgrund des absolutistischen Machtanspruchs der Nationalsozialisten, denen die Kirche ein Dorn im Auge war, waren religiöse Gebäude nicht Teil der Siedlungsplanung. Die Gläubigen mussten zunächst ganz nach Norden, um eine Kirche ihrer Konfession besuchen zu können. Ab 1952 wurde Neuwesteel Teil der evangelischen Kirchengemeinde Leybuchtpolder. Katholiken mussten weiterhin nach Norden ausweichen.


==Gesundheit und Soziales==
* siehe auch: [[Kirchengemeinde Leybucht]]
Es ist nicht bekannt, ob Neuwesteel ebenfalls dem Armenverband Norden zugerechnet wurde, wie dies z.B. bei Westermarsch I und II der Fall ist. Das nächstgelegene Krankenhaus befindet sich seit jeher in Norden.


==Wirtschaft und Verkehr==
1960 und 1961 wurden zwei Kirchen gebaut, eine für die [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder|evangelisch-lutherischen Siedler]] und eine für die [[Evangelisch-reformierte Kirche Leybuchtpolder|evangelisch-reformierten]]. Die reformierte Kirche ist mittlerweile aufgrund Mitgliederschwundes geschlossen. Hier befindet sich heute das Dorfgemeinschaftshaus des Ortes, welches auch ''Lüttje Kark'' (niederdeutsch für ''Kleine Kirche'') genannt wird. Die Reformierten nutzen seitdem die Räumlichkeiten der lutherischen Kirche.
Die praktisch einzigen Erwerbszweige Neuwesteels sind die Landwirtschaft und der Fremdenverkehr. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt jedoch gleichzeitig stetig ab. Gab es 1949 noch 72 Höfe, waren es 1960 noch 69 und 1971 sogar nur noch 45. Seit den 2010er Jahren gibt es sogar nur noch 21 Höfe in Neuwesteel.


In den Anfangsjahren waren auch eine Reihe Handwerksbetriebe im Ort, darunter Schmiede, Schuster, Bäcker sowie eine Tankstelle mit angeschlossenem Taxibetrieb. Das letzte Lebensmittelgeschäft schloss 2008, es befand sich am [[Königsweg]] 23a, ungefähr gegenüber der alten Schule.
Die anderen Konfessionen besuchten seit jeher die [[Liste der Sakralbauten|entsprechende Gotteshäuser der Stadt]], so etwa die katholische [[Ludgeruskirche]] an der [[Osterstraße]].


Die Anzahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten sank zunächst von 14 (1950) auf 11 (1961), stieg dann aber wieder deutlich auf 19 (1970) an. Handwerksbetriebe hatten 1950 mit fast 29 % und 1961 mit gut 27 % daran Anteil. Die Summe der Erwerbspersonen verminderte sich von 389 (1950), über 236 (1961) auf 183 (1970). Dagegen erhöhte sich die Quote der Auspendler stetig von fast 7 %, über 17 % auf annähernd 37 %. 1961 betrug der Anteil der Einpendler 18 %.  
==Gesundheit und Soziales==
Das nächstgelegene [[Kreiskrankenhaus Norden|Krankenhaus]] befindet sich seit jeher in Norden. In Leybuchtpolder gab und gibt es kein Krankenhaus oder ähnliches.


Die noch bestehenden Höfe betreiben vorwiegend Milchviehwirtschaft und Kartoffelanbau, der in dem äußerst fruchtbaren Marschboden von Neuwesteel sehr gute Erträge bringt. Viele Höfe verkaufen ihre Waren in kleinen Hofläden direkt an die Verbraucher und bzw. oder bieten "Ferien auf dem Bauernhof" für Touristen an.
==Wirtschaft und Verkehr==
Die praktisch einzigen Erwerbszweige Leybuchtpolders sind die Landwirtschaft und der Fremdenverkehr. 1960 gab es in Leybuchtpolder 104 landwirtschaftliche Betriebe, davon zählte nur einer zu den großen Betrieben, 74 zu den mittelgroßen und 29 zu den kleinen Betrieben. 1961 gab es 19 nicht-landwirtschaftliche Arbeitsstätten, von denen vier Handwerksbetriebe waren, was einer Quote von 21 % entspricht. Die Zahl der Erwerbspersonen belief sich auf 315. Der Anteil der Auspendler und Einpendler lag bei 11 bzw. 20 %.


Neuwesteel verfügt auch über einen Campingplatz, welcher sich am Ende des [[Fährweg]] in unmittelbarer Lage zum [[Norder Tief]] befindet. Hier befindet sich auch ein Haus mit Ferienappartements das zum [[Hotel Reichshof]] gehört. Anliegend befindet sich ein kleiner Fähranleger, von dem aus man als Fußgänger oder Fahrradfahrer mit einer [[Kurbelpünte]] das Norder Tief zum [[Lorenzweg]] überqueren kann.
==Erwähnenswerte Gebäude==
* siehe auch: [[:Kategorie:Gebäude in Leybuchtpolder|Kategorie:Gebäude in Leybuchtpolder]]
* [[Altes Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Altes Feuerwehrhaus]]
* [[Denkmal (Störtebekerdeich)|Denkmal zum Bau des ehemaligen Störtebekerdeichs]]
* Dorfgemeinschaftshaus ''Lüttje Kark'' (ehemals [[Evangelisch-reformierte Kirche Leybuchtpolder]])
* [[Dorfteich]] mit Wasserfontäne
* [[Evangelisch-lutherische Kirche Leybuchtpolder]]
* [[Siedlerdenkmal|Ehrenmal für die ersten Siedler auf dem Marktplatz]]
* [[Feuerwehrhaus (Leybuchtpolder)|Feuerwehrhaus]]
* [[Sporthalle An der Leybucht|Sporthalle]]


== Sehenswürdigkeiten ==
== Einzelnachweise ==
* [[Paddel und Pedal]]-Station
<references />
* [[Kurbelpünte]]
* [[Schöpfwerk Leybuchtsiel]]


== Quellenverzeichnis ==
== Quellenverzeichnis ==
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Neuwesteel.pdf Beschreibung von Neuwesteel] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Leybuchtpolder.pdf Beschreibung von Leybuchtpolder] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Osteel.pdf Beschreibung von Osteel] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.neuwesteel.de/ Neuwesteel.de] Internetauftritt des Stadtteils
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen]
* [https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen]
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]
* [https://www.norden.de/Stadtleben/Die-Stadt/Ortsteile/ Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden]
== Siehe auch ==
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Aktuelle Version vom 28. Oktober 2024, 09:36 Uhr

Leybuchtpolder

Wappen
Höhe 1,5 - 2,0 m ü. NN
Fläche 10,523 km²
Einwohner 424 (31.12.2022)
Gründung 1. Juli 1954
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 41 Einwohner/km²
Karte

Leybuchtpolder ist ein Stadtteil von Norden und hat 424 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen. Es ist der jüngste Ort Deutschlands und war in seiner Anfangszeit eine eigenständige Gemeinde, später eine Samtgemeinde mit den bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden Westermarsch I, Westermarsch II sowie Neuwesteel und wurde im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil der Stadt Norden.

Nordöstlich grenzt Leybuchtpolder an Neuwesteel, südöstlich an Osteel, südwestlich an Greetsiel und nordwestlich an die Nordsee, von der sie durch den Störtebekerdeich getrennt bzw. geschützt ist.

Namensherkunft

Namensgebend für den Ort ist der Leybuchtpolder, der den größten Teil der Landfläche des Ortes ausmacht. Dieser Name ergibt sich aus seiner Eigenschaft als aus der Leybucht gewonnener Polder.

Wappen

Das Wappen wird etwa mittig von einem Wellenschnitt geteilt. Oben befindet sich ein blaues Kleeblatt auf goldenem Grund, unten ein goldenes Spatenblatt auf blauem Grund. Die Farben veranschaulichen als Stadtfarben die Zugehörigkeit zur Stadt Norden. Es soll versinnbildlichen, dass der Ort mit weitestgehend einfachsten Mitteln (wie z.B. Spaten) dem Meer abgerungen wurde und nun landwirtschaftlich besiedelt wird. Das Kleeblatt ist ein typisches Symbol der Landwirtschaft.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1955 311
1956 474
1861 497
1970 484
2006 460
Jahr Einwohner
2007 449
2008 443
2009 446
2010 445
2016 463
Jahr Einwohner
2020 436
2021 438
2022 424
2023
2024

Geografie

Leybuchtpolder liegt, wie der Name bereits erahnen lässt, direkt an der Leybucht und wurde in einer Höhe von 1,5 bis 2,0 m über Meeresniveau (NN) im Kalkmarschgebiet direkt an der Nordseeküste als Streusiedlung gegründet. Bis zum Beginn der Einpolderung lag der Ort vollständig unter Wasser. Der größte Teil des Ortsgebietes wurde zwischen 1947 - 1950 eingepoldert.

Geschichte

Mittelalter

Über die frühe Geschichte des Ortes bzw. der Umgebung liegen keine Daten mehr vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gebiet relativ früh besiedelt war. Nach mehreren verheerenden Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, insbesondere der Ersten Dionysiusflut, brachen an vielen Stellen in Ostfriesland die Deiche und die Leybucht erreichte ihre größte Ausdehnung. Sie erreichte eine Fläche von gut 129 km² und dehnte sich von Greetsiel im Westen bis Marienhafe im Osten bzw. dem Rand der Stadt Norden bis nach Canhusen (Gemeinde Hinte) im Süden aus. Allein durch die Erste Dionysiusflut gingen etwa 20.000 Hektar Land verloren. Das Land, auf dem heute Leybuchtpolder liegt, war damit über Jahrhunderte Teil des Meeres und als solcher nicht mehr bewohnbar. Eine Untiefe namens Hohe Plate ließ hier allerdings noch lange Zeit noch das ehemalige Land erahnen.

Neuzeit

In den nächsten Jahrhunderten wurden sukzessive Landgewinnungsmaßnahmen aus der Leybucht vorgenommen, deren Abschluss die Eindeichung des Leybuchtpolders bildete. Durch den Bau des Störtebekerdeichs, wurde die Küstenlinie in ihrem heutigen Verlauf begradigt und das neue Land vor dem Meer geschützt. Bereits 1947 begann ein ganzes Heer von Deicharbeitern unter der Leitung des Karl Wenholt, damals Leiter des Bauamtes für Küstenschutz und Landgewinnung in Norden, mit dem Bau des Deichs. Es galt, eine Fläche von gut 1.000 Hektar dem Meer abzuringen, auf Dauer zu sichern und den fruchtbaren Boden als Weide- und Ackerland urbar zu machen.[1]

Typischer Hof aus der Anfangszeit des Ortes.

Nach Abschluss der Eindeichung im Jahr 1950 wurde 1952 mit der Besiedlung des neu gewonnenen Landes begonnen. Hierbei wurden zu gleichen Anteilen Einheimische und Vertriebene aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten bei der Verteilung berücksichtigt. Bevorzugt wurden dabei die Deicharbeiter, unabhängig ihrer Herkunft, die mit ihrer Arbeit die Besiedlung des Ortes überhaupt erst möglich gemacht haben. Vergeben wurden 53 landwirtschaftliche Betriebe im Umfang von 10 bis 16 Hektar, 21 Betriebe in der Größenordnung von 7 bis 10 Hektar sowie 28 Arbeiter- und Handwerkerstellen, deren Grundstücke einen Hektar umfassten. Als Zuwegung und Verbindungen wurden etwa zwölf Kilometer Straßen angelegt, von denen viele noch in ihrer ursprünglichen, plattenartigen Bauweise existieren. Insgesamt wurden 103 Siedlerstellen geschaffen.[1] Die Gebäude der Anfangsphase waren meist kleine Replikate der großen Gulfhöfe im Stile der bekannten Friesenhäuser und sahen den landwirtschaftlichen Betrieb als Nebenerwerb oder zur Selbstversorgung vor. Erst ab den späten 1950er und frühen 1960er Jahren begann man mit dem Bau regulärer Wohnhäuser.

Offiziell gegründet wurde die zunächst eigenstände Gemeinde schließlich am 1. Juli 1954. Wesentliche Teile des Ortes bestanden aus neu eingedeichtem Land, jedoch wurden auch Teile benachbarter Gemeinde in das Gebiet integriert. Hierbei wurden die Grenzen neu gezogen und vorwiegend alte Deichlinien und Flüsse bzw. Entwässerungsgräben als solche herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, weitere Eindeichungen vorzunehmen. Die Überlegungen gingen so weit, die gesamte Leybucht dem Meer abzuringen. Aus Naturschutzgründen wurde davon nichts mehr umgesetzt. Die Leybucht und ihre Peripherie ist seit jeher ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung. Lediglich kleinere Arbeiten, wie der Bau des Leysiels im Jahre 1991 oder Maßnahmen zur Deichverstärkung wurden vorgenommen.

Mit dem Bau der Leybuchtpolder Schule im Jahr 1955 sowie der Errichtung einer Kirche am Dorfkern wurde Leybuchtpolder schließlich von einer Streusiedlung zu einem Ort mit Dorfcharakter.[1] Am Alten Sielweg entstand ein Feuerwehrhaus und eine Freiwillige Feuerwehr. Ab dem 1. Dezember 1965 wurde Leybuchtpolder zum Hauptort und einer Teilgemeinde innerhalb der neu gegründeten Samtgemeinde Leybucht, zu der auch die bis bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden Westermarsch I, Westermarsch II und Neuwesteel gehörten. Ein Jahr zuvor, am 6. Juni 1964, wurde der SV Leybucht gegründet. Die Samtgemeinde wurde am 1. Juli 1972 in die Stadt Norden integriert.

Die anfangs spärliche Infrastruktur wurde ab den 1960er Jahren immer weiter verbessert bzw. aufgebaut. Anfangs gab es hingegen noch nicht einmal eine öffentliche Wasserversorgung, die nach altertümlicher Art über Regenwasserzisternen erfolgte. Um bei Bränden dennoch mit ausreichend Wasser versorgt zu sein, legte man den Dorfteich als künstliche Wasserentnahmestelle für die Pumpen der Feuerwehr an.

1971 wurde ein Nutzungskonzept entworfen, das den Bau eines neuen Dorfes (Neu-Bant) und eine dichte touristische Infrastruktur vorsah. Aufgrund der in den 1970er Jahren zunehmenden Sensibilisierung für den Umwelt- und Naturschutz wurde auch dieses Vorhaben nicht umgesetzt. Ein 1976 erarbeitetes Gestaltungskonzept, das großflächige Vogelschutzgebiete, raumgreifende landwirtschaftliche Nutzung und ein Neu-Greetsiel statt Neu-Bant vorsah, wurde ebenfalls wegen Umweltschutzgründen nicht verwirklicht.[2]

Zum 1. Juli 1972 wurden die Norder Umlandgemeinden im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform nach Norden eingemeindet. Süderneuland I und Leybuchtpolder weigerten sich zunächst noch beharrlich (doch letztlich vergebens), die Unterschrift zu leisten, sodass sie per Gesetzeskraft zwangseingemeindet werden mussten.[3] Alle anderen heutigen Stadtteile fügten sich ihrem Schicksal und gaben ihre Eigenständigkeit auf.

Am 1. Juli 2008 wurde der Ort gemeinsam mit Neuwesteel in das Niedersächsische Programm zur Förderung der Dorferneuerung aufgenommen. Ziele der Dorferneuerungsplanung sind die Beibehaltung und Sicherung der charakteristischen dörflichen Eigenart, um den Dörfern und ihren Bewohnern die Möglichkeit zu geben, sich in zeitgemäßer Art und Weise weiterzuentwickeln. Nachdem der Rat der Stadt Norden im Mai 2011 den Dorfentwicklungsplan beschlossen und dieser im Juni 2011 vom Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems anerkannt wurde, konnte im Sommer 2011 mit der Umsetzungsphase der Dorfentwicklung begonnen werden.

Mit Jahresende 2021 endete die Maßnahme. In dieser Zeit wurden in beiden Orten drei große Infrastrukturprojekten und zahlreiche weitere Nebenprojekte fertiggestellt, darunter auch zahlreiche Modernisierungen und Instandsetzungen von privaten Höfen und Wohngebäuden. In Leybuchtpolder wurde 2014 bis 2015 der Dorfplatz- Schulelternparkpatz und Steganlage am Dorfteich modernisiert bzw. entsprechend ausgebaut, in Neuwesteel wurde von 2015 bis 2016 ein Dorftreff und ein Bolzplatz am Schulweg errichtet. Von 2019 bis 2021 wurde die ehemalige reformierte Kirche von Leybuchtpolder zum Dorfgemeinschaftshaus Lüttje Kark umgebaut. Nicht umgesetzt wurde hingegen bislang die Ausweisung neuer Bauplätze, die in dem 2011 erstellten Konzept sozial und baulich verträglich bzw. förderlich dargestellt und dringend empfohlen wurde, um dem ansonsten unaufhaltbaren Bevölkerungsschwund entgegenwirken zu können.[4]

Verwaltung

Seit dem Verlust der Eigenständigkeit steht Leybuchtpolder kein Bürgermeister (Gemeindevorsteher), sondern ein Ortsvorsteher vor, der den Ort und seine Interessen gegenüber der Verwaltung und dem Rat der Stadt Norden vertritt. Als eigenständige Gemeinde standen der Verwaltung ein ehrenamtlicher Bürgermeister mit vorwiegend repräsentativen Aufgaben und ein hauptamtlicher Gemeindedirektor als eigentlicher Hauptverwaltungsbeamter an der Spitze der Verwaltung.

Bildung

Der Ort verfügt über eine Grundschule, deren Arbeiten 1955 abgeschlossen wurden. Der Besuch weiterführender Schulen ist - unter anderem - in Norden möglich.

Religion

1960 und 1961 wurden zwei Kirchen gebaut, eine für die evangelisch-lutherischen Siedler und eine für die evangelisch-reformierten. Die reformierte Kirche ist mittlerweile aufgrund Mitgliederschwundes geschlossen. Hier befindet sich heute das Dorfgemeinschaftshaus des Ortes, welches auch Lüttje Kark (niederdeutsch für Kleine Kirche) genannt wird. Die Reformierten nutzen seitdem die Räumlichkeiten der lutherischen Kirche.

Die anderen Konfessionen besuchten seit jeher die entsprechende Gotteshäuser der Stadt, so etwa die katholische Ludgeruskirche an der Osterstraße.

Gesundheit und Soziales

Das nächstgelegene Krankenhaus befindet sich seit jeher in Norden. In Leybuchtpolder gab und gibt es kein Krankenhaus oder ähnliches.

Wirtschaft und Verkehr

Die praktisch einzigen Erwerbszweige Leybuchtpolders sind die Landwirtschaft und der Fremdenverkehr. 1960 gab es in Leybuchtpolder 104 landwirtschaftliche Betriebe, davon zählte nur einer zu den großen Betrieben, 74 zu den mittelgroßen und 29 zu den kleinen Betrieben. 1961 gab es 19 nicht-landwirtschaftliche Arbeitsstätten, von denen vier Handwerksbetriebe waren, was einer Quote von 21 % entspricht. Die Zahl der Erwerbspersonen belief sich auf 315. Der Anteil der Auspendler und Einpendler lag bei 11 bzw. 20 %.

Erwähnenswerte Gebäude

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 149
  2. NWP Planungsgesellschaft (2011): Dorferneuerungs-/Entwicklungsplanung für die Ortsteile Leybuchtpolder und Neuwesteel, S. 22
  3. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 77
  4. NWP Planungsgesellschaft (2011): Dorferneuerungs-/Entwicklungsplanung für die Ortsteile Leybuchtpolder und Neuwesteel, S. 95ff.

Quellenverzeichnis

Siehe auch