Deichmühle

Aus Norder Stadtgeschichte
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Deichmühle

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Basisdaten
Entstehungszeit 1593 (1900)
Erbauer Edzard II. Cirksena
Bauweise Galerieholländer
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Raiffeisenstraße 1 A

26506 Norden

Die Deichmühle befindet sich im Winkel der heutigen Straßenzüge Raiffeisenstraße und Bahnhofstraße. Der Kern dieser einstigen Bockwindmühle stammt noch aus dem Jahr 1593 und fällt damit in die Zeit der Eindeichung von Süderneuland, woraus sich ihr Name herleitet. Auch die Raiffeisenstraße trug einst den Namen "Deichweg". Gemeinsam mit der Frisiamühle dominiert die Deichmühle das südliche Stadtbild und ist eines der Wahrzeichen von Norden. Der vierstöckige Galerieholländer, der mit einer Höhe von 28,5 Metern die dritthöchste Mühle Ostfrieslands ist, ist heute noch voll funktionsfähig.[1]

Geschichte

Als Vorgängerbau der Deichmühle kann eine 1588 von Edzard II. Cirksena errichtete Mühle gesehen werden, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Manche Quellen sprechen davon, dass es hier bereits 13. Jahrhundert eine Bockwindmühle gegeben, doch dürfte diese spätestens bei den verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhundert zerstört worden sein. Bei letztgenannter Mühle soll es sich um eine sogenannte Zwangsmühle gehandelt haben. Das bedeutet, dass Edzard II. von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch gemacht hatte, eine Mühle zu errichten und die umliegenden Bauer dort zu mahlen verpflichtete.[2] Edzards Einfluss im Süderneuland war groß, denn er sicherte sich auch das Addinggaster Grashaus mit seinen umfassenden Ländereien.

Nachdem Graf Wilhelm zu Inn- und Knyphausen aus Lütetsburg vor dem Reichskammergericht gegen den Mühlenzwang klagte, errichtete Edzard II. die Bockwindmühle am heutigen Standort. Auch diese gehörte zwar dem Landesherren, doch wurde sie zumindest alle sechs Jahre auf Zeit verpachtet.[3] 1676 wird ein Erbpachtsvertrag über 20 Reichstaler (Windgeld) aufgesetzt.[4] Für jede Tonne gemahlenen Getreides wird für den Zubringer eine Gebühr von 6 Stübern fällig.[5]

Als sich die ostfriesischen Stände gegen die Cirksena zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhoben, kam es zwischen 1726 und 1728 zum sogenannten "Ostfriesischen Ständekrieg", im Rahmen dessen auch die Deichmühle stark beschädigt wurde, da sie den Cirksena gehörte. Nach Ende des Krieges ging die Mühle schließlich 1734 an einen Privatmann über.[6]

Im Laufe der Zeit wechselte die Mühle immer wieder den Besitzer und verfiel zusehends. Im Jahr 1900 gelangt die Mühle in den Besitz eines Mannes namens Ulferts. Dieser plante bereits einen Neubau, doch verstarb er daraufhin und seine Witwe veräußert die Mühle an Weert Meyer, der bereits zuvor die Frisiamühle gepacht hatte. Sein Pachtvertrag war jedoch ausgelaufen. Durch Meyer wird die Bockwindmühle letztlich abgebrochen und als Galerieholländer wiedererrichtet.[7] Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt.

Neben der Baufälligkeit war auch der hohe Hafendeich und die zunehmende Bebauung in der Nachbarschaft, die nur einen sehr eingeschränkten Betrieb ermöglichten, der Grund für einen Neubau. Bereits die Vorbesitzer plagten sich mit diesen Gegebenheiten. Meyer stellte daraufhin einen Bauantrag, der jedoch aufgrund Bedenken beim Brandschutz abgelehnt wurde: Im Umfeld der Mühle befanden sich mehrere Holzlagerstätten und die Behörden befürchteten, dass ein Galerieholländer zu hoch und damit zu anfällig für Blitzeinschläge sein würde. Nachdem Meyer eine Beschwerde an den Regierungspräsidenten in Aurich geschrieben hatte, erhielt er letztlich doch noch eine Baugenehmigung, wenn auch mit Auflagen (Blitzableiter, Blechdach, eiserne Flügelwelle). Der Mühlenbauer Dirks aus Emden führte errichtete schließlich im Auftrage Meyers die Mühle. Die Bauarbeiten schritten schnell voran und bereits gegen Ende des Jahres 1900 war ein erster Betrieb möglich. 1901 erfolgten dann die letzten Arbeiten an der Inneneinrichtung.[8]

An der erst wenige Jahre zuvor prachtvoll erweiterte Bahnhofstraße fügten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ansehnliche Stadtvilla an die nächste. So passte auch das alte Müllerhaus nicht mehr in das Straßenbild und erhielt daher eine neue neue Fassade im Stil des Historismus. 1908 erfolgte der Bau des Motorhauses. Ein Gasmotor konnte einen Mahlgang und einige Maschinen vom Wind unabhängig antreiben. Ein beachtlicher, wenn auch kostenintensiver Fortschritt.[9]

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb Rolf Bontjes 1919 die Deichmühle von Gerd Meyer, dem Sohn von Weert Meyer. Die Mühle soll bereits zu dieser Zeit nicht mehr wirtschaftlich gearbeitet haben. Rolf Bontjes kam aus Leezdorf und hatte auf der dortigen Mühle gelernt und gearbeitet. Um 1920 begann er, in den Ausbau der Mühle zu erweitern. Er vergrößerte nicht nur das Motorhaus, sondern fügte dem Ensemble auch ein dreistöckiges Lagerhaus sowie ein ansehnliches Wohnhaus hinzu. Das Lagerhaus sollte zum Trocknen und Lagern des Getreides dienen. Für sich und seine Familie entstand das Wohnhaus, welches bis heute erhalten ist. Wegen Problemen bei der Bezahlung des Lagerhauses geriet Bontjes in Rechtsstreitigkeiten mit der Firma Neumann, die das Lagerhaus für ihn erbaute.[10]

Mitte der 30er Jahre war ein Teil des Wohn- und des Lagerhauses der Deichmühle an die Firma Wilken Tee verpachtet. Dort wurde Tee gemischt und auch abgepackt. Die Mühle befand sich zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand. Durch Blitzschlag brach ein Flügelteil ab und die Windrose war defekt. Vermutlich konnte Müller Bontjes durch Aufträge für die Heeresverpflegung der Wehrmacht die Mühle wieder Instandsetzen.[11]

1947 bekam die Mühle einen neuen Anstrich, 1948 konnte ein neuer Flügel eingebaut und der Wetterbalken erneuert werden. In den 1950er begann sich eine wirtschaftliche Verbesserung einzustellen, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Müller Bontjes beschäftigte einen Take Janssen als Müller, der sein Handwerk gut zu verstehen schien. Dennoch kam man mit der Arbeit kaum nach. Janssen berichtete: "Die Mühle war so voll Getreide, dass sie fast überlief". Ab 1957 pachtete ein M. O. Kalverkamp die Mühle. Unklar ist, ob Bontjes verstarb oder er diese lediglich weiterverpachtete. Kalverkamp investierte ebenso in die Mühle und richtete einen elektrischen Sackaufzug ein. Sein Pachtverhältnis dauerte jedoch nicht lange, bereits in den 1960ern wird die anliegende Raiffeisengenossenschaft neuer Pächter der Mühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktionsanlagen (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins. Die Mühle wird nun vor allem zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. In den Nebengebäuden wurde Düngemittel gelagert. Bis etwa 1968 wurde die Windkraft zum Antrieb der Mühle genutzt und nur bei Windstille auf den Motor zurückgegriffen.[12]

Nach Ende der gewerblichen Nutzung gelangt die Mühle in den Besitz der Familie Wagener aus Papenburg. Maria Anna Wagener ließ sodann eine eine alte, baufällige Flügelrute erneuert. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Instandsetzungsmaßnahmen, so wurde auch der Oberbau durch einen niederländischen Mühlenbauer erneuert. Die Kappe wurde letztmalig 2007 erneuert und die Mühle ist weiterhin voll funktionsfähig. Gegen Ende der 1970er kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Straßenverkehrsbehörde, die letztlich eine Verbreiterung der Bahnhofstraße durchsetzte und das vordere Grundstück der Windmühle dadurch massiv verkleinerte.[13]

Sonstiges

In der amtlichen Statistik des Königreichs Hannover wird der Hof gleichzeitig als Ortschaft innerhalb von Süderneuland I geführt. Im Jahr 1848 sollen hier zehn Personen gewohnt haben.[14]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript
  2. Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f.
  3. StAA, Rep. 6, Nr. 3161 u. Rep. 6, Nr. 454
  4. StAA, Rep. 6, Nr. 3178
  5. StAA, Rep. 6, Nr. 3404
  6. Geschichte der Deichmühle auf Ostfriesland.travel
  7. Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript
  8. Internetseite der Deichmühle
  9. Internetseite der Deichmühle
  10. Internetseite der Deichmühle
  11. Internetseite der Deichmühle
  12. Internetseite der Deichmühle
  13. Internetseite der Deichmühle
  14. Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848

Siehe auch