Deichmühle: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Deichmühle''' befindet sich an der Ecke der heutigen Straßenzüge [[Raiffeisenstraße]] und [[Bahnhofstraße]]. Der Kern dieser einstigen Bockwindmühle stammt noch aus dem Jahr 1593 und fällt damit in die Zeit der Eindeichung von [[Süderneuland]], woraus sich ihr Name herleitet. Gemeinsam mit der [[Frisiamühle]] dominiert die Deichmühle das südliche Stadtbild von Norden.
Die '''Deichmühle''' befindet sich im Winkel der heutigen Straßenzüge [[Raiffeisenstraße]] und [[Bahnhofstraße]]. Der Kern dieser einstigen Bockwindmühle stammt noch aus dem Jahr 1593 und fällt damit in die Zeit der Eindeichung von [[Süderneuland]], woraus sich ihr Name herleitet. Auch die Raiffeisenstraße trug einst den Namen "Deichweg". Gemeinsam mit der [[Frisiamühle]] dominiert die Deichmühle das südliche Stadtbild von Norden.


Als Vorgängerbau der Deichmühle kann eine 1588 von [[Edzard II. Cirksena]] errichtete Mühle gesehen werden, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Bei letztgenannter Mühle soll es sich um eine sogenannte Zwangsmühle gehandelt haben. Das bedeutet, dass Edzard II. von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch gemacht hat, eine Mühle zu errichten und die umliegenden Bauer dort zu mahlen verpflichtete.<ref>Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f.</ref> Edzards Einfluss im [[Süderneuland]] war groß, denn er sicherte sich auch das [[Addinggaster Grashaus]] mit seinen umfassenden Ländereien.
Als Vorgängerbau der Deichmühle kann eine 1588 von [[Edzard II. Cirksena]] errichtete Mühle gesehen werden, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Bei letztgenannter Mühle soll es sich um eine sogenannte Zwangsmühle gehandelt haben. Das bedeutet, dass Edzard II. von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch gemacht hatte, eine Mühle zu errichten und die umliegenden Bauer dort zu mahlen verpflichtete.<ref>Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f.</ref> Edzards Einfluss im [[Süderneuland]] war groß, denn er sicherte sich auch das [[Addinggaster Grashaus]] mit seinen umfassenden Ländereien.


Nachdem Graf Wilhelm zu Inn- und Knyphausen aus Lütetsburg vor dem Reichskammergericht hiergegen klagte, wurde die heutige Deichmühle errichtet. Auch diese oblag zwar dem Landesherren, doch wurde diese zumindest alle sechs Jahre auf Zeit verpachtet.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3161 u. Rep. 6, Nr. 454</ref> 1676 wird ein Erbpachtsvertrag über 20 Reichstaler (Windgeld) aufgesetzt.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3178</ref> Für jede Tonne gemahlenen Getreides wird für den Zubringer eine Gebühr von 6 Stübern fällig.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3404</ref>
Nachdem Graf Wilhelm zu Inn- und Knyphausen aus Lütetsburg vor dem Reichskammergericht hiergegen klagte, wurde die heutige Deichmühle errichtet. Auch diese gehörte zwar dem Landesherren, doch wurde sie zumindest alle sechs Jahre auf Zeit verpachtet.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3161 u. Rep. 6, Nr. 454</ref> 1676 wird ein Erbpachtsvertrag über 20 Reichstaler (Windgeld) aufgesetzt.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3178</ref> Für jede Tonne gemahlenen Getreides wird für den Zubringer eine Gebühr von 6 Stübern fällig.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3404</ref>


Im Jahr 1900 wird die im Laufe der Jahre weitestgehend abgebrochene Bockwindmühle erneuert und als Galerieholländer wiedererrichtet. Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt. Der vierstöckige Galerieholländer, der mit einer Höhe von 28,5 Metern die dritthöchste Mühle Ostfrieslands ist, ist heute noch voll funktionsfähig.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref>
Im Jahr 1900 wird die im Laufe der Jahre weitestgehend abgebrochene Bockwindmühle erneuert und als Galerieholländer wiedererrichtet. Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt. Der vierstöckige Galerieholländer, der mit einer Höhe von 28,5 Metern die dritthöchste Mühle Ostfrieslands ist, ist heute noch voll funktionsfähig.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref>
Seit 1974 ist die Mühle im Besitz der Familie Wagener aus Papenburg, die sich bis heute sehr für die Erhaltung der Mühle einsetzen. Gemahlen wird zwar nicht mehr, doch ist die Mühle der Öffentlichkeit zu bestimmten Zeiten als Museumsmühle zugänglich.<ref>[http://www.deichmuehle.de/ Internetseite der Deichmühle]</ref>


In der amtlichen Statistik des Königreichs Hannover wird der Hof gleichzeitig als Ortschaft innerhalb von Süderneuland I geführt. Im Jahr 1848 sollen hier zehn Personen gewohnt haben.<ref>Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848</ref>
In der amtlichen Statistik des Königreichs Hannover wird der Hof gleichzeitig als Ortschaft innerhalb von Süderneuland I geführt. Im Jahr 1848 sollen hier zehn Personen gewohnt haben.<ref>Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848</ref>

Version vom 9. Februar 2021, 11:09 Uhr

Deichmühle

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Basisdaten
Entstehungszeit 1593 (1900)
Erbauer Edzard II. Cirksena
Bauweise Galerieholländer
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Raiffeisenstraße 1 A

26506 Norden

Die Deichmühle befindet sich im Winkel der heutigen Straßenzüge Raiffeisenstraße und Bahnhofstraße. Der Kern dieser einstigen Bockwindmühle stammt noch aus dem Jahr 1593 und fällt damit in die Zeit der Eindeichung von Süderneuland, woraus sich ihr Name herleitet. Auch die Raiffeisenstraße trug einst den Namen "Deichweg". Gemeinsam mit der Frisiamühle dominiert die Deichmühle das südliche Stadtbild von Norden.

Als Vorgängerbau der Deichmühle kann eine 1588 von Edzard II. Cirksena errichtete Mühle gesehen werden, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Bei letztgenannter Mühle soll es sich um eine sogenannte Zwangsmühle gehandelt haben. Das bedeutet, dass Edzard II. von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch gemacht hatte, eine Mühle zu errichten und die umliegenden Bauer dort zu mahlen verpflichtete.[1] Edzards Einfluss im Süderneuland war groß, denn er sicherte sich auch das Addinggaster Grashaus mit seinen umfassenden Ländereien.

Nachdem Graf Wilhelm zu Inn- und Knyphausen aus Lütetsburg vor dem Reichskammergericht hiergegen klagte, wurde die heutige Deichmühle errichtet. Auch diese gehörte zwar dem Landesherren, doch wurde sie zumindest alle sechs Jahre auf Zeit verpachtet.[2] 1676 wird ein Erbpachtsvertrag über 20 Reichstaler (Windgeld) aufgesetzt.[3] Für jede Tonne gemahlenen Getreides wird für den Zubringer eine Gebühr von 6 Stübern fällig.[4]

Im Jahr 1900 wird die im Laufe der Jahre weitestgehend abgebrochene Bockwindmühle erneuert und als Galerieholländer wiedererrichtet. Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt. Der vierstöckige Galerieholländer, der mit einer Höhe von 28,5 Metern die dritthöchste Mühle Ostfrieslands ist, ist heute noch voll funktionsfähig.[5]

Seit 1974 ist die Mühle im Besitz der Familie Wagener aus Papenburg, die sich bis heute sehr für die Erhaltung der Mühle einsetzen. Gemahlen wird zwar nicht mehr, doch ist die Mühle der Öffentlichkeit zu bestimmten Zeiten als Museumsmühle zugänglich.[6]

In der amtlichen Statistik des Königreichs Hannover wird der Hof gleichzeitig als Ortschaft innerhalb von Süderneuland I geführt. Im Jahr 1848 sollen hier zehn Personen gewohnt haben.[7]

Einzelnachweise

  1. Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f.
  2. StAA, Rep. 6, Nr. 3161 u. Rep. 6, Nr. 454
  3. StAA, Rep. 6, Nr. 3178
  4. StAA, Rep. 6, Nr. 3404
  5. Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript
  6. Internetseite der Deichmühle
  7. Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848

Siehe auch