Norder Turnverein: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Seite wurde neu angelegt: „{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;" ! colspan="2" | ==Norder Turnverein von 1861 e.V== |- ! colspan="2" |Basisdaten |- |Gründung |186…“
 
 
(20 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;"
{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;"
! colspan="2" |
! colspan="2" |
==Norder Turnverein von 1861 e.V==
==Norder Turnverein von 1861 e.V.==
|-
|-
! colspan="2" |Basisdaten
! colspan="2" |Basisdaten
|-
|-
|Gründung
|Gründung
|1861
|20. April 1861 (offiziell)
14. Oktober 1882 (Neugründung)
|-
|-
|Auflösung
|Auflösung
Zeile 15: Zeile 16:
|-
|-
|Hauptsitz
|Hauptsitz
|[[Am Alten Siel]] 5
|[[Am Alten Siel 5]]
26506 Norden
26506 Norden
|}
|}
__NOTOC__
Der '''Norder Turnverein e.V.''' (offiziell: ''Norder Turnverein von 1861 e.V''.; kurz: ''NTV''; ursprünglich: ''Männer-Turn-Verein zu Norden'', danach: ''Turnverein Norden'') ist der älteste Turn- bzw. Sportverein der Stadt. Er bezeichnet sich daher selbst auch als ''"Wiege und Wegbereiter des Sports in unserer Region"''.
Der '''Norder Turnverein''' (offiziell: "Norder Turnverein von 1861 e.V"; kurz: "NTV") ist der älteste Turn- bzw. Sportverein der Stadt. Er hat seinen Hauptsitz in der [[Sporthalle Am Alten Siel]], die einzelnen Sparten trainieren jedoch über das Stadtgebiet verteilt, vor allem jedoch beim [[Sportplatz Wildbahn]].


Der Verein hat seinen Hauptsitz seit 1894 in der [[Sporthalle Am Alten Siel]], die einzelnen Sparten trainieren jedoch über das Stadtgebiet verteilt, vor allem beim [[Sportplatz Wildbahn|Sportzentrum Wildbahn]].
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Der Verein wurde 1861 von Norder Bürgern gegründet, die sich zur Ausübung von Leibesertüchtigungen zusammenschließen wollten. Gemäß Satzung verpflichtet sich der Verein der "Pflege und Förderung des Sportes in seiner Gesamtheit". So ist es nicht verwunderlich, dass der Norder Turnverein ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Sportarten anbietet.<ref>[http://www.norder-tv.de/ Internetseite des Norder Turnvereins], abgerufen am 7. April 2021</ref> Insbesondere die Leichtathletik-Abteilung kann auf große Erfolge zurückblicken und stellte in den vergangenen Jahrzehnte eine große Zahl von Titelträgern bei norddeutschen und deutschen Titelkämpfen gestellt.
Möglicherweise gab es bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts einen Turnverein in Norden. Sicher ist jedoch, dass das erst 1807 durch Turnvater Friedrich Ludwig [[Jahnplatz|Jahn]] eingeführte Turnen in Deutschland Anfang 1820 verboten wurde, da die von ihm begründete ''Turnbewegung'' neben körperlicher Ertüchtigung auch einen deutschen Nationalstaat anstrebte und den Herrschern der unzähligen kleinen deutschen Staaten daher als ''staatsfeindlich'' galt. Erst nach der deutschen Revolution 1848 wurde dieses Verbot allumfassend aufgehoben, größtenteils jedoch auf öffentlichen Druck schon ab 1842.
[[Datei:Norder Turnverein Norden NTV Sielturnhalle Sielstraße Denkmal 20 02 2024 01.jpg|mini|Denkmal für die in beiden Weltkriegen gefallenen und vermissten Mitglieder des Turnvereins neben der [[Sielturnhalle]].]]
Im April 1861 kam es schließlich zur Gründung des ''Männer-Turn-Verein zu Norden''.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref><ref name=":1">Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5</ref> Dieses Jahr wird vom Verein allgemein als das Gründungsjahr angenommen, wobei lange Jahre der urkundliche Nachweis fehlte, welcher erst durch eine Akte aus dem Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich gesichert werden konnte.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 17</ref> Am 20. April des Jahres wurden die Statuen des Vereins aufgestellt, weshalb dieser Tag als Gründungstag angenommen werden kann.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 15</ref> Die ersten Vereinsführer waren der angesehene Rechtsanwalt [[Folkmar Franzius]] und [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]]. Geturnt wurde auf einem freien Grundstück an der [[De-Vries-Passage]], bei schlechtem Wetter in einer dort befindlichen Scheune. 1863 löste sich der Verein aus ungeklärten Gründen jedoch bereits wieder auf.<ref name=":1" /> Es wird vermutet, dass die Auflösung behördlich verfügt wurde, nachdem sich der Verein freundschaftlich über das damals zu Dänemark gehörende Schleswig-Holstein geäußert hatte, welches das Königreich Preußen im Deutsch-dänischen Krieg 1864 (zurück-)eroberten.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 21</ref>


Mitglieder des Vereins waren zudem maßgeblich an der Gründung der [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] im Jahre 1886 beteiligt. Viele der ersten Mitglieder entstammten den Reihen des Norder Turnvereins. Verwunderlich ist dies in Anbetracht der konditionellen Anforderungen an Einsatzkräfte der Feuerwehr.<ref>Archiv der Feuerwehr Norden</ref>
Erst 1882 kam es zur Neugründung des Vereins. Zum 1. Vorsitzenden wurde der [[Ackerbauschule|Ackerbauschul]]-Lehrer Th. Arjes gewählt.<ref name=":1" /><ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 23f.</ref> Als Übungsort diente der [[Harm'scher Saal|Harm'sche Saal]] an der [[Osterstraße]].<ref name=":1" /> 1886 waren Mitglieder maßgeblich an der Gründung der [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] beteiligt. Viele der ersten Mitglieder entstammten den Reihen des Norder Turnvereins. Verwunderlich ist dies in Anbetracht der konditionellen Anforderungen an Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht.<ref>Archiv der Feuerwehr Norden</ref> Im gleichen Jahr durfte der Verein mit Genehmigung des [[Magistrat|Magistrats]] eine Spendensammlung zur Anschaffung einer Vereinsfahne durchführen, welche ausreichende 300 Mark einbrachte.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 25</ref> Wegen des großen Erfolges des Vereins erbaute sich dieser dann 1893 bis 1894 eine eigene [[Sporthalle Am Alten Siel|Sporthalle]] [[Am Alten Siel]]. Am 15. April 1894 wurde die Turnhalle mit einer großen Feier eingeweiht.<ref name=":1" /><ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 26</ref>
 
Seit ihrer Gründung war der Verein vor allem bürgerlich-kaisertreu geprägt, weshalb sich 1903 die [[Freie Turnerschaft|''Freie Turnerschaft'']] als Alternative gründete.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 13</ref> Nichtsdestotrotz wuchs der Verein weiter und konnte sich im gleichen Jahr über eine Schenkung über 10.000 Mark aus dem Nachlass des jüngst verstorbenen [[Hildebrand ten Doornkaat Koolman]] freuen, das gemäß seines letzten Willens der Instandhaltung und Neunanschaffung von Geräten sowie dem jährlichen Kommers (Beisammensein) dienen sollte.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 65</ref><ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 27</ref>
 
Ein Höhepunkt bildete das Jahr 1907, als die Norder Turner ein großes Turnfest auf dem [[Torfmarkt]] abhielten und ihn in einen großen ''Turnplatz'' verwandelten. Im selben Jahr gründete sich eine Frauenabteilung, obgleich der Frauensport seinerzeit noch relativ verpönt war.<ref name=":1" /> Drei Jahre später, 1910, wurde der Vorplatz der Turnhalle zu einem Turnplatz umgestaltet. An den Kosten beteiligte sich diesmal sogar der Oberpräsident in Hannover.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 33</ref> Anders als die Herrenabteilung konnte die Damenabteilung ihre Aktivitäten während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] fortsetzen.<ref name=":1" /> Spätestens in dieser Zeit dürfte sich der Name des Vereins von ''Männer-Turn-Verein zu Norden'' in ''Turnverein Norden'' geändert haben.
 
Mit der Eingemeindung der [[Sandbauerschaft]] in die [[Stadt Norden]] wuchsen Fläche und Einwohnerzahl beträchtlich. Dadurch ergaben sich auch neue Freiflächen für die Anlage von Sport- und Spielplätzen. Die Stadt erteilte diesem Ansinnen jedoch eine Absage und begründete dies darin, dass wegen der Lebensmittelnot zurzeit alle Freiflächen für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte dienen müssen.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 35</ref> Im Frühjahr 1921 stellte der Verein einen Stein für die gefallenen Mitglieder des Ersten Weltkriegs neben der Turnhalle auf. Ursprünglich war geplant, diesen auf dem [[Blücherplatz]] aufzustellen, doch wurde dies von der Stadt abgelehnt.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 37</ref> Der Stein bzw. das Denkmal befindet sich noch heute dort.
 
1932 hatte der Verein dann 400 Mitglieder.<ref name=":1" /> Bis zur Untersagung durch die nationalsozialistischen Machthaber gestattete der Norder Turnverein es der [[Jüdische Schule|jüdischen Schule]], die Sporthalle für ihren Schulsport zu nutzen.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 7. April 2021</ref> Während der nationalsozialistischen Gleichschaltung der deutschen Vereine wurde dem NTV der bis dahin eigenständige Fußballverein [[SC 30 Norden]] angegliedert. Der Turnverein unterstand dabei dem ''Reichsbund für Leibesübungen.''<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5</ref> Ab November 1936 mussten alle 10 bis 14 Jahre alten Mitglieder aus dem Verein entlassen werde, da diese für die [[Hitlerjugend]] (HJ) sowie den Bund Deutscher Mädel (BDM) verpflichtet wurden. Letzterer benutzte ab Frühjahr 1937 auch die Sielturnhalle für eigene Zwecke.<ref name=":4">Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 39</ref>
 
Anlässlich des Turn- und Sportfestes in Breslau erhielt der Verein 1938 eine neue Fahne.<ref name=":4" /> Im Januar 1939 wurde die Turnhalle des Vereins dann von den Behörde beschlagnahmt und zur Getreidebevorratung genutzt. Auf großen Protest des Vereins wurde die Halle im März 1940 wieder geräumt. Für die erforderlich gewordenen Reparaturen leistete die verantwortliche Emder Lagerhausgesellschaft erst nach längerem Verhandeln einen Kostenzuschuss. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die Halle wieder zu Lagerzwecken genutzt wurde. Offenbar überließ der Verein dem staatlichen Versorgungsamt die Halle spätestens seit Dezember 1942 langfristig zur Lagerung von Kartoffeln und anderen Lebensmitteln gegen Zahlung einer Miete.<ref name=":5">Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 41</ref>
 
Nach Kriegsende wurde der Verein durch die britische Militärregierung aufgelöst, da er - wenn auch gezwungermaßen - dem nationalsozialistischen Reichsbund (siehe oben) angehörte. Doch schon wenige Monate später wurde der Verein mithilfe von Mitgliedern des erst im August 1945 gegründeten [[FC Norden]] unter dem neuem Namen ''Norder Turnverein'' (kurz: ''NTV'') neu gegründet. Unter dem Dach des NTV wurde sodann eine Handballsparte gegründet. Am 28. Mai 1946 wurde erstmals wieder in der Halle geturnt.<ref name=":5" /> Im Herbst 1949 wurde die Handballsparte in den FC Norden integriert, da der NTV sich durch ihre Existenz finanziell zu sehr belastet sah.<ref name=":0">[https://fc-norden.de/geschichte_handball/ Geschichte der Handballsparte des FC Norden], abgerufen am 15. August 2021</ref> Eine angedachte Fusion beider Vereine kam nicht zustande.<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 7</ref>
 
Am 2. Januar 1952 gründete sich im Verein eine Sparte für das Fechten. Diese hatte nach dem Tod des Spartenleiters 1971 nicht mehr lange Bestand und konnte erst 1975 zum ''neuen Leben erweckt'' werden.<ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 37</ref> Zum Jubiläumsjahr 1986 verzeichnete der Verein gut 1.500 Mitglieder, von denen 900 Jugendliche waren.<ref>Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 8</ref> Noch heute ist der NTV der größte Verein in Norden.
 
==Vorsitzende==
*1936: [[Heinrich Vriesenga]]
*1938: [[Julius Albers]]
*1939: [[Egon Schulz]]
*1943: [[Julius Albers]], nachdem Egon Schulz verstarb
*1946: [[Julius Albers]]
*1947: [[Karl Gerdes]]
*1955: [[Hans Carstens]]
*1957: [[Karl Gerdes]], nachdem Hans Carstens verstarb
*1960: [[Karl Graver]]
*1961: [[Georg Zicke]]
*1977: [[Alfred Pöttke]]
*1980: [[Hans-Günther Rabe]]
 
==Sonstiges==
Gemäß Satzung verpflichtet sich der Verein der ''Pflege und Förderung des Sportes in seiner Gesamtheit''. So ist es nicht verwunderlich, dass der Norder Turnverein ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Sportarten anbietet.<ref>[http://www.norder-tv.de/ Internetseite des Norder Turnvereins], abgerufen am 7. April 2021</ref> Insbesondere die Leichtathletik-Abteilung kann auf große Erfolge zurückblicken und stellte in den vergangenen Jahrzehnte eine große Zahl von Titelträgern bei norddeutschen und deutschen Titelkämpfen gestellt. 
 
==''Norder Schwalben''==
In den Jahren 1948 und 1949 formierte sich eine Turn-, Tanz- und Ballettgruppe aus weiblichen Mitgliedern des Norder Turnvereins, der [[Freie Turnerschaft|Freien Turnerschaft]] sowie dem [[Radfahrverein Solidarität]].<ref name=":2" /><ref name=":3">Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 17</ref> Ab 1952 nannte sich diese Gruppe ''Norder Schwalben''.<ref name=":2">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 47</ref> Die Gruppe war insbesondere auch für ihre Kunststücke, bei denen sie Rollschuhe trugen, bekannt und löste sich um 1960 - trotz großer Erfolge - auf.<ref name=":3" />
 
==Literatur==
*Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, Eigenverlag


Bis zu ihrer durch die Verfolgung durch der Nationalsozialisten bedingten Auflösung, gestattete der Norder Turnverein es der [[Jüdische Schule|jüdischen Schule]], die Sporthalle für ihren Schulsport zu nutzen.<ref>[https://web.archive.org/web/20160807044136/https://www.norden.de/media/custom/512_4970_1.PDF?1452781848 Ein Rundgang durch Norden], abgerufen am 7. April 2021</ref>
==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references/>
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Feuerwehr Norden]]
*[[FC Fresena]]
*[[Sporthalle Am Alten Siel]]
*[[Freie Turnerschaft]]
*[[Rudolf Ites]]


[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]

Aktuelle Version vom 11. Juli 2024, 11:49 Uhr

Norder Turnverein von 1861 e.V.

Basisdaten
Gründung 20. April 1861 (offiziell)

14. Oktober 1882 (Neugründung)

Auflösung -
Rechtsform eingetragener Verein (e.V.)
Hauptsitz Am Alten Siel 5

26506 Norden

Der Norder Turnverein e.V. (offiziell: Norder Turnverein von 1861 e.V.; kurz: NTV; ursprünglich: Männer-Turn-Verein zu Norden, danach: Turnverein Norden) ist der älteste Turn- bzw. Sportverein der Stadt. Er bezeichnet sich daher selbst auch als "Wiege und Wegbereiter des Sports in unserer Region".

Der Verein hat seinen Hauptsitz seit 1894 in der Sporthalle Am Alten Siel, die einzelnen Sparten trainieren jedoch über das Stadtgebiet verteilt, vor allem beim Sportzentrum Wildbahn.

Geschichte

Möglicherweise gab es bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts einen Turnverein in Norden. Sicher ist jedoch, dass das erst 1807 durch Turnvater Friedrich Ludwig Jahn eingeführte Turnen in Deutschland Anfang 1820 verboten wurde, da die von ihm begründete Turnbewegung neben körperlicher Ertüchtigung auch einen deutschen Nationalstaat anstrebte und den Herrschern der unzähligen kleinen deutschen Staaten daher als staatsfeindlich galt. Erst nach der deutschen Revolution 1848 wurde dieses Verbot allumfassend aufgehoben, größtenteils jedoch auf öffentlichen Druck schon ab 1842.

Denkmal für die in beiden Weltkriegen gefallenen und vermissten Mitglieder des Turnvereins neben der Sielturnhalle.

Im April 1861 kam es schließlich zur Gründung des Männer-Turn-Verein zu Norden.[1][2] Dieses Jahr wird vom Verein allgemein als das Gründungsjahr angenommen, wobei lange Jahre der urkundliche Nachweis fehlte, welcher erst durch eine Akte aus dem Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich gesichert werden konnte.[3] Am 20. April des Jahres wurden die Statuen des Vereins aufgestellt, weshalb dieser Tag als Gründungstag angenommen werden kann.[4] Die ersten Vereinsführer waren der angesehene Rechtsanwalt Folkmar Franzius und Bürgermeister Taaks. Geturnt wurde auf einem freien Grundstück an der De-Vries-Passage, bei schlechtem Wetter in einer dort befindlichen Scheune. 1863 löste sich der Verein aus ungeklärten Gründen jedoch bereits wieder auf.[2] Es wird vermutet, dass die Auflösung behördlich verfügt wurde, nachdem sich der Verein freundschaftlich über das damals zu Dänemark gehörende Schleswig-Holstein geäußert hatte, welches das Königreich Preußen im Deutsch-dänischen Krieg 1864 (zurück-)eroberten.[5]

Erst 1882 kam es zur Neugründung des Vereins. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Ackerbauschul-Lehrer Th. Arjes gewählt.[2][6] Als Übungsort diente der Harm'sche Saal an der Osterstraße.[2] 1886 waren Mitglieder maßgeblich an der Gründung der Norder Feuerwehr beteiligt. Viele der ersten Mitglieder entstammten den Reihen des Norder Turnvereins. Verwunderlich ist dies in Anbetracht der konditionellen Anforderungen an Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht.[7] Im gleichen Jahr durfte der Verein mit Genehmigung des Magistrats eine Spendensammlung zur Anschaffung einer Vereinsfahne durchführen, welche ausreichende 300 Mark einbrachte.[8] Wegen des großen Erfolges des Vereins erbaute sich dieser dann 1893 bis 1894 eine eigene Sporthalle Am Alten Siel. Am 15. April 1894 wurde die Turnhalle mit einer großen Feier eingeweiht.[2][9]

Seit ihrer Gründung war der Verein vor allem bürgerlich-kaisertreu geprägt, weshalb sich 1903 die Freie Turnerschaft als Alternative gründete.[10] Nichtsdestotrotz wuchs der Verein weiter und konnte sich im gleichen Jahr über eine Schenkung über 10.000 Mark aus dem Nachlass des jüngst verstorbenen Hildebrand ten Doornkaat Koolman freuen, das gemäß seines letzten Willens der Instandhaltung und Neunanschaffung von Geräten sowie dem jährlichen Kommers (Beisammensein) dienen sollte.[11][12]

Ein Höhepunkt bildete das Jahr 1907, als die Norder Turner ein großes Turnfest auf dem Torfmarkt abhielten und ihn in einen großen Turnplatz verwandelten. Im selben Jahr gründete sich eine Frauenabteilung, obgleich der Frauensport seinerzeit noch relativ verpönt war.[2] Drei Jahre später, 1910, wurde der Vorplatz der Turnhalle zu einem Turnplatz umgestaltet. An den Kosten beteiligte sich diesmal sogar der Oberpräsident in Hannover.[13] Anders als die Herrenabteilung konnte die Damenabteilung ihre Aktivitäten während des Ersten Weltkriegs fortsetzen.[2] Spätestens in dieser Zeit dürfte sich der Name des Vereins von Männer-Turn-Verein zu Norden in Turnverein Norden geändert haben.

Mit der Eingemeindung der Sandbauerschaft in die Stadt Norden wuchsen Fläche und Einwohnerzahl beträchtlich. Dadurch ergaben sich auch neue Freiflächen für die Anlage von Sport- und Spielplätzen. Die Stadt erteilte diesem Ansinnen jedoch eine Absage und begründete dies darin, dass wegen der Lebensmittelnot zurzeit alle Freiflächen für den Anbau landwirtschaftlicher Produkte dienen müssen.[14] Im Frühjahr 1921 stellte der Verein einen Stein für die gefallenen Mitglieder des Ersten Weltkriegs neben der Turnhalle auf. Ursprünglich war geplant, diesen auf dem Blücherplatz aufzustellen, doch wurde dies von der Stadt abgelehnt.[15] Der Stein bzw. das Denkmal befindet sich noch heute dort.

1932 hatte der Verein dann 400 Mitglieder.[2] Bis zur Untersagung durch die nationalsozialistischen Machthaber gestattete der Norder Turnverein es der jüdischen Schule, die Sporthalle für ihren Schulsport zu nutzen.[16] Während der nationalsozialistischen Gleichschaltung der deutschen Vereine wurde dem NTV der bis dahin eigenständige Fußballverein SC 30 Norden angegliedert. Der Turnverein unterstand dabei dem Reichsbund für Leibesübungen.[17] Ab November 1936 mussten alle 10 bis 14 Jahre alten Mitglieder aus dem Verein entlassen werde, da diese für die Hitlerjugend (HJ) sowie den Bund Deutscher Mädel (BDM) verpflichtet wurden. Letzterer benutzte ab Frühjahr 1937 auch die Sielturnhalle für eigene Zwecke.[18]

Anlässlich des Turn- und Sportfestes in Breslau erhielt der Verein 1938 eine neue Fahne.[18] Im Januar 1939 wurde die Turnhalle des Vereins dann von den Behörde beschlagnahmt und zur Getreidebevorratung genutzt. Auf großen Protest des Vereins wurde die Halle im März 1940 wieder geräumt. Für die erforderlich gewordenen Reparaturen leistete die verantwortliche Emder Lagerhausgesellschaft erst nach längerem Verhandeln einen Kostenzuschuss. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die Halle wieder zu Lagerzwecken genutzt wurde. Offenbar überließ der Verein dem staatlichen Versorgungsamt die Halle spätestens seit Dezember 1942 langfristig zur Lagerung von Kartoffeln und anderen Lebensmitteln gegen Zahlung einer Miete.[19]

Nach Kriegsende wurde der Verein durch die britische Militärregierung aufgelöst, da er - wenn auch gezwungermaßen - dem nationalsozialistischen Reichsbund (siehe oben) angehörte. Doch schon wenige Monate später wurde der Verein mithilfe von Mitgliedern des erst im August 1945 gegründeten FC Norden unter dem neuem Namen Norder Turnverein (kurz: NTV) neu gegründet. Unter dem Dach des NTV wurde sodann eine Handballsparte gegründet. Am 28. Mai 1946 wurde erstmals wieder in der Halle geturnt.[19] Im Herbst 1949 wurde die Handballsparte in den FC Norden integriert, da der NTV sich durch ihre Existenz finanziell zu sehr belastet sah.[20] Eine angedachte Fusion beider Vereine kam nicht zustande.[21]

Am 2. Januar 1952 gründete sich im Verein eine Sparte für das Fechten. Diese hatte nach dem Tod des Spartenleiters 1971 nicht mehr lange Bestand und konnte erst 1975 zum neuen Leben erweckt werden.[22] Zum Jubiläumsjahr 1986 verzeichnete der Verein gut 1.500 Mitglieder, von denen 900 Jugendliche waren.[23] Noch heute ist der NTV der größte Verein in Norden.

Vorsitzende

Sonstiges

Gemäß Satzung verpflichtet sich der Verein der Pflege und Förderung des Sportes in seiner Gesamtheit. So ist es nicht verwunderlich, dass der Norder Turnverein ein sehr breites Spektrum an unterschiedlichen Sportarten anbietet.[24] Insbesondere die Leichtathletik-Abteilung kann auf große Erfolge zurückblicken und stellte in den vergangenen Jahrzehnte eine große Zahl von Titelträgern bei norddeutschen und deutschen Titelkämpfen gestellt.

Norder Schwalben

In den Jahren 1948 und 1949 formierte sich eine Turn-, Tanz- und Ballettgruppe aus weiblichen Mitgliedern des Norder Turnvereins, der Freien Turnerschaft sowie dem Radfahrverein Solidarität.[25][26] Ab 1952 nannte sich diese Gruppe Norder Schwalben.[25] Die Gruppe war insbesondere auch für ihre Kunststücke, bei denen sie Rollschuhe trugen, bekannt und löste sich um 1960 - trotz großer Erfolge - auf.[26]

Literatur

  • Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, Eigenverlag

Einzelnachweise

  1. Beschreibung von Norden in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5
  3. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 17
  4. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 15
  5. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 21
  6. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 23f.
  7. Archiv der Feuerwehr Norden
  8. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 25
  9. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 26
  10. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 13
  11. Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 65
  12. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 27
  13. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 33
  14. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 35
  15. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 37
  16. Ein Rundgang durch Norden, abgerufen am 7. April 2021
  17. Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5
  18. 18,0 18,1 Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 39
  19. 19,0 19,1 Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 41
  20. Geschichte der Handballsparte des FC Norden, abgerufen am 15. August 2021
  21. Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 7
  22. Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 37
  23. Norder Turnverein (1986): 125 Jahre Norder Turnverein (Festschrift), Norden, S. 8
  24. Internetseite des Norder Turnvereins, abgerufen am 7. April 2021
  25. 25,0 25,1 Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 47
  26. 26,0 26,1 Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 17

Siehe auch