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Die '''Aktiengesellschaft''' '''Reederei Frisia''' ist die größte Norder Reederei. Sie hat ihren juristischen Sitz auf Norderney, verfügt jedoch über einen großen Nebensitz in Norddeich, unmittelbar am [[Mole Norddeich|Molenkopf]]. Neben ihrem Kerngeschäft, dem regulären Personen-, Fahrzeug- und Güterverkehr, betreibt die Reederei auch einen [[Flugplatz]] und ist an der Versorgung der Offshore-Windparks in der Nordsee beteiligt. | |||
Die '''Reederei Frisia''' ist die größte Norder Reederei. Sie hat ihren juristischen Sitz auf Norderney, verfügt jedoch über einen großen Nebensitz in Norddeich, unmittelbar am [[Mole Norddeich|Molenkopf]]. Neben ihrem Kerngeschäft, dem regulären Personen-, Fahrzeug- und Güterverkehr, betreibt die Reederei auch einen [[Flugplatz]] und ist an der Versorgung der Offshore-Windparks in der Nordsee beteiligt. | __TOC__ | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Nachdem Norderney durch den Adel und die gehobenen Bevölkerungsschichten als Ausflugsziel für die | Nachdem Norderney durch den Adel und die gehobenen Bevölkerungsschichten als Ausflugsziel für die ''Sommerfrische'' entdeckt wurde, erhielt die Insel 1797 als erste den Titel eines deutschen Nordseebades. Trotz dieses für den Fremdenverkehr äußerst prestigeträchtigen Titels blieb der große Andrang aus, denn die Anreise gestaltete sich nach wie vor schwierig. Schiffe legten nur von Bremen und Hamburg ab und erreichten Norderney manchmal erst nach Tagen und nur über die Insel Helgoland. | ||
Ab 1843 wurde Norderney auch von Emden und Leer aus mit großen Dampfschiffen angefahren. Die von [[Norddeich]] ablegenden Schiffe waren bis dato reine Segelschiffe, die wenig komfortabel und daher völlig ungeeignet für die betuchten Herrschaften waren, die Norderney zu besuchen planten. Zudem waren die Segelschiffe von geeigneten Witterungsverhältnissen abhängig. | Ab 1843 wurde Norderney auch von Emden und Leer aus mit großen Dampfschiffen angefahren. Die von [[Norddeich]] ablegenden Schiffe waren bis dato reine Segelschiffe, die wenig komfortabel und daher völlig ungeeignet für die betuchten Herrschaften waren, die Norderney zu besuchen planten. Zudem waren die Segelschiffe von geeigneten Witterungsverhältnissen abhängig. | ||
Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die | Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die ''Dampfschiffsrhederei Norden'' zu gründen, um einen regulären Schiffsverkehr mit geeigneten Schiffen zu gewährleisten. 1872 wurde das erste Dampfschiff in Dienst gestellt. Als Anleger diente eine befestigte Landungsbrücke, die sogenannte ''Schlenge''. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten namhafte Persönlichkeiten wie der Norder Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]], der Brauereibesitzer [[Hermann ten Doornkaat Koolman]], der Zichorienfabrikant [[Enno Oldewurtel]], der Humanmediziner [[Ernst Kruse|Dr. Ernst Kruse]] sowie der wohlhabende Kaufmann und Großgrundbesitzer [[Sicco Theodor van Hülst]].<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 160</ref><ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Christian_Carl_Kruse Wikipedia-Artikel zu Ernst Christian Carl Kruse], abgerufen am 31. Juli 2024</ref> | ||
Aufgrund anfänglicher Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffsverkehrs, insbesondere durch strenge Winter und einer damit einhergehenden Vereisung der Fahrrinnen, kam Unmut bei den Norderneyern auf. Diese gründeten daraufhin im Jahr 1893 die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit''. Nach einem scharfen Konkurrenzkampf entschieden sich beide Unternehmen zu einer Zusammenarbeit. Probleme bereitete auch der Transport der Fährgäste vom [[Alter Bahnhof Norden|Norder Bahnhof]] zum Fähranleger, da die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] bis 1893 nur bis nach Norden reichte und erst danach bis nach Norddeich ausgebaut wurde. Zuvor mussten die Fahrgäste aufgrund der wenigen Verbindungen oftmals nach der langen Zugreise in einem der zahlreichen Norder Gasthäuser übernachten. Nach dem Ausbau der Bahnstrecke setzte die Reederei dann ausrangierte Linienwagen ein, die von einer Speditionsfirma in Bremen angekauft wurden.<ref name=":1" /> | |||
[[Datei:Reederei Frisia Schiff unbekanntes Datum eventuell um 1910.jpg|mini|Undatierte Aufnahme eines Dampfschiffs der Reederei.]] | |||
1906 entbrannte der Konkurrenzkampf erneut, als die ''Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia'' ihren Betrieb aufnahm. Nachdem die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit'' liquidiert wurde, schlossen sich die ''Dampfschiffsrhederei Norden'' und die ''Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia'' zusammen und bildeten ab 1909 eine Betriebsgemeinschaft, die schließlich 1917 in der ''Aktiengesellschaft Reederei Norden-Frisia'' aufging. 1920 wurde die ''Reederei Juist'' übernommen. 1922 wurde die erste Motoren- und Maschinenwerkstatt erworben und der Fuhrpark erweitert. Den [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] überstand die Reederei relativ glimpflich, nur eins der neun damals eingesetzten Schiffe wurde im Kattegat von der Entente versenkt, ein weiteres Schiff musste 1919 ausgemustert werden.<ref name=":0">Ostfriesischer Kurier vom 31. Juli 2021, S. 3</ref> Während des Kriegs schickte die Reederei die Frisia II auf Fischfang, um der sich verschärfenden Nahrungsmittelknappheit zu begegnen.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 168</ref> | |||
1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach [[Norddeich]], weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.<ref name=":0" /> | |||
Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.<ref name=":2" />[[Datei:Norddeich Reederei Frisia Schiff Boot um 1930 01.JPG|mini|242x242px|Ein Kapitän der Reederei begrüßt ankommende Passagiere an Bord seines Schiffes (um 1930).]]1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am Molenkopf. 1969 erweiterte sie ihr Angebotsspektrum um den Luftverkehr. Hierfür errichtete sie einen [[Flugplatz]] am [[Westerlooger Strohweg]]. Ein Jahr später wurde das Tochterunternehmen ''Frisia Luftverkehrs GmbH'' gegründet, die den Flugplatz und -verkehr seitdem betreibt. 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet. Die Fahrzeuge mussten nun nicht mehr per Kran auf die Schiffe gehievt werden, sondern konnte die Fähren direkt befahren.<ref name=":0" /> | |||
Im Laufe der 1980er Jahre ließ die Reederei die gesamte Flotte erneuern oder umbauen und Mitte der 1990er Jahre abermals modernisieren. Mit der Frisia IV stellte das Unternehmen im April 2002 erstmals eine Doppelendfähre in Dienst. Diese brauchte im Hafen nicht mehr zu wenden und konnte in beide Richtungen fahren. | |||
Am 11. März 2003 wurde die Frisia VIII an die Reederei Coonatramar in Puntarenas, Costa Rica, verkauft und überführt. Die rund 5600 Seemeilen lange Überführungsfahrt von der Nordsee über Atlantik (via Gran Canaria) legte das Schiff aus eigener Kraft inklusive einer zweitägigen Wartezeit am Panamakanal in 28 Tagen zurück. Dafür wurde das Schiff, welches mit geringem Tiefgang für flache Seegebiete ohne hohe Wellen gebaut worden war, in Hamburg umgebaut. Dabei wurden zusätzliche Treibstofftanks auf der Ladefläche befestigt und die Bullaugen über der Wasserlinie zugeschweißt. In Costa Rica fährt die ehemalige Frisia VIII seitdem unter dem Namen ''San Lucas II''. | |||
Seit 1998 wickelte die AG Reederei Norden-Frisia für die Gemeinde Norderney die Abführung der Kurtaxe eines jeden Inselbesuchers, der die Fährüberfahrt von Norddeich-Mole nach Norderney in Anspruch nimmt, durch unabdingbare Kombination des Fährtickets mit der Kurkarte (NorderneyCard) ab. Damit ist ein Inselbesuch mit einer Frisia-Fähre – unabhängig von der Inanspruchnahme von Kurleistungen – ohne Entrichtung der Kurabgabe nicht mehr möglich. Einige Jahre später wurde dies auch für Juist umgesetzt. | |||
2009 errichtete die Reederei den großen [[Inselparkplatz]] an der [[Umgehungsstraße]]. Hierdurch erwirtschaftet das Unternehmen einen nicht unerheblichen Teil seiner Einnahmen. | |||
Mit dem 2018 gegründeten [[Töwerland Express]] erhielt die Frisia erstmals seit über 100 Jahren erstmals wieder Konkurrenz. Die neue Firma nutzte eine Lücke in der Passagierbeförderung per Schiff nach Juist. Aufgrund niedrigen Fahrwassers konnte die Reederei Frisia mit ihren großen Schiffen und deren zu großem Tiefgangs die Insel nur ein bis maximal zwei Mal am Tag ansteuern. Besucher, die außerhalb dieser geringen Fahrtzeiten nach Juist wollten, mussten ein kostenintensives Flugticket erwerben. Der Töwerland Express jedoch setzte auf kleine Schnellboote, die auch bei Niedrigwasser fahren konnten. Preislich lagen die Tickets zwischen einem normalen Fährticket und einem Flugticket. Diesen Umstand ließ sich die Reederei Frisia nicht lange gefallen und erwarb im Sommer 2020 ebenfalls eine Schnellfähre, die vom Tochterunternehmen ''Cassen-Tours GmbH'' betrieben wird. Die Schnellfähre ''Inselexpress 1'' besteht aus Aluminium und bietet Platz für maximal elf Passagiere.<ref>Jann, Timo (2020): Norden-Frisia mit Inselexpress. Aluminiumboote für elf Passagiere kommen von und nach Juist zum Einsatz. In: Täglicher Hafenbericht vom 21. Juli 2020, S. 3</ref> | |||
Seit 2018 betreibt die Reederei auch eine Versorgungslinie für den Offshore-Bereich. 2021 feierte sie ihr 150-jähriges Bestehen. | |||
==Katamaran== | |||
Eine 1999 gestartete, eigene Katamaran-Schnelllinie wurde 2006 wieder eingestellt, da die Betriebskosten sich als zu hoch erwiesen.<ref name=":0" /> | |||
==Galerie== | |||
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Datei:Norddeich Frisia Kutter unbekanntes Datum 01.jpg|Unbekanntes Datum. | |||
Datei:Frisia um 1920 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1920. | |||
Datei:Norddeich um 1925.jpg|Ein ablegendes Schiff der Reederei, vermutlich in der Zeit um 1925. | |||
Datei:Frisia I um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930. | |||
Datei:Frisia II um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930. | |||
Datei:Frisia X um 1935 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1935. | |||
Datei:Norddeich Hafen Reederei Schiff läuft ein 1956.jpg|Eine Fähre fährt in den [[Norddeicher Hafen|Hafen]] ein (1956). | |||
Datei:Norddeich Hafen neue Frisia II 1956.JPG|Die ''Frisia II'' im Jahre 1956. | |||
Datei:Norddeich Reederei Frisia IX 1956.jpg|Die ''Frisia IX'' im Jahre 1956. | |||
Datei:Norddeich Wiesenparkplatz 1956.jpg|Der ''Wiesenparkplatz'' der Reederei im Jahre 1956. | |||
Datei:Norddeich Frisia I Beladung August 1960.JPG|Beladung der ''Frisia I'' im August 1960. | |||
Datei:Norddeich Hafen Fähre Frisia V 01 08 1969 01.JPG|Die ''Frisia V'' am 1. August 1969. | |||
Datei:Norddeich Hafen Fähre Frisia V 01 08 1969 02.JPG|Die ''Frisia V'' am 1. August 1969. | |||
Datei:Norddeich Hafen Frisia Autofähre Autotransport 03 01 1963.jpg|Beladung einer Autofähre am 3. Januar 1963. | |||
Datei:Norddeich Abfahrt Frisia Fähre 03 01 1963.JPG|Abfahrt einer Frisia-Fähre, aufgenommen am 3. Januar 1963. | |||
Datei:Frisia um 1970 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1970. | |||
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==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
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==Quellenverzeichnis== | ==Quellenverzeichnis== | ||
* | * Andryszak, Peter (2009): Frisia: Offshore Versorgung. In: Deutsche Seeschifffahrt, S. 12–17 | ||
* [https://www.reederei-frisia.de/ Internetseite der Reederei Frisia], abgerufen am 22. Februar 2021 | |||
* Schiffsdatenbank der Reederei Frisia | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
*[[Flugplatz]] | *[[Flugplatz]] | ||
*[[Töwerland Express]] | |||
[[Kategorie:Gewerbe im Stadtgebiet]] | [[Kategorie:Gewerbe im Stadtgebiet]] | ||
[[Kategorie:Norddeich]] | [[Kategorie:Norddeich]] | ||
Aktuelle Version vom 31. Juli 2024, 09:56 Uhr
Reederei Frisia | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Gründung | 1871 (seit 1917 als AG) |
| Auflösung | - |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft (AG) |
| Hauptsitz | Mole Norddeich 1
26506 Norden |
Die Aktiengesellschaft Reederei Frisia ist die größte Norder Reederei. Sie hat ihren juristischen Sitz auf Norderney, verfügt jedoch über einen großen Nebensitz in Norddeich, unmittelbar am Molenkopf. Neben ihrem Kerngeschäft, dem regulären Personen-, Fahrzeug- und Güterverkehr, betreibt die Reederei auch einen Flugplatz und ist an der Versorgung der Offshore-Windparks in der Nordsee beteiligt.
Geschichte
Nachdem Norderney durch den Adel und die gehobenen Bevölkerungsschichten als Ausflugsziel für die Sommerfrische entdeckt wurde, erhielt die Insel 1797 als erste den Titel eines deutschen Nordseebades. Trotz dieses für den Fremdenverkehr äußerst prestigeträchtigen Titels blieb der große Andrang aus, denn die Anreise gestaltete sich nach wie vor schwierig. Schiffe legten nur von Bremen und Hamburg ab und erreichten Norderney manchmal erst nach Tagen und nur über die Insel Helgoland.
Ab 1843 wurde Norderney auch von Emden und Leer aus mit großen Dampfschiffen angefahren. Die von Norddeich ablegenden Schiffe waren bis dato reine Segelschiffe, die wenig komfortabel und daher völlig ungeeignet für die betuchten Herrschaften waren, die Norderney zu besuchen planten. Zudem waren die Segelschiffe von geeigneten Witterungsverhältnissen abhängig.
Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die Dampfschiffsrhederei Norden zu gründen, um einen regulären Schiffsverkehr mit geeigneten Schiffen zu gewährleisten. 1872 wurde das erste Dampfschiff in Dienst gestellt. Als Anleger diente eine befestigte Landungsbrücke, die sogenannte Schlenge. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten namhafte Persönlichkeiten wie der Norder Bürgermeister Johann Hillern Taaks, der Brauereibesitzer Hermann ten Doornkaat Koolman, der Zichorienfabrikant Enno Oldewurtel, der Humanmediziner Dr. Ernst Kruse sowie der wohlhabende Kaufmann und Großgrundbesitzer Sicco Theodor van Hülst.[1][2]
Aufgrund anfänglicher Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffsverkehrs, insbesondere durch strenge Winter und einer damit einhergehenden Vereisung der Fahrrinnen, kam Unmut bei den Norderneyern auf. Diese gründeten daraufhin im Jahr 1893 die Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit. Nach einem scharfen Konkurrenzkampf entschieden sich beide Unternehmen zu einer Zusammenarbeit. Probleme bereitete auch der Transport der Fährgäste vom Norder Bahnhof zum Fähranleger, da die Bahnstrecke bis 1893 nur bis nach Norden reichte und erst danach bis nach Norddeich ausgebaut wurde. Zuvor mussten die Fahrgäste aufgrund der wenigen Verbindungen oftmals nach der langen Zugreise in einem der zahlreichen Norder Gasthäuser übernachten. Nach dem Ausbau der Bahnstrecke setzte die Reederei dann ausrangierte Linienwagen ein, die von einer Speditionsfirma in Bremen angekauft wurden.[1]

1906 entbrannte der Konkurrenzkampf erneut, als die Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia ihren Betrieb aufnahm. Nachdem die Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit liquidiert wurde, schlossen sich die Dampfschiffsrhederei Norden und die Neue Dampfschiffs-Reederei Frisia zusammen und bildeten ab 1909 eine Betriebsgemeinschaft, die schließlich 1917 in der Aktiengesellschaft Reederei Norden-Frisia aufging. 1920 wurde die Reederei Juist übernommen. 1922 wurde die erste Motoren- und Maschinenwerkstatt erworben und der Fuhrpark erweitert. Den Ersten Weltkrieg überstand die Reederei relativ glimpflich, nur eins der neun damals eingesetzten Schiffe wurde im Kattegat von der Entente versenkt, ein weiteres Schiff musste 1919 ausgemustert werden.[3] Während des Kriegs schickte die Reederei die Frisia II auf Fischfang, um der sich verschärfenden Nahrungsmittelknappheit zu begegnen.[4]
1923 trat Carl Stegmann in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die Carl-Stegmann-Straße nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach Norddeich, weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.[3]
Bis zum Zweiten Weltkrieg verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.[4]
1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am Molenkopf. 1969 erweiterte sie ihr Angebotsspektrum um den Luftverkehr. Hierfür errichtete sie einen Flugplatz am Westerlooger Strohweg. Ein Jahr später wurde das Tochterunternehmen Frisia Luftverkehrs GmbH gegründet, die den Flugplatz und -verkehr seitdem betreibt. 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet. Die Fahrzeuge mussten nun nicht mehr per Kran auf die Schiffe gehievt werden, sondern konnte die Fähren direkt befahren.[3]
Im Laufe der 1980er Jahre ließ die Reederei die gesamte Flotte erneuern oder umbauen und Mitte der 1990er Jahre abermals modernisieren. Mit der Frisia IV stellte das Unternehmen im April 2002 erstmals eine Doppelendfähre in Dienst. Diese brauchte im Hafen nicht mehr zu wenden und konnte in beide Richtungen fahren.
Am 11. März 2003 wurde die Frisia VIII an die Reederei Coonatramar in Puntarenas, Costa Rica, verkauft und überführt. Die rund 5600 Seemeilen lange Überführungsfahrt von der Nordsee über Atlantik (via Gran Canaria) legte das Schiff aus eigener Kraft inklusive einer zweitägigen Wartezeit am Panamakanal in 28 Tagen zurück. Dafür wurde das Schiff, welches mit geringem Tiefgang für flache Seegebiete ohne hohe Wellen gebaut worden war, in Hamburg umgebaut. Dabei wurden zusätzliche Treibstofftanks auf der Ladefläche befestigt und die Bullaugen über der Wasserlinie zugeschweißt. In Costa Rica fährt die ehemalige Frisia VIII seitdem unter dem Namen San Lucas II.
Seit 1998 wickelte die AG Reederei Norden-Frisia für die Gemeinde Norderney die Abführung der Kurtaxe eines jeden Inselbesuchers, der die Fährüberfahrt von Norddeich-Mole nach Norderney in Anspruch nimmt, durch unabdingbare Kombination des Fährtickets mit der Kurkarte (NorderneyCard) ab. Damit ist ein Inselbesuch mit einer Frisia-Fähre – unabhängig von der Inanspruchnahme von Kurleistungen – ohne Entrichtung der Kurabgabe nicht mehr möglich. Einige Jahre später wurde dies auch für Juist umgesetzt.
2009 errichtete die Reederei den großen Inselparkplatz an der Umgehungsstraße. Hierdurch erwirtschaftet das Unternehmen einen nicht unerheblichen Teil seiner Einnahmen.
Mit dem 2018 gegründeten Töwerland Express erhielt die Frisia erstmals seit über 100 Jahren erstmals wieder Konkurrenz. Die neue Firma nutzte eine Lücke in der Passagierbeförderung per Schiff nach Juist. Aufgrund niedrigen Fahrwassers konnte die Reederei Frisia mit ihren großen Schiffen und deren zu großem Tiefgangs die Insel nur ein bis maximal zwei Mal am Tag ansteuern. Besucher, die außerhalb dieser geringen Fahrtzeiten nach Juist wollten, mussten ein kostenintensives Flugticket erwerben. Der Töwerland Express jedoch setzte auf kleine Schnellboote, die auch bei Niedrigwasser fahren konnten. Preislich lagen die Tickets zwischen einem normalen Fährticket und einem Flugticket. Diesen Umstand ließ sich die Reederei Frisia nicht lange gefallen und erwarb im Sommer 2020 ebenfalls eine Schnellfähre, die vom Tochterunternehmen Cassen-Tours GmbH betrieben wird. Die Schnellfähre Inselexpress 1 besteht aus Aluminium und bietet Platz für maximal elf Passagiere.[5]
Seit 2018 betreibt die Reederei auch eine Versorgungslinie für den Offshore-Bereich. 2021 feierte sie ihr 150-jähriges Bestehen.
Katamaran
Eine 1999 gestartete, eigene Katamaran-Schnelllinie wurde 2006 wieder eingestellt, da die Betriebskosten sich als zu hoch erwiesen.[3]
Galerie
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Unbekanntes Datum.
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Aufnahme aus der Zeit um 1920.
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Ein ablegendes Schiff der Reederei, vermutlich in der Zeit um 1925.
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Aufnahme aus der Zeit um 1930.
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Aufnahme aus der Zeit um 1930.
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Aufnahme aus der Zeit um 1935.
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Eine Fähre fährt in den Hafen ein (1956).
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Die Frisia II im Jahre 1956.
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Die Frisia IX im Jahre 1956.
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Der Wiesenparkplatz der Reederei im Jahre 1956.
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Beladung der Frisia I im August 1960.
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Die Frisia V am 1. August 1969.
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Die Frisia V am 1. August 1969.
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Beladung einer Autofähre am 3. Januar 1963.
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Abfahrt einer Frisia-Fähre, aufgenommen am 3. Januar 1963.
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Aufnahme aus der Zeit um 1970.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 160
- ↑ Wikipedia-Artikel zu Ernst Christian Carl Kruse, abgerufen am 31. Juli 2024
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Ostfriesischer Kurier vom 31. Juli 2021, S. 3
- ↑ 4,0 4,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 168
- ↑ Jann, Timo (2020): Norden-Frisia mit Inselexpress. Aluminiumboote für elf Passagiere kommen von und nach Juist zum Einsatz. In: Täglicher Hafenbericht vom 21. Juli 2020, S. 3
Quellenverzeichnis
- Andryszak, Peter (2009): Frisia: Offshore Versorgung. In: Deutsche Seeschifffahrt, S. 12–17
- Internetseite der Reederei Frisia, abgerufen am 22. Februar 2021
- Schiffsdatenbank der Reederei Frisia