Neuer Weg 2-3: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Der '''Neue Weg 2-3''' bestand seit 1954 aus zwei ehemals zusammengehörenden Gebäuden, die im Kern wohl aus dem 16. Jahrhundert stammten.<ref name=":0">Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 17</ref> Früher befand sich in der früheren Hausnummer 2 bis zum Verkauf zum 1. Januar 1870 eine Buchbinderei, betrieben von [[Reinhard Heinrich Soltau]], dem Vater des späteren Verlegers [[Diedrich Gerhard Soltau]].<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Ab 1890 wurde der [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische]] Kaufmann [[Simon Hartog Schulenklopper]] neuer Eigentümer.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 60</ref><ref>WirtA NW WAN F 26</ref> Die Familie Schulenklopper floh in den Folgejahren wegen der nationalsozialistischen Verfolgung ins Ausland.<ref>Hinweise in diversen genealogischen Aufzeichnungen</ref> Danach wurde [[Levi Altgenug]], ebenfalls Jude, der neue Inhaber, ehe auch dieser enteignet wurde.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 339</ref>


1954 wurden die Häuser 2 und 3 zusammengefasst und bekamen den Namen Haus Schneider, benannt nach dem Eigentümer. 1985 zog hier hier eine Filiale der Drogeriekette ''Schlecker'', die noch bis 2009 existierte.<ref name=":0" /> Hierfür wurde das Gebäude erheblich verunstaltet und die Fassade aus historischer Sicht dauerhaft entwertet.  
Am '''Neuen Weg 2-3''' befindet sich seit 2010 ein aus Gebäudeensemble aus zwei neu Gebäuden, die auf dem Grund älterer Gebäude errichtet wurden. Bemerkenswert ist hierbei, dass diese Neubauten das Straßenbild aufwerteten, nachdem wiederum die Vorgängergebäude aus denkmalpflegerischer Sicht dauerhaft entwertet wurden.


Im Winter 2009 / 2010 wurden beide Gebäude abgebrochen und durch einen ansehnlicheren Bau ersetzt, der sich in das Ensemble des Neuen Wegs in vergleichsweise vorbildhafter Weise einfügt.
== Geschichte ==
Anhand der Bebauung der früheren Gebäude lassen sich diese eingeschossigen Bauten auf das 16. Jahrhundert datieren.<ref name=":0">Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 17</ref> In der Hausnummer 2 befand sich bis zum Verkauf zum 1. Januar 1870 eine Buchbinderei, betrieben von [[Reinhard Heinrich Soltau]], dem Vater des späteren Verlegers [[Diedrich Gerhard Soltau]].<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Ab 1890 wurde der [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische]] Kaufmann [[Simon Hartog Schulenklopper]] neuer Eigentümer.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 60</ref><ref>WirtA NW WAN F 26</ref> Der sein Geschäft ''Goldene 72'' nannte. Der Name soll von der ehemaligen Hausnummer herrühren, die in goldener Schrift an der Hauswand angebracht war.<ref>[https://www.oz-online.de/artikel/24247/Wo-einst-die-goldene-72-prangte Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung zum Abriss des Gebäudes], abgerufen am 7. Februar 2022</ref> Hierbei bezieht es sich jedoch nicht um die tatsächliche Nummer 72, sondern vielmehr um die [[Hausnummerierung|Nummer]] 2 im 7. [[Rott]].


=='''Goldene 72'''==
Die Familie Schulenklopper floh in den in den 1930er Jahren wegen der nationalsozialistischen Verfolgung ins Ausland.<ref>Hinweise in diversen genealogischen Aufzeichnungen</ref> Danach wurde [[Levi Altgenug]], ebenfalls Jude, der neue Inhaber, ehe auch dieser enteignet wurde.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 339</ref> Das Geschäft bekam einen neuen Besitzer, der den Laden - in Anlehnung an den Vorgänger - ''Zur Goldenen 72'' nannte.
*siehe auch: [[Hausnummerierung|Historische Hausnummerierung]]


Der Name ''Goldene 72'' soll von der ehemaligen Hausnummer herrühren, die in goldener Schrift an der Hauswand angebracht war.<ref>[https://www.oz-online.de/artikel/24247/Wo-einst-die-goldene-72-prangte Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung zum Abriss des Gebäudes], abgerufen am 7. Februar 2022</ref> Hierbei bezieht es sich jedoch nicht um die tatsächliche Nummer 72, sondern vielmehr um die Nummer 2 im 7. [[Rott]].
1954 wurden die Häuser 2 und 3 zusammengefasst und bekamen den Namen ''Haus Schneider'', benannt nach dem Eigentümer. Durch diesen wurde die Optik des Gebäude aus denkmalpflegerischer Sicht dauerhaft entwertet, nachdem etwa 1977 eine breite Front aus weißen Kunststoffkacheln aufgebracht wurden.
 
1985 zog hier hier eine Filiale der Drogeriekette ''Schlecker'' ein, die noch bis 2009 existierte.<ref name=":0" /> Im Winter 2009/2010 wurden beide Gebäude abgebrochen und durch einen ansehnlicheren Bau ersetzt, der sich in das Ensemble des Neuen Wegs in vergleichsweise vorbildhafter Weise einfügt.


==Galerie==
==Galerie==

Version vom 19. Mai 2022, 10:04 Uhr

Neuer Weg 2-3

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Basisdaten
Entstehungszeit 2010 (1954, 16. Jhdt.)
Erbauer Investorengruppe
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Neuer Weg 2-3

26506 Norden

Am Neuen Weg 2-3 befindet sich seit 2010 ein aus Gebäudeensemble aus zwei neu Gebäuden, die auf dem Grund älterer Gebäude errichtet wurden. Bemerkenswert ist hierbei, dass diese Neubauten das Straßenbild aufwerteten, nachdem wiederum die Vorgängergebäude aus denkmalpflegerischer Sicht dauerhaft entwertet wurden.

Geschichte

Anhand der Bebauung der früheren Gebäude lassen sich diese eingeschossigen Bauten auf das 16. Jahrhundert datieren.[1] In der Hausnummer 2 befand sich bis zum Verkauf zum 1. Januar 1870 eine Buchbinderei, betrieben von Reinhard Heinrich Soltau, dem Vater des späteren Verlegers Diedrich Gerhard Soltau.[2] Ab 1890 wurde der jüdische Kaufmann Simon Hartog Schulenklopper neuer Eigentümer.[3][4] Der sein Geschäft Goldene 72 nannte. Der Name soll von der ehemaligen Hausnummer herrühren, die in goldener Schrift an der Hauswand angebracht war.[5] Hierbei bezieht es sich jedoch nicht um die tatsächliche Nummer 72, sondern vielmehr um die Nummer 2 im 7. Rott.

Die Familie Schulenklopper floh in den in den 1930er Jahren wegen der nationalsozialistischen Verfolgung ins Ausland.[6] Danach wurde Levi Altgenug, ebenfalls Jude, der neue Inhaber, ehe auch dieser enteignet wurde.[7] Das Geschäft bekam einen neuen Besitzer, der den Laden - in Anlehnung an den Vorgänger - Zur Goldenen 72 nannte.

1954 wurden die Häuser 2 und 3 zusammengefasst und bekamen den Namen Haus Schneider, benannt nach dem Eigentümer. Durch diesen wurde die Optik des Gebäude aus denkmalpflegerischer Sicht dauerhaft entwertet, nachdem etwa 1977 eine breite Front aus weißen Kunststoffkacheln aufgebracht wurden.

1985 zog hier hier eine Filiale der Drogeriekette Schlecker ein, die noch bis 2009 existierte.[1] Im Winter 2009/2010 wurden beide Gebäude abgebrochen und durch einen ansehnlicheren Bau ersetzt, der sich in das Ensemble des Neuen Wegs in vergleichsweise vorbildhafter Weise einfügt.

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 17
  2. Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
  3. Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 60
  4. WirtA NW WAN F 26
  5. Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung zum Abriss des Gebäudes, abgerufen am 7. Februar 2022
  6. Hinweise in diversen genealogischen Aufzeichnungen
  7. Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 339

Siehe auch