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Die '''Ackerbauschule''' war eine von 1875 bis | Die '''Ackerbauschule''' war eine von 1875 bis 1972 bestehende Landwirtschaftsschule. Heute befindet sich in dem 1879 errichteten Gebäude eine Außenstelle der Norder Stadtverwaltung, unter anderem das Standesamt. | ||
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Sehr für den Aufbau der Schule setzte sich auch Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]] ein, der beim Ministerium auch darauf hinwies, dass Norden mit einem [[Ulrichsgymnasium|Gymnasium]] und einer [[Höhere Töchterschule|Höheren Töchterschule]] über genügend studierte Lehrkräfte verfügte. Dazu kämen weitere vorgebildete Lehrkräfte der [[Gewerbeschule]].<ref name=":0" /> Natürlich gab es auch [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|weitere Schulen]], doch waren die Lehrer dort in der Regel nicht akademisch, sondern höchstens in Semiaren vorgebildet. Diese Lehrer bezeichnete man als "Schulmeister". | Sehr für den Aufbau der Schule setzte sich auch Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]] ein, der beim Ministerium auch darauf hinwies, dass Norden mit einem [[Ulrichsgymnasium|Gymnasium]] und einer [[Höhere Töchterschule|Höheren Töchterschule]] über genügend studierte Lehrkräfte verfügte. Dazu kämen weitere vorgebildete Lehrkräfte der [[Gewerbeschule]].<ref name=":0" /> Natürlich gab es auch [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|weitere Schulen]], doch waren die Lehrer dort in der Regel nicht akademisch, sondern höchstens in Semiaren vorgebildet. Diese Lehrer bezeichnete man als "Schulmeister". | ||
Am 1. Oktober 1875 begann für die "Landwirtschaftliche Winterschule" schließlich der Schulbetrieb. Mangels eigener Räumlichkeiten fand der Unterricht in den ersten Jahren noch im [[Ulrichsgymnasium]] statt | Am 1. Oktober 1875 begann für die "Landwirtschaftliche Winterschule" schließlich der Schulbetrieb. Mangels eigener Räumlichkeiten fand der Unterricht in den ersten Jahren noch im [[Ulrichsgymnasium]] statt.<ref name=":0" /> Unterstützt wurde das Vorhaben finanziell auch vom Landwirtschaftlichen Hauptverein und der Ostfriesischen Landschaft.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Wegner.pdf Henninger, Wolfgang (2001): Ostfriesische Landschaft. Biographie des Adolf Wegner], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | ||
1899 konnte das Schulgelände durch Ankauf des [[Reformiertes Armenhaus|Reformierten Armenhauses]] erheblich erweitert werden. | Erster Schuldirektor wurde [[Adolf Wegner]], noch bevor dieser sein eigenes Studium offiziell abgeschlossen hatte. Er hatte zunächst im Winter angehende Landwirte zu unterrichten und im Sommer als Wanderlehrer bei den Zweigvereinen zu arbeiten. Der Fachunterricht umschloss Tierkunde, Zuchtlehre, Tierheilkunde, Pflanzen- und Bodenkunde, Betriebslehre und Buchführung, Wiesenbau und Drainagen, Gartenbau und Obstkultur.<ref name=":1" /> | ||
Ab 1879 verfügte die Schule schließlich über ein eigenes Gebäude, nachdem [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]] gemeinsam mit Bürgermeister Taaks und weiteren Norder Persönlichkeiten das ehemals fürstliche Haus [[Zur Blauen Pforte]] erwarb und das bis dahin freistehende Grundstücks links davon der Schule vermachte. Nachfolgend wurde hier für 37.100 Mark das bis heute bestehende Gebäude errichtet.<ref name=":0" /> | |||
1883 mussten die 1879 eingeführten Sommerkurse mangels Schüler wieder aufgegeben werden. Damit sank die weiterhin "Ackerbauschule" genannte Lehranstalt de facto wieder in den Rang einer landwirtschaftlichen Winterschule herab. Gleichwohl wurde sie von der Provinzialverwaltung und der Ostfriesischen Landschaft in Anerkennung der besonderen Leistungen Wegners bis zu dessen Tode weiter unterstützt.<ref name=":1" /> Im Wintersemester 1886 unterrichteten bereits sieben Lehrkräfte an der Schule, davon sechs in Teilzeit. Sie haben wohl hauptberuflich an einer anderen Schule im Stadtgebiet gelehrt.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 129</ref> | |||
1899 konnte das Schulgelände durch Ankauf des [[Reformiertes Armenhaus|Reformierten Armenhauses]] erheblich erweitert werden. Infolge des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] ruhte der Unterricht ab 1917. Ab 1919 war die "Ländliche Genossenschaftsbank" in dem Gebäude untergebracht. Im Herbst 1920 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden, wobei in die Räumlichkeiten der [[Gräfin-Theda-Schule]] ausgewichen werden musste, da die Ackerbauschule, wie vorgenannt, nun durch eine Bank genutzt wurde. Neuer Schulträger war nun zudem nicht mehr die Stadt, sondern der [[Landkreis Norden]].<ref name=":2" /> | |||
Erst ab 1931 fand der Unterricht wieder an ihrem Standort [[Am Markt]] statt. Bereits 1943 wurde der Unterricht kriegsbedingt jedoch erneut eingestellt. Gegen Kriegsende wurde das Gebäude von Wehrmachtssoldaten belegt, sodass der Unterricht erst am 20. November 1945 wieder aufgenommen werden konnte. 1946 wurde der Schule eine Mädchenklasse der Emder Landwirtschaftsschule angegliedert. Diese war bereits während des Krieges nach Norden verlagert worden, da die Emder Klassenräume durch alliierte Bombenangriffe zerstört worden waren.<ref name=":2" /> | |||
In den Jahren 1971/1972 schlug die letzte Stunde der Ackerbauschule. Der landwirtschaftliche Unterricht wurde nun von der [[Conerus-Schule|Berufsschule]] geleistet. Das Gebäude wurde bis 1982 von der Landwirtschaftskammer (Außenstelle Norden) als Sitz genutzt, bis sie im selben Jahr in den Neubau am [[Burggraben]] 41 zogen. Von 1992 bis 1996 hatte schließlich die Musikschule ihren Sitz in der alten Ackerbauschule, bis sie in die Räumlichkeiten der [[Gräfin-Theda-Schule]] umzog. Nach einer aufwendigen Renovierung befindet sich hier eine Nebenstelle der Stadtverwaltung, unter anderem das Standes- und das Ordnungsamt.<ref name=":2" /> | |||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||
Das stattliche, Stadtvillenähnliche und zweigeschössige Gebäude ist ein siebenachsiger Putzbau mit einem Walmdach. Die Rundbogenfenster im Obergeschoss weisen verzierte Brüstungsfelder auf. Der Sims ist an der Traufe profiliert. | |||
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Version vom 17. Mai 2021, 08:22 Uhr
Ackerbauschule | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | 1875 (1879) | |||||||
| Erbauer | Stadt Norden | |||||||
| Bauweise | Verputzter Steinbau | |||||||
| Entwidmung | 1972 | |||||||
| Erhaltungszustand | erhalten | |||||||
| Genaue Lage | Am Markt 19
26506 Norden | |||||||
Die Ackerbauschule war eine von 1875 bis 1972 bestehende Landwirtschaftsschule. Heute befindet sich in dem 1879 errichteten Gebäude eine Außenstelle der Norder Stadtverwaltung, unter anderem das Standesamt.
Geschichte
Laut Gründungsunterlagen wurde die Schule 1875 als "Landwirtschaftliche Winterschule" gegründet, der Volksmund taufte sie jedoch schon bald in "Ackerbauschule" um. Schon um 1850 hatte die Landdrostei in Aurich die Notwendigkeit zur Errichtung einer Fortbildungsschule für Jugendliche in landwirtschaftlichen Berufen erkannt. Sogar beim Innenministerium in Hannover (Ostfriesland gehörte seinerzeit zum Königreich Hannover) erkannte man an, dass eine solche Notwendigkeit besteht und bevorzugte Norden als Standort einer solchen Schule, denn "Norden liege auf der Geest nahe der fruchtbaren Marsch und der Sandboden um Norden werde so ausgezeichnet mit Spaten und Pflug bearbeitet wie sonst nirgends im Königreich Hannover". Ein weiterer Punkt war die Lage nahe der (damals noch wesentlich ausgedehnteren) Heide- und Moorlandschaften, sodass alle wichtigen, heimischen Bodentypen abgedeckt waren.[1]
Sehr für den Aufbau der Schule setzte sich auch Bürgermeister Johann Hillern Taaks ein, der beim Ministerium auch darauf hinwies, dass Norden mit einem Gymnasium und einer Höheren Töchterschule über genügend studierte Lehrkräfte verfügte. Dazu kämen weitere vorgebildete Lehrkräfte der Gewerbeschule.[1] Natürlich gab es auch weitere Schulen, doch waren die Lehrer dort in der Regel nicht akademisch, sondern höchstens in Semiaren vorgebildet. Diese Lehrer bezeichnete man als "Schulmeister".
Am 1. Oktober 1875 begann für die "Landwirtschaftliche Winterschule" schließlich der Schulbetrieb. Mangels eigener Räumlichkeiten fand der Unterricht in den ersten Jahren noch im Ulrichsgymnasium statt.[1] Unterstützt wurde das Vorhaben finanziell auch vom Landwirtschaftlichen Hauptverein und der Ostfriesischen Landschaft.[2]
Erster Schuldirektor wurde Adolf Wegner, noch bevor dieser sein eigenes Studium offiziell abgeschlossen hatte. Er hatte zunächst im Winter angehende Landwirte zu unterrichten und im Sommer als Wanderlehrer bei den Zweigvereinen zu arbeiten. Der Fachunterricht umschloss Tierkunde, Zuchtlehre, Tierheilkunde, Pflanzen- und Bodenkunde, Betriebslehre und Buchführung, Wiesenbau und Drainagen, Gartenbau und Obstkultur.[2]
Ab 1879 verfügte die Schule schließlich über ein eigenes Gebäude, nachdem Jan ten Doornkaat Koolman III. gemeinsam mit Bürgermeister Taaks und weiteren Norder Persönlichkeiten das ehemals fürstliche Haus Zur Blauen Pforte erwarb und das bis dahin freistehende Grundstücks links davon der Schule vermachte. Nachfolgend wurde hier für 37.100 Mark das bis heute bestehende Gebäude errichtet.[1]
1883 mussten die 1879 eingeführten Sommerkurse mangels Schüler wieder aufgegeben werden. Damit sank die weiterhin "Ackerbauschule" genannte Lehranstalt de facto wieder in den Rang einer landwirtschaftlichen Winterschule herab. Gleichwohl wurde sie von der Provinzialverwaltung und der Ostfriesischen Landschaft in Anerkennung der besonderen Leistungen Wegners bis zu dessen Tode weiter unterstützt.[2] Im Wintersemester 1886 unterrichteten bereits sieben Lehrkräfte an der Schule, davon sechs in Teilzeit. Sie haben wohl hauptberuflich an einer anderen Schule im Stadtgebiet gelehrt.[3]
1899 konnte das Schulgelände durch Ankauf des Reformierten Armenhauses erheblich erweitert werden. Infolge des Ersten Weltkriegs ruhte der Unterricht ab 1917. Ab 1919 war die "Ländliche Genossenschaftsbank" in dem Gebäude untergebracht. Im Herbst 1920 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden, wobei in die Räumlichkeiten der Gräfin-Theda-Schule ausgewichen werden musste, da die Ackerbauschule, wie vorgenannt, nun durch eine Bank genutzt wurde. Neuer Schulträger war nun zudem nicht mehr die Stadt, sondern der Landkreis Norden.[3]
Erst ab 1931 fand der Unterricht wieder an ihrem Standort Am Markt statt. Bereits 1943 wurde der Unterricht kriegsbedingt jedoch erneut eingestellt. Gegen Kriegsende wurde das Gebäude von Wehrmachtssoldaten belegt, sodass der Unterricht erst am 20. November 1945 wieder aufgenommen werden konnte. 1946 wurde der Schule eine Mädchenklasse der Emder Landwirtschaftsschule angegliedert. Diese war bereits während des Krieges nach Norden verlagert worden, da die Emder Klassenräume durch alliierte Bombenangriffe zerstört worden waren.[3]
In den Jahren 1971/1972 schlug die letzte Stunde der Ackerbauschule. Der landwirtschaftliche Unterricht wurde nun von der Berufsschule geleistet. Das Gebäude wurde bis 1982 von der Landwirtschaftskammer (Außenstelle Norden) als Sitz genutzt, bis sie im selben Jahr in den Neubau am Burggraben 41 zogen. Von 1992 bis 1996 hatte schließlich die Musikschule ihren Sitz in der alten Ackerbauschule, bis sie in die Räumlichkeiten der Gräfin-Theda-Schule umzog. Nach einer aufwendigen Renovierung befindet sich hier eine Nebenstelle der Stadtverwaltung, unter anderem das Standes- und das Ordnungsamt.[3]
Beschreibung
Das stattliche, Stadtvillenähnliche und zweigeschössige Gebäude ist ein siebenachsiger Putzbau mit einem Walmdach. Die Rundbogenfenster im Obergeschoss weisen verzierte Brüstungsfelder auf. Der Sims ist an der Traufe profiliert.
Schuldirektoren
| Zeitraum | Vollständiger Name |
|---|---|
| 1875 - 1916 | Adolf Wegner |
| 1916 - ??? | ??? |
Schülerzahlen
| Schuljahr | Anzahl |
|---|---|
| 1877 | 28 * |
| 1886 | 47 |
* davon zwei aus den Niederlanden
Literatur
- Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 128-129
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 128
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Henninger, Wolfgang (2001): Ostfriesische Landschaft. Biographie des Adolf Wegner, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 129