Brauerei Doornkaat: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 7: Zeile 7:
| Text = Betrieb in Norden
| Text = Betrieb in Norden
| center = 53.59199743771667, 7.190322023719332
| center = 53.59199743771667, 7.190322023719332
| circle = 53.59199743771667, 7.190322023719332 : 130
| circle = 53.59199743771667, 7.190322023719332 :130
| zoom = 15
| zoom = 15
| width = 300px
| width = 300px
Zeile 19: Zeile 19:
|-
|-
|Auflösung
|Auflösung
| um 1940
|um 1940
|-
|-
|Rechtsform
|Rechtsform
Zeile 30: Zeile 30:
Die '''Brauerei Doornkaat''' war eine zunächst eigenständige, dann unmittelbar zum Unternehmen [[Doornkaat]] gehörige Brauerei in [[Westgaste]]. 1922 wurde sie an die ''Bavaria Brauerei'' aus Altona verkauft und ein Jahr später geschlossen. Heute erinnert (nur) noch der Name [[Brauhausstraße]] an sie, sämtliche Überreste sind verschwunden.  
Die '''Brauerei Doornkaat''' war eine zunächst eigenständige, dann unmittelbar zum Unternehmen [[Doornkaat]] gehörige Brauerei in [[Westgaste]]. 1922 wurde sie an die ''Bavaria Brauerei'' aus Altona verkauft und ein Jahr später geschlossen. Heute erinnert (nur) noch der Name [[Brauhausstraße]] an sie, sämtliche Überreste sind verschwunden.  


== Geschichte ==
__TOC__
__NOTOC__
==Geschichte==
Die Brauerei wurde 1882 durch [[Hermann ten Doornkaat Koolman]] und [[Jacobus ten Doornkaat Koolman]], den beiden jüngeren Brüdern von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]] gegründet. Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Bierproduktion am 1. Januar 1884 in [[Westgaste]] aufgenommen werden. Das Geschäft entwickelte sich schnell und gut, bei Ausstellungen in Hannover 1884, in Wittmund 1887 und 1890 in Bremen und Lüttich brachten ihre Produkte den ersten Preis ein, was für eine hohe Qualität des Bieres sprach.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79</ref> Gebraut wurde nach klassischer bayerischer Brauart, die Produkte fanden auch im Ausland Anklang und man betrieb mindestens eine Zweigstelle in Wilhelmshaven.<ref name=":1">[https://www.h3-bierwelt.de/brau-orte/brauorte-n/ Angabe beim Biermuseum Delmenhorst], abgerufen am 11. Juni 2021</ref>
Die Brauerei wurde 1882 durch [[Hermann ten Doornkaat Koolman]] und [[Jacobus ten Doornkaat Koolman]], den beiden jüngeren Brüdern von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman III.]] gegründet.<ref name=":0" /> Bereits in den 1840er Jahren hatte sich das Familienunternehmen an der Produktion von Braunbier versucht, war jedoch durch scharfe Konkurrenz daran gescheitert und stellte das Brauen bereits 1851 wieder ein.<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 28</ref> Über 30 Jahre später wagte man schließlich einen neuen Versuch mit klassischem Hellbier nach bayerischer Brauart.
 
Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Bierproduktion am 1. Januar 1884 in [[Westgaste]] aufgenommen werden. Das Geschäft entwickelte sich schnell und gut, bei Ausstellungen in Hannover 1884, in Wittmund 1887 und 1890 in Bremen und Lüttich brachten ihre Produkte den ersten Preis ein, was für eine hohe Qualität des Bieres sprach.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79</ref> Gebraut wurde nach klassischer bayerischer Brauart, die Produkte fanden auch im Ausland Anklang und man betrieb mindestens eine Zweigstelle in Wilhelmshaven.<ref name=":1">[https://www.h3-bierwelt.de/brau-orte/brauorte-n/ Angabe beim Biermuseum Delmenhorst], abgerufen am 11. Juni 2021</ref>


Trotz anfänglicher Erfolge wirtschafteten die Inhaber nicht besonders gut, sodass die Brauerei zum 12. Dezember 1899 mit der Brennerei des älteren Doornkaat-Bruders verschmolz. Man firmierte nun gemeinsam als ''Doornkaat Brennerei und Brauerei Aktiengesellschaft''. Tatsächlich brachte die Fusionierung der Brauerei große Vorteile und bereits im ersten Geschäftsjahr verzeichnete man einen gemeinsamen Reingewinn von 172.425 Mark. Um die Angestellten am Erfolg zu beteiligen, richtete man 1900 eine Betriebskrankenkasse ein. Eine für damalige Zeiten äußerst wohltätige Geste.<ref name=":0" />
Trotz anfänglicher Erfolge wirtschafteten die Inhaber nicht besonders gut, sodass die Brauerei zum 12. Dezember 1899 mit der Brennerei des älteren Doornkaat-Bruders verschmolz. Man firmierte nun gemeinsam als ''Doornkaat Brennerei und Brauerei Aktiengesellschaft''. Tatsächlich brachte die Fusionierung der Brauerei große Vorteile und bereits im ersten Geschäftsjahr verzeichnete man einen gemeinsamen Reingewinn von 172.425 Mark. Um die Angestellten am Erfolg zu beteiligen, richtete man 1900 eine Betriebskrankenkasse ein. Eine für damalige Zeiten äußerst wohltätige Geste.<ref name=":0" />
Zeile 39: Zeile 41:


==Produkte==
==Produkte==
*'''Doornkaat-Bräu'''
*'''Doornkaat-Bräu'''
* '''Amor-Bräu'''
*'''Amor-Bräu'''
*'''Iltis-Bräu''' (im Jahre 1900 aus Anlass des ''Boxeraufstandes'' in China herausgebracht)
*'''Iltis-Bräu''' (im Jahre 1900 aus Anlass des ''Boxeraufstandes'' in China herausgebracht)


== Sonstiges ==
==Sonstiges ==
In ''Woerls Reiseführer durch Norden'' aus dem Jahre 1891 heißt es: ''"In der bereits erwähnten Westgaste ist die große bayerische Bierbrauerei von H. und J. ten Doornkaat Koolman äußerst interessant. Ihr Bier genießt eines verdienten und weitverbreiteten Rufes und wurde dasselbe auf der Hannöverschen Brauereiausstellung mit dem ersten Preis gekrönt."''<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 121</ref>
In ''Woerls Reiseführer durch Norden'' aus dem Jahre 1891 heißt es: ''"In der bereits erwähnten Westgaste ist die große bayerische Bierbrauerei von H. und J. ten Doornkaat Koolman äußerst interessant. Ihr Bier genießt eines verdienten und weitverbreiteten Rufes und wurde dasselbe auf der Hannöverschen Brauereiausstellung mit dem ersten Preis gekrönt."''<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 121</ref>


==Galerie==
==Galerie==
 
===Gebäude===
=== Gebäude ===
<gallery>
<gallery>
Datei:Postkarte Brauerei Doornkaat Weinhaus Blücherplatz Denkmal 1900 01.JPG|Die Brauerei (mittig) auf einer Postkarte aus dem Jahr 1900.
Datei:Postkarte Brauerei Doornkaat Weinhaus Blücherplatz Denkmal 1900 01.JPG|Die Brauerei (mittig) auf einer Postkarte aus dem Jahr 1900.
Zeile 56: Zeile 56:
</gallery>
</gallery>


=== Produkte und Werbung ===
===Produkte und Werbung===
<gallery>
<gallery>
Datei:Brauerei Doornkaat Werbung.JPG|Bierwerbung aus dem Jahr 1895 und 1901
Datei:Brauerei Doornkaat Werbung.JPG|Bierwerbung aus dem Jahr 1895 und 1901

Version vom 23. März 2022, 20:21 Uhr

Brauerei Doornkaat

{{#multimaps: Title = Brauerei Doornkaat Text = Betrieb in Norden center = 53.59199743771667, 7.190322023719332 circle = 53.59199743771667, 7.190322023719332 :130 zoom = 15 width = 300px height = 300px

}}

Basisdaten
Gründung 1882
Auflösung um 1940
Rechtsform Aktiengesellschaft (AG)
Hauptsitz Brauhausstraße

26506 Norden

Die Brauerei Doornkaat war eine zunächst eigenständige, dann unmittelbar zum Unternehmen Doornkaat gehörige Brauerei in Westgaste. 1922 wurde sie an die Bavaria Brauerei aus Altona verkauft und ein Jahr später geschlossen. Heute erinnert (nur) noch der Name Brauhausstraße an sie, sämtliche Überreste sind verschwunden.

Geschichte

Die Brauerei wurde 1882 durch Hermann ten Doornkaat Koolman und Jacobus ten Doornkaat Koolman, den beiden jüngeren Brüdern von Jan ten Doornkaat Koolman III. gegründet.[1] Bereits in den 1840er Jahren hatte sich das Familienunternehmen an der Produktion von Braunbier versucht, war jedoch durch scharfe Konkurrenz daran gescheitert und stellte das Brauen bereits 1851 wieder ein.[2] Über 30 Jahre später wagte man schließlich einen neuen Versuch mit klassischem Hellbier nach bayerischer Brauart.

Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Bierproduktion am 1. Januar 1884 in Westgaste aufgenommen werden. Das Geschäft entwickelte sich schnell und gut, bei Ausstellungen in Hannover 1884, in Wittmund 1887 und 1890 in Bremen und Lüttich brachten ihre Produkte den ersten Preis ein, was für eine hohe Qualität des Bieres sprach.[1] Gebraut wurde nach klassischer bayerischer Brauart, die Produkte fanden auch im Ausland Anklang und man betrieb mindestens eine Zweigstelle in Wilhelmshaven.[3]

Trotz anfänglicher Erfolge wirtschafteten die Inhaber nicht besonders gut, sodass die Brauerei zum 12. Dezember 1899 mit der Brennerei des älteren Doornkaat-Bruders verschmolz. Man firmierte nun gemeinsam als Doornkaat Brennerei und Brauerei Aktiengesellschaft. Tatsächlich brachte die Fusionierung der Brauerei große Vorteile und bereits im ersten Geschäftsjahr verzeichnete man einen gemeinsamen Reingewinn von 172.425 Mark. Um die Angestellten am Erfolg zu beteiligen, richtete man 1900 eine Betriebskrankenkasse ein. Eine für damalige Zeiten äußerst wohltätige Geste.[1]

Der Erste Weltkrieg verpasste dem Unternehmen jedoch einen schweren Schlag, ein großer Teil der Belegschaft wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Bierproduktion kam dadurch gänzlich zum Erliegen. Erst 1921 konnte man diese wieder aufnehmen. Ein Jahr später veräußerte man die Brennerei gewinnbringend für 1,6 Millionen Mark an die Bavaria Brauerei aus Altona.[1] Ein Großteil der Produktion in Norden wurde 1923 eingestellt, gänzlich zum Erliegen kam sie kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs.[3][4] Der Schornstein wurde am 19. April 1943 gesprengt, womit das endgültige Ende der Brauerei besiegelt wurde.[4] Die letzten Überreste der Brauerei verschwanden zwischen 1969 und 1970. Seitdem erinnert nur noch der Name Brauhausstraße an die alte Brauerei.

Produkte

  • Doornkaat-Bräu
  • Amor-Bräu
  • Iltis-Bräu (im Jahre 1900 aus Anlass des Boxeraufstandes in China herausgebracht)

Sonstiges

In Woerls Reiseführer durch Norden aus dem Jahre 1891 heißt es: "In der bereits erwähnten Westgaste ist die große bayerische Bierbrauerei von H. und J. ten Doornkaat Koolman äußerst interessant. Ihr Bier genießt eines verdienten und weitverbreiteten Rufes und wurde dasselbe auf der Hannöverschen Brauereiausstellung mit dem ersten Preis gekrönt."[5]

Galerie

Gebäude

Produkte und Werbung

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79
  2. Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 28
  3. 3,0 3,1 Angabe beim Biermuseum Delmenhorst, abgerufen am 11. Juni 2021
  4. 4,0 4,1 Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 51
  5. Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 121

Siehe auch