Die Gemeinde '''Lintelermarsch''' war bis zu ihrer Eingliederung am 1. Juli 1972 im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform eine eigenständige Gemeinde. Heute ist der Name kaum noch geläufig, die ehemalige Gemeinde besteht jedoch unter dem Namen [[Norddeich]], das identisch mit dieser ist.
Die '''Lintelermarsch''' war bis zu ihrer Eingliederung am 1. Juli 1972 im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform eine eigenständige Gemeinde. Heute ist der Name kaum noch geläufig, nur noch die [[Marsch|Marschgebiete]] zwischen der [[Umgehungsstraße]] und dem [[Sieltog]] werden gelegentlich noch so bezeichnet. Die ehemalige Gemeinde besteht seit 1972 unter dem Namen [[Norddeich|''Norddeich'']], das identisch mit dieser ist, fort. Der Sitz der Gemeindeverwaltung befand sich [[Altes Rathaus (Lintelermarsch)|ehemaligen Rathaus]] am [[Hattermannsweg]] 4 in [[Norddeich]].
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==Namensherkunft==
==Namensherkunft==
Der Name bezieht sich auf die zu [[Westlintel]] und [[Ostlintel]] gehörenden Marschgebiete. Lintel lag als Teil der [[Sandbauerschaft]] auf dem [[Geest|Geestboden]], der als Gegenstück zum [[Marsch|Marschboden]] angesehen werden kann.
Der Name bezieht sich auf die zu [[Westlintel]] und [[Ostlintel]] gehörenden Marschgebiete. Lintel lag als Teil der [[Sandbauerschaft]] auf dem [[Geest|Geestboden]], der als Gegenstück zum [[Marsch|Marschboden]] angesehen werden kann. Erstmalig erwähnt wird die Lintelermarsch im Register der Kirchengüter zu Norden im Jahre 1553 als ''Lynteler Marsch'' genannt, wie auch 1589 als ''Lintel Marsch''.
==Wappen==
Das Wappen zeigt im grünen Schildhaupt einen silbernen Fisch mit goldenen Flossen und darunter einen roten Blitz mit silbernem Rand. Es wurde von der Gemeinde [[Lintelermarsch]] übernommen, welche 1972 Teil von Norden wurde und das Wappen am 26. Juli 1960 verliehen bekam. Es handelt sich um ein sogennantes "redendes Wappen", da es die Ortsgeschichte - wie bei [[Neuwesteel]] - bildlich wiedergibt. Der Fisch im oberen Bereich spiegelt die hier jahrhundertelang bedeutende Fischerei wieder, der Blitz steht für die Sendestelle von [[Norddeich Radio]], welche sich in Osterloog befand. Heute befindet sich dort das [[Waloseum]]. Die Farbgebung Rot-Silber wurde vom Anstrich der Sendetürme übernommen. Das Grün im Wappen steht für die Landwirtschaft, die ebenfalls lange Zeit eine große Bedeutung hatte und in den östlichen Gebieten der Lintelermarsch bis heute hat.
==Bevölkerungsentwicklung==
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|1821
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|1848
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|1871
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|1925
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|1933
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|1956
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|1961
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|1970
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==Geografie==
Der Ort befindet sich in einem Kalkmarschgebiet in einer Höhe von bis zu 1,4 m über Meeresniveau (NN). Eine von Südwest nach Nordost zum Teil am [[Süderschloot]] verlaufende Linie trennt die Lintelermarsch von der südlich gelegenen ehemaligen, heute zu Norden gehörenden [[Sandbauerschaft]]. Diese Linie ist heute die Grenze zu [[Neustadt]]. In nördlicher Richtung wird der Ort vom Wattenmeer begrenzt, im Osten von der [[Ostermarsch]] und im Westen von [[Westermarsch II]].
In Teilen der südlichen Ausläufer des Ortes weist der Boden eine sandige und weißlich bis rötlichgraue Farbe auf. Der Großteil des Bodens in der Lintelermarsch und Umgebung besteht jedoch aus sehr fruchtbarem Marschboden, der eher kräftig hell und gelblich ist.
Auffallend sind um Norddeich die vielen mit Schilf bestandenen Wasserstellen. Sie sind in den letzten Jahrhunderten durch immer wieder notwendig werdende Deichbauten entstanden. Außerdem sind etliche meist runde oder längliche Wasserstellen bzw. -löcher zu finden, die die verschiedenen Sturmfluten verursacht haben und als [[Kolk]] bezeichnet werden.
==Geschichte==
* Hauptartikel: [[Norddeich#Geschichte|Geschichte von Norddeich]]
==Verwaltung==
Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) im Amt Norden war der Drost, später [[Amtsverwalter]] genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen [[Amt Norden]] hatte. Der Vogt, ein Exekutivbeamte des Drosten, wurde vom Fürsten persönlich ernannt. Sein Arbeitsbereich umfasste die Lintelermarsch sowie die bei Norden gelegene Gemeinde [[Sandbauerschaft]]. Dem Vogt wurde ein sogenannter Auskündiger beigesetzt, der vom Amtsverwalter eingesetzt wurde. Zusätzlich gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten (vergleichbar mit heutigen Stadtvierteln) die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Steuerangelegenheiten und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen kundzutun. Der Rottmeister amtierte zwei Jahre, das Amt wurde im Rott vergeben.
Im 19. Jahrhundert stand ein Bürgermeister an oberster Spitze in der Gemeinde Lintelermarsch und nach der Gemeindereform 1972 ein [[Ortsvorsteher]], der die Lintelermarsch vor dem Rat und der Verwaltung der Stadt Norden vertritt.
Eine Schule ist für spätestens 1767 nachgewiesen. Die erste bekannte Schule befand sich vermutlich etwa in Höhe von [[Wiebens Trift]] und wurde 1852 durch einen Nachfolgebau ersetzt. Eine weitere Schule soll es ab 1843 im [[Stuvertsweg]] gegeben haben. 1888 wurde das bis heute erhaltene Schulgebäude an der [[Norddeicher Straße]] erbaut. 1908 wurde ein -ebenfalls noch heute existierendes - Schulgebäude an der [[Ostermarscher Straße]], kurz vor der Grenze zu [[Ostermarsch]] errichtet. Die einzige noch betrieben Schule ist die 1992 fertiggestellte Schule in der [[Nordmeerstraße]].
==Religion==
Bis ins 20. Jahrhundert besuchten die Einwohner die Kirchen in Norden, vor allem die [[Ludgerikirche]], da die meisten evangelisch-lutherischer Glaubensrichtung waren. Seit Mitte der 1970er Jahre verfügte die Gemeinde mit der [[Arche]] über eine eigene Kirche. Später kam noch die [[Friedenskirche]] im [[Sozialwerk Nazareth]] dazu. Die wenigen römisch-katholischen und reformierten Bürger besuchen weiterhin die entsprechenden Kirchen in Norden.
==Gesundheit und Soziales==
Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden geleistet und nicht vom Staat. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien und Kapitalvermögen und wurden auch [[Armenland]] genannt. In der Lintelermarsch wurde die Ländereien vor allem durch den [[Hof Armenplatz]], welcher noch heute erhalten ist, bewirtschaftet. Die Gemeinde war dem [[Armenverband Norden]] und der Norder Kirchengemeinde angegliedert.
1973 errichtet die Pfingstgemeinde in Norddeich ein Erholungszentrum, das 1977 als [[Sozialwerk Nazareth | Freizeit- und Heimstätte Nazareth]] bekannt wird und im Laufe der Jahre tausenden Flüchtlingen und Asylsuchenden Unterstützung und Unterkunft geboten hat.
==Wirtschaft und Verkehr==
Lange Zeit spielten vor allem die Fischerei und die Landwirtschaft eine Rolle und tun dies zum Teil bis heute. Haupterwerbszeig ist jedoch spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Norddeich ist nach Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit über 2 Millionen Passagieren und verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 Leuten werden die Dimension und das Ausmaß des Tourismus besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren dem Tourismus dienende Einrichtungen.
Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines Roolf W. Seeberg, Inhaber des "Seebergskruges am Norddeiche": "Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt." Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der resp. Herren Badegäste auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich – vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr – von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und – mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen – auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt "ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken" könnte. Seeberg wandte sich deshalb – den Dienstweg einhaltend – am 6. August 1813 an den Bürgermeister (französisch: Maire) von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: "So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden." Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die französischen Bedenken damit bedeutungslos.
==Quellenverzeichnis==
==Quellenverzeichnis==
* Arend, Fridrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden, S. 396
* Arend, Fridrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden, S. 396
* Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 20f.
* Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden
* Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 191
* Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 191
* Schreiber, Gretje (2008): Die Bewohner der Höfe in der Linteler- und Westermarsch, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier, Jg. 2008, Nr. 10, S. 37
* Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848
* Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848
== Siehe auch ==
* [[Norddeich]]
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
Aktuelle Version vom 20. Februar 2024, 06:51 Uhr
Lintelermarsch
Basisdaten
Fläche
10,523 km²
Einwohner
1.383 (Stand: 1970)
Eingemeindung
1. Juli 1972
Die Lintelermarsch war bis zu ihrer Eingliederung am 1. Juli 1972 im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform eine eigenständige Gemeinde. Heute ist der Name kaum noch geläufig, nur noch die Marschgebiete zwischen der Umgehungsstraße und dem Sieltog werden gelegentlich noch so bezeichnet. Die ehemalige Gemeinde besteht seit 1972 unter dem Namen Norddeich, das identisch mit dieser ist, fort. Der Sitz der Gemeindeverwaltung befand sich ehemaligen Rathaus am Hattermannsweg 4 in Norddeich.
Der Name bezieht sich auf die zu Westlintel und Ostlintel gehörenden Marschgebiete. Lintel lag als Teil der Sandbauerschaft auf dem Geestboden, der als Gegenstück zum Marschboden angesehen werden kann. Erstmalig erwähnt wird die Lintelermarsch im Register der Kirchengüter zu Norden im Jahre 1553 als Lynteler Marsch genannt, wie auch 1589 als Lintel Marsch.
Quellenverzeichnis
Arend, Fridrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden, S. 396
Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden
Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 191
Schreiber, Gretje (2008): Die Bewohner der Höfe in der Linteler- und Westermarsch, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier, Jg. 2008, Nr. 10, S. 37
Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848