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'''Hayo Manninga''' (* 1518/19, † 1599) entstammte dem einflussreichen [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlecht]] der [[Manninga]]. Er gilt als Erbauer des [[Großlanghaus|Hofes Großlanghaus]].<ref>Gretje Schreiber, Die Höfe in der Westermarsch, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 24. Oktober 2009, Nr. 10, S. 40 Nr. 28a+b</ref>
'''Hayo Manninga''' (* 1518/19; Januar<ref name=":3" /> 1599) entstammte dem einflussreichen [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlecht]] der [[Manninga]]. Er gilt als Erbauer des [[Großlanghaus|Hofes Großlanghaus]] und war zudem Eigentümer des [[Norderhaus|Norderhauses]].<ref>Schreiber, Gretje (2009): Die Höfe in der Westermarsch, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 24. Oktober 2009, Nr. 10, S. 40 Nr. 28a+b</ref><ref name=":3">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 13</ref>
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==Leben==
Hayo war ein Bruder des [[Unico Manninga]] und Begründer der Lütetsburger Nebenlinie der Familie. Er kam durch Heirat in den Besitz der Häuptlingsburg tho Dijcke, später Dijksterhuis, in den Groninger Ommelanden und nahm am niederländischen Aufstand gegen Philipp II. teil. Mit seinem Großneffen Hoyko Manninga von Pewsum und Warffum soll er zu den aktivsten Anstiftern des sogenannten Bildersturmes, der im Jahre 1566 von Westflandern im Südwesten bis an die Ems im Nordosten über die Niederlande raste, gehört haben.<ref name=":2">[https://bibliothek.ostfriesischelandschaft.de/wp-content/uploads/sites/3/dateiarchiv/2597/Manninga-familie.pdf Biopgrahische Daten zur Familie Manninga] bei der Ostfriesischen Landschaft, abgerufen am 19. Juli 2024</ref> Als die Spanier die Nordostniederlande 1580 zurückeroberten, ging er nach Ostfriesland. Zuvor hatte er sich das [[Großlanghaus|Groß Langhaus]] errichten lassen, welches er sodann bewohnte.<ref name=":2" /><ref name=":0" /> Auf seine Rechte an Schloss Lütetsburg verzichtete er zugunsten Unicos.


Er war ein Bruder des [[Unico Manninga]] und Begründer der Lütetsburger Nebenlinie der Familie. Er kam durch Heirat in den Besitz der Häuptlingsburg tho Dijcke, später Dijksterhuis, in den Groninger Ommelanden und nahm am niederländischen Aufstand gegen Philipp II. teil. Als die Spanier die Nordostniederlande 1580 zurückeroberten, ging er nach Ostfriesland, wo er das [[Großlanghaus]] entweder erbaute oder dieses nur bezog. Nach der Eroberung durch Moritz von Oranien wurde Groningen zusammen mit den umliegenden Gebieten im Jahre 1594 ein Teil der Republik der Vereinigten Niederlande. Hayo kehrte noch im gleichen Jahr wieder auf seine alten Besitztümer in den Ommelanden zurück, wo das Geschlecht am Ende des 17. Jahrhunderts ausstarb.<ref>Feenstra, Hidde (2001): Manninga. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Aurich, S. 278–280</ref>
[[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] versuchte, Hayo der Unterstützung der niederländischen ''Geusen'' zu bezichtigen.<ref name=":1">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 144</ref> Die ''Geusen'' waren niederländische Aufständische bzw. Protestanten, die sich im Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) gegen die Obrigkeit auflehnten und daher Verfolgung ausgesetzt waren. Viele von ihnen flohen als Glaubensflüchtlinge nach Ostfriesland und gingen der Piraterie nach. Tatsächlich aber hatte Hayo sich, so die Aussage mehrerer Zeugen, mit den Geusen angelegt.<ref name=":1" /> Im Dezember 1570 landeten am damaligen [[Gastmarscher Siel]] kältebedingt Freibeuter (Geusen), die zwei adelige Gefangene bei sich hatten. Die Freibeuter (vermutlich in niederländischen oder spanischen Diensten) zogen in die [[Westermarsch]] und stahlen in ihrer Dreistigkeit sogar das Silbergeschirr Manningas, während dieser gerade eine Mahlzeit zu sich nahm.<ref name=":1" /><ref>StAA, Rep. 102, Nr. 158</ref> Die niederländischen Edelleute sowie der Abt fanden nach ihrer Befreiung im [[Norderhaus]] Unterschlupf.<ref name=":1" />


== Einzelnachweise ==
Nach der Eroberung durch Moritz von Oranien wurde Groningen zusammen mit den umliegenden Gebieten im Jahre 1594 ein Teil der Republik der Vereinigten Niederlande. Hayo kehrte noch im gleichen Jahr wieder auf seine alten Besitztümer in den Ommelanden zurück, wo das Geschlecht am Ende des 17. Jahrhunderts ausstarb.<ref name=":0">Feenstra, Hidde (2001): Manninga. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Aurich, S. 278–280</ref>
 
Das Langhaus brannte im Jahr 1761 nieder und an seiner Stelle baute man ein ostfriesisches Bauernhaus. Bemerkenswert ist hier die Ausrichtung des Wohntraktes und den Verzierungselementen. Dieser Gulfhof wird noch aktiv bewirtschaftet, weshalb eine Besichtigung nur von außen möglich ist.
 
==Einzelnachweise==
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Aktuelle Version vom 19. Juli 2024, 08:47 Uhr

Hayo Manninga (* 1518/19; † Januar[1] 1599) entstammte dem einflussreichen Häuptlingsgeschlecht der Manninga. Er gilt als Erbauer des Hofes Großlanghaus und war zudem Eigentümer des Norderhauses.[2][1]

Leben

Hayo war ein Bruder des Unico Manninga und Begründer der Lütetsburger Nebenlinie der Familie. Er kam durch Heirat in den Besitz der Häuptlingsburg tho Dijcke, später Dijksterhuis, in den Groninger Ommelanden und nahm am niederländischen Aufstand gegen Philipp II. teil. Mit seinem Großneffen Hoyko Manninga von Pewsum und Warffum soll er zu den aktivsten Anstiftern des sogenannten Bildersturmes, der im Jahre 1566 von Westflandern im Südwesten bis an die Ems im Nordosten über die Niederlande raste, gehört haben.[3] Als die Spanier die Nordostniederlande 1580 zurückeroberten, ging er nach Ostfriesland. Zuvor hatte er sich das Groß Langhaus errichten lassen, welches er sodann bewohnte.[3][4] Auf seine Rechte an Schloss Lütetsburg verzichtete er zugunsten Unicos.

Graf Edzard II. versuchte, Hayo der Unterstützung der niederländischen Geusen zu bezichtigen.[5] Die Geusen waren niederländische Aufständische bzw. Protestanten, die sich im Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) gegen die Obrigkeit auflehnten und daher Verfolgung ausgesetzt waren. Viele von ihnen flohen als Glaubensflüchtlinge nach Ostfriesland und gingen der Piraterie nach. Tatsächlich aber hatte Hayo sich, so die Aussage mehrerer Zeugen, mit den Geusen angelegt.[5] Im Dezember 1570 landeten am damaligen Gastmarscher Siel kältebedingt Freibeuter (Geusen), die zwei adelige Gefangene bei sich hatten. Die Freibeuter (vermutlich in niederländischen oder spanischen Diensten) zogen in die Westermarsch und stahlen in ihrer Dreistigkeit sogar das Silbergeschirr Manningas, während dieser gerade eine Mahlzeit zu sich nahm.[5][6] Die niederländischen Edelleute sowie der Abt fanden nach ihrer Befreiung im Norderhaus Unterschlupf.[5]

Nach der Eroberung durch Moritz von Oranien wurde Groningen zusammen mit den umliegenden Gebieten im Jahre 1594 ein Teil der Republik der Vereinigten Niederlande. Hayo kehrte noch im gleichen Jahr wieder auf seine alten Besitztümer in den Ommelanden zurück, wo das Geschlecht am Ende des 17. Jahrhunderts ausstarb.[4]

Das Langhaus brannte im Jahr 1761 nieder und an seiner Stelle baute man ein ostfriesisches Bauernhaus. Bemerkenswert ist hier die Ausrichtung des Wohntraktes und den Verzierungselementen. Dieser Gulfhof wird noch aktiv bewirtschaftet, weshalb eine Besichtigung nur von außen möglich ist.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 13
  2. Schreiber, Gretje (2009): Die Höfe in der Westermarsch, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 24. Oktober 2009, Nr. 10, S. 40 Nr. 28a+b
  3. 3,0 3,1 Biopgrahische Daten zur Familie Manninga bei der Ostfriesischen Landschaft, abgerufen am 19. Juli 2024
  4. 4,0 4,1 Feenstra, Hidde (2001): Manninga. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Aurich, S. 278–280
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 144
  6. StAA, Rep. 102, Nr. 158

Siehe auch