Deichacht Norden: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Die '''Deichacht Norden''' ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts zuständig für die Wartung und den Unterhalt der etwa 32,5 Kilometer langen Deichlinien des Festlands des [[Landkreis Norden|Altkreises Norden]] zuständig. Mit dem [[Entwässerungsverband Norden|Entwässerungsverband]] wird die Deichacht in Personalunion verwaltet und gemäß Deichgesetz von den Küstenbewohnern finanziert.
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==Geschichte==
==Geschichte==
Nach Beendigung der Eindeichung des [[Süderneuland|Süderneulandes]] im Jahr 1556 durch Gräfin Anna von Oldenburg, damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbmarmachung zur Verfügung. Die [[Udo-Focken-Deich|alte Deichlinie]] entlang der heutigen [[Bundesstraße]] wurde erheblich gen [[Leybucht]] erweitert. Südwestlich der [[Addinggaste]] entstanden Moorflächen, die durch den Nachfolger von Gräfin Anna, Graf Edzard II. aus dem Hause [[Cirksena]] im Jahr 1562 an wohlhabende Norder Bürger, die ein Vermögen von mindestens 1.000 Reichstalern besaßen, als Gemeinweide (Allmende; vgl. [[Mahnland]]) in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten.
[[Datei:Doornkaatlohne 19 - 21052006.jpg|links|mini|256x256px|Der Hauptsitz der Deichacht und des [[Entwässerungsverband Norden|Entwässerungsverbands]], aufgenommen am 21. Mai 2006.]]
Bei Anbeginn der Besiedlung war es noch nicht notwendig, Deiche zum Schutz vor den Fluten zu errichten. Dies änderte sich erst, als der Wasserspiegel in der Zeit nach Christus immer weiter anstieg. Die Menschen begannen, ihre Behausungen auf Warften, künstlichen Erdererhöhungen zu errichten. Anfangs waren diese meiste nur wenige Dezimeter hoch, später erreichten einige von ihnen eine Höhe von bis zu fünf Metern. Zwar konnten die Menschen sich selbst und ihre Tiere vor den Fluten schützen, nicht aber ihre Felder, von deren Erträgen sie zu leben hatten und die durch das salzige Meerwasser nach Fluten unbrauchbar wurden.


Die 95 Anteile der Leegemoorgesellschaft wurden anteilig auf die einzelnen 95 Interessenten verteilt. Bis heute schafft es die Leegemoorgesellschaft, ansehnliche Renditen zu erwirtschaften und halbjährich an die Anteilseigner auszuschütten. Dies ist wenig verwunderlich, da sich auf den Ländereien seit den 1980er Jahren verschiedenste Gewerbebetriebe angesiedelt haben. Die letzte bis dahin unverpachtete Fläche der Leegemoorgesellschaft wurde 2007 als Gewerbefläche vermarktet.
Um das Jahr 1000 begann man mit dem Bau von Deichen. Anfangs war es Aufgabe der hinter der Deichlinie wohnenden Menschen, den Deich zu unterhalten. Im Gegenzug durften sie das dahinter liegende Land bestellen. Die einzelnen Deichabschnitte wurden mittels Pflöcken abgesteckt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 50</ref>


Zur gemeinsamen Nutzung und Verwaltung gründeten sie die Leegemoorgesellschaft. Die Weiden wurden praktisch ausschließlich zur Viehhaltung genutzt. Dazu beschäftigte man einen eigenen Hirten, der im [[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)|Hirtenhaus]] wohnte. In einem Raum dieses Hauses hielt die Leegemoorgesellschaft früher auch ihre jährlichen Treffen statt. Das Gebäude ist bis heute erhalten und befindet sich am Ende der [[Zinngießerstraße]]. An dieses Hirtenhaus erinnert die Straße [[Zum Hirtenhaus]].
Konnten der Anlieger den ihm zugewiesenen Deichabschnitt nicht mehr unterhalten, musste er das Land gemäß [[Spatenrecht]] aufgeben oder wurde zwangsenteignet. Besonders oft fand das Spatenrecht nach Missernten, Seuchen oder Sturmfluten statt. Insbesondere im 14. Jahrhundert verloren viele Menschen ihr Hab und Gut an die Fluten und konnten - von der Pest und schlechten Ernten geschwächt - die Deichlinien nicht mehr halten.


An jedem 2. Februar (Maria Lichtmess) im Jahr trifft sich die Leegemoorgesellschaft zur "Abrechnungsversammlung" an der alle Anteilseigner teilnehmen können. Diese können grundsätzlich auch einen bevollmächtigten Vertreter ("Lepelgasten") zur Versammlung schicken. In der Abrechnungsversammlung werden alle Angelegenheiten, die die Leegemoorgesellschaft betreffen, verhandelt. Während dieser "Ofrekensversammeln" darf ausschließlich ostfriesisches Plattdeutsch gesprochen werden. Frauen sind grundsätzlich nicht bei der Versammlung erlaubt; dies ist ihnen lediglich alle 25 Jahre anlässlich der Jubiläen gestattet. Auch die Servicekräfte dürfen ausschließlich männlich sein. Den Frauen wird jedoch bei jeder Abrechnungsversammlung in einer Ansprache ("Proot för de Frolü") gedacht.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich nun Interessengemeinschaften, die es sich zur Aufgabe machten, den Deich gemeinschaftlich zu unterhalten. Ein alter, bis heute verwendeter Spruch besagt: ''Kein Deich. Kein Land. Kein Leben''. Die [[Februarflut 1825|Februarflut im Jahre 1825]] gilt als die letzte schwere Sturmflut, die in Norden und Umgebung massivste Schäden anrichtete und das Ackerland versalzte. Die Anfänge der Norder Deichacht, wie wir sie heute kennen, ist wohl in dieser Zeit zu suchen, denn auf die Februarflut folgten umfangreiche Maßnahmen zur Verstärkung der Deiche, bei der eine konzertierte Durchführung erkennbar ist. Die Ursprünge der Deichachten liegen jedoch weiter zurück und sie im 16. Jahrhundert zu suchen. Wahrscheinlich ging die Gründung einher mit der [[Liste der Eindeichungen|Landrückgewinnungen]] unter Gräfin [[Anna von Oldenburg]], die 1551 ihren Anfang nahmen.


Die Versammlung fand früher im Hirtenhaus statt, heute trifft man sich in der Scheune des [[Hotel Reichshof|Reichshofs]]. Neben einem traditionell deftigem Essen, dem "Leegemoorschmus" auf Kosten der Gesellschaft, wird gemeinsam Tabak aus langen, weißen Tonpfeifen geraucht. Dazu wird ein [[Doornkaat]], versehen mit einem Magenbitterschnaps, serviert. Angestoßen und getrunken wird "up Leegemoors Wohlfahrt", also auf das Wohlergehen und Fortbestehen der Genossenschaft.
Vermutlich einhergehend mit der Gründung von Deichachten ging auch die Gründung der Siel- bzw. Entwässerungsverbände einher, denn die Deiche hielten das Wasser nicht nur vom Land fern, sondern auch umgekehrt. Für Abflüsse mussten daher [[Liste der Siele|Siele]] erbaut werden. Im Jahr 1900 wurde die Norder Deichacht letztlich formell gegründet. Anfänglich war sie nur für die Deichlinien im Stadtgebiet zuständig. Zum 1. Januar 1965 kamen unter dem Eindruck der [[Februarflut 1962]], als die Küste des [[Norderland|Norderlandes]] nur knapp einer Katastrophe entkam, die Deichachten der [[Norder Umlandgemeinden]] hinzu: Die Westermarscher Deichacht, die Lintelermarscher Deichacht, die Ostermarscher Deichacht und die Leybuchtpolder- bzw. Wester-Charlottenpolder Deichacht. Auch die Deichacht der damals noch eingeständigen Gemeinde Nesse (heute Gemeinde Dornum) kommt zur Norder Deichacht. Bereits 1963 wurden Neuregelungen zum Küstenschutz durch das Niedersächsische Deichgesetz (NDG) erlassen. Erster [[Oberdeichrichter]] der neuen, großen Norder Deichacht wurde [[Karl von Rose]].<ref name=":0">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 68</ref> Die Deichverstärkungsmaßnahmen dauerten bis 1988 an.


Zum 350-jährigen Jubiläum im Jahr 1982 verfasste [[Ufke Cremer]] eine Festschrift, eine weitere wurde 25 Jahre später von [[Johann Haddinga]] verfasst.
Das Hauptaugenmerk von Roses galt in den letzten 16 Jahren seines Wirkens den Deichen. Von 1972 bis 1986 wurden der Deichabschnitt von Neuwesteel bis Dreihusen, nördlich von Dornum, erhöht und verstärkt, die Gefahrenstellen bei Neßmersiel und Hilgenriedersiel beseitigt, in Norddeich der westliche Hafenschutzdamm gebaut, womit zugleich der große Segelschiffhafen entstand, und große Baumaßnahmen wurden am Finkenheller- und Buscherpolder ausgeführt. Insgesamt verantwortete von Rose 100 Millionen DM Baukosten, ehe er im Januar 1986 als Oberdeich- und Obersielrichter zurücktrat.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Rose.pdf Basse-Soltau, Ursula (2001): Biographie des Karl von Rose], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Den Baumaßnahmen fiel unter anderem der historische Gasthof [[Großer Krug|''Großer Krug'']] zum Opfer, an dessen Stelle im Jahr 1976 eine [[Küstenschutzhalle (Deichstraße)|Küstenschutzhalle]] erbaut wurde. Bis 1988 wurde auch der östliche Zuständigkeitsbereich der Deichacht bis nach Neßmersiel verstärkt.<ref name=":0" />


==Verwaltung==
2016 wurde eine [[Küstenschutzhalle (Ostermarscher Straße)|weitere Küstenschutzhalle]] nahe des [[Ostermarscher Kreisel|Ostermarscher Kreisels]] errichtet.
An der Spitze der Genossenschaft stand ursprünglich ein Gremium von vier Männern, deren Zahl sich aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts und bis heute fortbestehend auf zwei, dem "Ältesten und Jüngsten Vierten", reduzierte. Neben den "Vierten", denen die Verwaltung oblag, gibt es noch "Technischen Deputation" und die "Revisionskommission".


Der "Älteste Vierte" hat zudem die Aufgabe, die Interessenten und ihre Anteile bzw. Besitztümer an der Genossenschaft in einem Lagerbuch fstzuhalten. Er ist damit auch für die die Umschreibung der Weiden auf die neuen Besitzer verantwortlich. Dies kommt insbesondere durch Vererbungen zustande, Verkäufe sind ausgesprochen selten.
==Quellenverzeichnis==
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Westermarsch_I.pdf Beschreibung der Wester- und Lintelermarscher Deichacht] in der Historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* [https://www.deichacht-norden.de/ Internetseite der Deichacht Norden], abgerufen am 23. Februar 2021


==Persönlichkeiten==
== Einzelnachweise ==
Der Leegemoorgesellschaft gehörten seit ihrem Bestehen eine Vielzahl an bedeutenden Norder Persönlichkeiten an, was insbesondere an ihrer "vornehmen Geschichte" begründet ist. Bedeutende Mitglieder waren der Sohn des Begründers der Firma [[Doornkaat]], Fiepko Jan ten Doornkaat Koolmann, Sanitätsrat Gustav Steinbömer und Buchdruckereibesitzer Heinrich Soltau.
<references />
 
Der Charakter der Gesellschaft hat sich in der heutigen Zeit dahingehend geändert, dass sich aus einer ländlichen Organisation eine Kapitalgesellschaft wurde, die jedoch nach wie vor auf genossenschaftlicher Basis geführt wird. Die Stadt Norden nahm von der Gesellschaft seit den 1980er Jahren immer mehr Flächen in Erbpacht, sodass aus dem als Weideland genutzten Gebiet mit der Zeit der heutige Gewerbe- und Dienstleistungspark Leegemoor entstanden ist. Dadurch ist es der Gesellschaft als einzige der drei Traditionsgesellschaften möglich, mehr als nur symbolische Beträge an ihre Anteilseigner auszuzahlen.
 
==Trivia==
Der Landkreis Aurich hält als Rechtsnachfolger des [[Landkreis Norden]] bis heute Anteile an der Leegemoorgesellschaft inne. Hierdurch erwirtschaftet dieser jährliche Dividenden von rund 3.000 Euro.
 
==Quellenverzeichnis==
* Cremer, Ufke (1982): Up Leegmoors Wohlfahrt : 375 Jahre Leegemoorgesellschaft zu Norden, Norden, 52 S.
* Haddinga, Johann (2007): Up Leegmoors Wohlfahrt!; in: Ostfriesland Magazin Nr. 10, S. 48-51
* Schreiber, Gretje (2006): Norder Gemeinweiden im ausgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, S. 46
* Schreiber, Gretje (2008): Ein Kapitel Norder Stadtgeschichte. Leegemoorgesellschaft und Altenbürgerlande; in Heim und Herd 2008, Nr. 2-6 (5 Teile)


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
*[[Altenbürgerlande]]
*[[Entwässerungsverband Norden]]
*[[Theelacht]]
*[[Hirtenhaus (Leegemoorgesellschaft)]]


[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Körperschaften im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Leegemoor]]

Aktuelle Version vom 7. Oktober 2021, 14:17 Uhr

Deichacht Norden

Basisdaten
Gründung 1900 (1. Januar 1965)
Auflösung -
Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts
Hauptsitz Doornkaatlohne 19

26506 Norden

Die Deichacht Norden ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts zuständig für die Wartung und den Unterhalt der etwa 32,5 Kilometer langen Deichlinien des Festlands des Altkreises Norden zuständig. Mit dem Entwässerungsverband wird die Deichacht in Personalunion verwaltet und gemäß Deichgesetz von den Küstenbewohnern finanziert.

Geschichte

Der Hauptsitz der Deichacht und des Entwässerungsverbands, aufgenommen am 21. Mai 2006.

Bei Anbeginn der Besiedlung war es noch nicht notwendig, Deiche zum Schutz vor den Fluten zu errichten. Dies änderte sich erst, als der Wasserspiegel in der Zeit nach Christus immer weiter anstieg. Die Menschen begannen, ihre Behausungen auf Warften, künstlichen Erdererhöhungen zu errichten. Anfangs waren diese meiste nur wenige Dezimeter hoch, später erreichten einige von ihnen eine Höhe von bis zu fünf Metern. Zwar konnten die Menschen sich selbst und ihre Tiere vor den Fluten schützen, nicht aber ihre Felder, von deren Erträgen sie zu leben hatten und die durch das salzige Meerwasser nach Fluten unbrauchbar wurden.

Um das Jahr 1000 begann man mit dem Bau von Deichen. Anfangs war es Aufgabe der hinter der Deichlinie wohnenden Menschen, den Deich zu unterhalten. Im Gegenzug durften sie das dahinter liegende Land bestellen. Die einzelnen Deichabschnitte wurden mittels Pflöcken abgesteckt.[1]

Konnten der Anlieger den ihm zugewiesenen Deichabschnitt nicht mehr unterhalten, musste er das Land gemäß Spatenrecht aufgeben oder wurde zwangsenteignet. Besonders oft fand das Spatenrecht nach Missernten, Seuchen oder Sturmfluten statt. Insbesondere im 14. Jahrhundert verloren viele Menschen ihr Hab und Gut an die Fluten und konnten - von der Pest und schlechten Ernten geschwächt - die Deichlinien nicht mehr halten.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich nun Interessengemeinschaften, die es sich zur Aufgabe machten, den Deich gemeinschaftlich zu unterhalten. Ein alter, bis heute verwendeter Spruch besagt: Kein Deich. Kein Land. Kein Leben. Die Februarflut im Jahre 1825 gilt als die letzte schwere Sturmflut, die in Norden und Umgebung massivste Schäden anrichtete und das Ackerland versalzte. Die Anfänge der Norder Deichacht, wie wir sie heute kennen, ist wohl in dieser Zeit zu suchen, denn auf die Februarflut folgten umfangreiche Maßnahmen zur Verstärkung der Deiche, bei der eine konzertierte Durchführung erkennbar ist. Die Ursprünge der Deichachten liegen jedoch weiter zurück und sie im 16. Jahrhundert zu suchen. Wahrscheinlich ging die Gründung einher mit der Landrückgewinnungen unter Gräfin Anna von Oldenburg, die 1551 ihren Anfang nahmen.

Vermutlich einhergehend mit der Gründung von Deichachten ging auch die Gründung der Siel- bzw. Entwässerungsverbände einher, denn die Deiche hielten das Wasser nicht nur vom Land fern, sondern auch umgekehrt. Für Abflüsse mussten daher Siele erbaut werden. Im Jahr 1900 wurde die Norder Deichacht letztlich formell gegründet. Anfänglich war sie nur für die Deichlinien im Stadtgebiet zuständig. Zum 1. Januar 1965 kamen unter dem Eindruck der Februarflut 1962, als die Küste des Norderlandes nur knapp einer Katastrophe entkam, die Deichachten der Norder Umlandgemeinden hinzu: Die Westermarscher Deichacht, die Lintelermarscher Deichacht, die Ostermarscher Deichacht und die Leybuchtpolder- bzw. Wester-Charlottenpolder Deichacht. Auch die Deichacht der damals noch eingeständigen Gemeinde Nesse (heute Gemeinde Dornum) kommt zur Norder Deichacht. Bereits 1963 wurden Neuregelungen zum Küstenschutz durch das Niedersächsische Deichgesetz (NDG) erlassen. Erster Oberdeichrichter der neuen, großen Norder Deichacht wurde Karl von Rose.[2] Die Deichverstärkungsmaßnahmen dauerten bis 1988 an.

Das Hauptaugenmerk von Roses galt in den letzten 16 Jahren seines Wirkens den Deichen. Von 1972 bis 1986 wurden der Deichabschnitt von Neuwesteel bis Dreihusen, nördlich von Dornum, erhöht und verstärkt, die Gefahrenstellen bei Neßmersiel und Hilgenriedersiel beseitigt, in Norddeich der westliche Hafenschutzdamm gebaut, womit zugleich der große Segelschiffhafen entstand, und große Baumaßnahmen wurden am Finkenheller- und Buscherpolder ausgeführt. Insgesamt verantwortete von Rose 100 Millionen DM Baukosten, ehe er im Januar 1986 als Oberdeich- und Obersielrichter zurücktrat.[3] Den Baumaßnahmen fiel unter anderem der historische Gasthof Großer Krug zum Opfer, an dessen Stelle im Jahr 1976 eine Küstenschutzhalle erbaut wurde. Bis 1988 wurde auch der östliche Zuständigkeitsbereich der Deichacht bis nach Neßmersiel verstärkt.[2]

2016 wurde eine weitere Küstenschutzhalle nahe des Ostermarscher Kreisels errichtet.

Quellenverzeichnis

Einzelnachweise

  1. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 50
  2. 2,0 2,1 Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 68
  3. Basse-Soltau, Ursula (2001): Biographie des Karl von Rose, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft

Siehe auch