Zweiter Weltkrieg

Aus Norder Stadtgeschichte
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Den Zweiten Weltkrieg überstand Norden relativ glimpflich, insbesondere im Hinblick auf die fast vollständige Vernichtung der Stadt Emden durch alliierte Luftangriffe. Zwar wurde auch Norden vereinzelt Ziel von Bombardements, doch handelte es sich größtenteils um Restbomben, die britische Bomber nicht über Emden abwerfen konnten. Da Norden als nicht kriegswichtig galt und keine Rüstungsindustrie oder bedeutende Militärgelände besaß, waren Luftangriffe die Ausnahme und dienten vor allem der psychologischen Kriegsführung durch Terrorisierung der Bevölkerung.

Zur Abwehr der Luftangriffe wurden eine Vielzahl an Flakstellungen und Bunker im Stadtgebiet errichtet. Beim Einsatz an der sogenannten "Heimatflak" kommen unzählige Norder Schüler zum Einsatz, die nach heutiger Definition als Kriegsgefangene gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt kommen zudem an allen Kriegsschauplätzen ums Leben oder geraten in Kriegsgefangenschaft, aus dem die meisten entweder nicht oder nur als gebrochene Menschen zurückkehren.

Soweit nicht anders angegeben beziehen sich die Angaben auf das Kriegstagebuch des Leiters des Hauptzollamtes in Emden, der dieses für die Region geführt hat.

Verlauf

1. September 1939:

Während noch der Einmarsch der Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland sowie der "Anschluss" Österreichs und Tschechiens bejubelt wurde, löst der kriegerische Akt gegen Polen teilweise Entsetzen, teilweise Gleichgültigkeit und nur vereinzelt Jubeln in der Bevölkerung aus.[1]

3. September 1939:

Auch die Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs löst zunächst keine Unruhe in der Bevölkerung aus. Vielmehr ist man der Ansicht, dass das Reich stark genug sei, um den Krieg zu gewinnen. Eine Kriegsbegeisterung ist jedoch auch weiterhin nicht zu vernehmen.[1]

Ab Oktober 1939:

An allen kriegswichtigen Anlagen der Umgebung, etwa beim Sender Osterloog oder bei Norddeich Radio werden Flakstellungen errichtet.[2]

16. September 1940:

Im Bezirk Norden werden einige Bomben geworfen, es entsteht nur ein geringer Sachschaden.

16. November 1940:

In Norden fallen zwei Sprengbomben. Es kommt zu einigen Häuserschaden.

17. Januar 1941:

In Norden werden einige Häuser durch Sprengbomben zerstört. Es gibt drei Tote und mehrere Verletzte.

6. November 1942:

Auf Norden werden vier Bomben geworfen. Es gibt fünf Tote und mehrere Verletzte. Vier Häuser werden vernichtet, viele weitere beschädigt. In der näheren Umgebung gibt es auch Beschuss durch Bordwaffen.

15. Januar 1943:

Ein feindliches Flugzeug greift die Stadt an und wirft vier Bomben. Es entsteht ein erheblicher Häuserschaden. Ein Toter und mehrere Verletzte sind zu beklagen.

18. September 1944:

Zur Nachtzeit erfolgen bei Norden, bei Marienhafe und Siegelsum Überfälle durch Tiefflieger mit Bordwaffen und Brandbomben auf Militärlastkraftzüge. Mehrere Fahrzeuge brennen aus, es gibt mehrere Tote

30. September 1944:

Am Abend erfolgt ein Angriff feindlicher Tiefflieger mit Bordwaffen auf Norden.

6. April 1945:

Die Bombenabwürfe in Norden und der Umgebung werden seltener; dagegen kommt es immer wieder zu Tieffliegern, die die Bevölkerung terrorisieren, obwohl der Krieg längst verloren ist. Viele Einwohner verlassen Emden. Eisenbahnen und Landstraßen sind nur noch zur Nachtzeit benutzbar. Besonders in der Endphase des Krieges kommt es zu zahlreichen Kriegsverbrechen durch die britische Luftwaffe. Vor allem durch den Beschuss der auf das Land ausweichenden Zivilisten sind viele weitere Todesopfer zu beklagen. Längs der Landstraße nach Norden und Aurich liegen unzählige zerschossene Fahrzeuge. Noch am selben Tag schließt das Finanzamt Aurich seinen Dienstbetrieb.

20. April 1945:

NSDAP-Kreisleiter Lenhard Everwien hält seine vorletzte Rede im Deutschen Haus, in dem er die Zuhörer des vollbesetzten Saals auf Adolf Hitler (der an diesem Tag Geburtstag hat) und auf einen Kampf bis zum Tode einschwört. Zu diesem Zeitpunkt stehen die alliierten Streitkräfte bereits vor Leer.[3]

23. April 1945:

Erneut fallen Bomben auf Norden und auch auf Aurich.

4. Mai 1945:

Zunächst erreichen kanadische Truppen die Stadt, später kommen britische hinzu. Sie nehmen Norden kampflos ein. Fortan übernimmt die britische Militärregierung die Macht.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 65
  2. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 65
  3. Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 54

Siehe auch