Am Markt 57: Unterschied zwischen den Versionen
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Vor dem Bau des heutigen Gebäudes befand sich hier ein grob an die [[Ackerbauschule]] befindliches Wohnhaus.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref> | '''Am Markt 57''' befindet sich eine im Jahre 1912 errichtete, heute unter Denkmalschutz stehende Stadtvilla.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref> | ||
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==Geschichte== | |||
Als erster Besitzer eines Hauses auf dem Grund der heutigen Anschrift ''[[Am Markt]] 57'' wurde im Jahre 1544 [[Ulrich Ocken]] genannt.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 133</ref> | |||
Wenngleich über Ocken wenig bekannt ist, war seine Ehefrau Abbe Hayen umso bemerkenswerter, da sie ein für damalige Zeiten biblisches Alter von 90-100 Jahren erreicht haben soll. Sie starb am 16. Juni 1592, als der gemeinsame Sohn, Eggerich Ulrichen, im Gefängnis in Berum.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 134</ref> Am 13. September 1591 wurde er gemeinsam mit [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]] und [[Otto Loringa]] sowie weiteren einflussreichen Norder Bürgern auf Befehl von [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] festgenommen. Der Vorwurf lautete unter anderem auf Rebellion.<ref name=":0" /><ref name=":1">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 52</ref> Ursächlich war, dass Edzard II. die bisher von der Norder Bürgerschaft gewählten [[Schüttemeister]] zu gräflichen Beamten machte und der Bürgerschaft so großen Einfluss auf die Stadtverwaltung nahm. Daraufhin beschloss die Bürgerschaft eine Neuwahl der Schüttemeister, was Edzard II. als Verrat betrachtete. Nach einer Verhandlung vor dem Reichsgericht in Speyer wurden die Gefangenen nach gut elf Monaten wieder freigelassen. Verteidigt wurden sie von Rechtsanwalt [[Hector Friedrichs von Wicht]], der mit ihnen im Jahre 1600 von [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] als neue Bürgermeister eingesetzt wurde.<ref name=":1" /> Zur Beerdigung seiner Mutter wurde Eggerich unter der Bedingung, freiwillig zurück in Haft zu kehren, Freigang gewährt. Eggerich verstarb kinderlos am 9. April 1606.<ref name=":0" /> | |||
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Am 10. November 1766 wurde der Auskultator (Bezeichnung für die unbezahlte erste gerichtliche Ausbildungsstufe für Juristen nach der Universität) Loth für 1.235 Gulden neuer Besitzer des Hauses. Dieser erbaute auf dem Grund ein neues Haus nebst Scheune.<ref name=":0" /> | |||
Das neue Haus hatte einen wesentlich größeren Verkehrswert als das alte, sodass der neue Eigentümer, der bekannte Norder Rechtsanwalt [[Johan Volrad Kettler]], der mit [[Anna Jhering]] verheiratet war, bereits 3.000 Gulden bezahlen musste. Nachfolgende ersteigerte der Ratsherr [[Ulrich Harringa Wenckebach]] das Haus am 3. Juni 1793 für 2.300 Gulden in Gold.<ref name=":0" /> | |||
Seit 1849 waren die Erben des G. J. H. Taaks Besitzer von Haus und Grund. Um 1885 kam schließlich der Lehrer [[Carl Siemons]] in den Besitz, ehe es von [[Heinrich Soltau]] ([[Ostfriesischer Kurier]]) erworben, abgebrochen und 1904 neu erbaut wurde.<ref name=":2">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 135</ref> Vor dem Bau des heutigen Gebäudes befand sich hier ein grob an die [[Ackerbauschule]] befindliches Wohnhaus.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref> | |||
Nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde das Haus von der britischen Besatzungsmacht requiriert (beschlagnahmt) und noch bis 1948 als Offiziersmesse benutzt. Der Familie Soltau gaben die Briten lediglich 12 Stunden Zeit, ihr Heim zu räumen.<ref name=":2" /> Nach dem Tode der Eheleute Soltau kam das Haus in den Besitz von Ingeborg (geb. Soltau) und ihrem Ehemann, dem Luftraum- und Waffeningenieurs [[Uvo Pauls]].<ref name=":3">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 135</ref><ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 25</ref> | |||
Nach dem Tode des Ehepaares Pauls wiederum erbte die Tochter [[Theda Krumhoff]] das Haus. Seit 1992 war das Haus dann die Arztpraxis von [[Charlotte Wauschkuhn]].<ref name=":3" /> | |||
2020 wurde das Gebäude an einen berüchtigten Leezdorfer Immobilieneigentümer verkauft. Seitdem wird es dem Verfall überlassen. | |||
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==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
Version vom 28. Februar 2024, 16:29 Uhr
Am Markt 57 | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Entstehungszeit | 1904 |
| Erbauer | Heinrich Soltau |
| Bauweise | Stadtvilla |
| Erhaltungszustand | erhalten |
| Genaue Lage | Am Markt 57
26506 Norden |
Am Markt 57 befindet sich eine im Jahre 1912 errichtete, heute unter Denkmalschutz stehende Stadtvilla.[1]
Geschichte
Als erster Besitzer eines Hauses auf dem Grund der heutigen Anschrift Am Markt 57 wurde im Jahre 1544 Ulrich Ocken genannt.[2]
Wenngleich über Ocken wenig bekannt ist, war seine Ehefrau Abbe Hayen umso bemerkenswerter, da sie ein für damalige Zeiten biblisches Alter von 90-100 Jahren erreicht haben soll. Sie starb am 16. Juni 1592, als der gemeinsame Sohn, Eggerich Ulrichen, im Gefängnis in Berum.[3] Am 13. September 1591 wurde er gemeinsam mit Hayo Rykena und Otto Loringa sowie weiteren einflussreichen Norder Bürgern auf Befehl von Graf Edzard II. festgenommen. Der Vorwurf lautete unter anderem auf Rebellion.[3][4] Ursächlich war, dass Edzard II. die bisher von der Norder Bürgerschaft gewählten Schüttemeister zu gräflichen Beamten machte und der Bürgerschaft so großen Einfluss auf die Stadtverwaltung nahm. Daraufhin beschloss die Bürgerschaft eine Neuwahl der Schüttemeister, was Edzard II. als Verrat betrachtete. Nach einer Verhandlung vor dem Reichsgericht in Speyer wurden die Gefangenen nach gut elf Monaten wieder freigelassen. Verteidigt wurden sie von Rechtsanwalt Hector Friedrichs von Wicht, der mit ihnen im Jahre 1600 von Graf Enno III. als neue Bürgermeister eingesetzt wurde.[4] Zur Beerdigung seiner Mutter wurde Eggerich unter der Bedingung, freiwillig zurück in Haft zu kehren, Freigang gewährt. Eggerich verstarb kinderlos am 9. April 1606.[3]
Die Erben des Eggerich Ulrichen, zu denen auch Leutnant Albrecht Gnapheus gehörte, blieben bis mindestens 1681 im Besitz des Hauses. 1722 wird ein Monseiru Siepecio erwähnt. Als weiterer Eigentümer ist der Sekretär Hüneken zu Bremen verzeichnet, der das Haus seiner Tochter Marie und ihrem Ehemann Dr. Motz zu Bremen vererbte. Das Bremer Ehepaar vermietete das Haus an Juliane Luise Jhering, die es schließlich am 22. Juli 1758 für 840 Gulden erwarb.[3]
Am 10. November 1766 wurde der Auskultator (Bezeichnung für die unbezahlte erste gerichtliche Ausbildungsstufe für Juristen nach der Universität) Loth für 1.235 Gulden neuer Besitzer des Hauses. Dieser erbaute auf dem Grund ein neues Haus nebst Scheune.[3]
Das neue Haus hatte einen wesentlich größeren Verkehrswert als das alte, sodass der neue Eigentümer, der bekannte Norder Rechtsanwalt Johan Volrad Kettler, der mit Anna Jhering verheiratet war, bereits 3.000 Gulden bezahlen musste. Nachfolgende ersteigerte der Ratsherr Ulrich Harringa Wenckebach das Haus am 3. Juni 1793 für 2.300 Gulden in Gold.[3]
Seit 1849 waren die Erben des G. J. H. Taaks Besitzer von Haus und Grund. Um 1885 kam schließlich der Lehrer Carl Siemons in den Besitz, ehe es von Heinrich Soltau (Ostfriesischer Kurier) erworben, abgebrochen und 1904 neu erbaut wurde.[5] Vor dem Bau des heutigen Gebäudes befand sich hier ein grob an die Ackerbauschule befindliches Wohnhaus.[6]
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus von der britischen Besatzungsmacht requiriert (beschlagnahmt) und noch bis 1948 als Offiziersmesse benutzt. Der Familie Soltau gaben die Briten lediglich 12 Stunden Zeit, ihr Heim zu räumen.[5] Nach dem Tode der Eheleute Soltau kam das Haus in den Besitz von Ingeborg (geb. Soltau) und ihrem Ehemann, dem Luftraum- und Waffeningenieurs Uvo Pauls.[7][8]
Nach dem Tode des Ehepaares Pauls wiederum erbte die Tochter Theda Krumhoff das Haus. Seit 1992 war das Haus dann die Arztpraxis von Charlotte Wauschkuhn.[7]
2020 wurde das Gebäude an einen berüchtigten Leezdorfer Immobilieneigentümer verkauft. Seitdem wird es dem Verfall überlassen.
Beschreibung
Das Gebäude ist ein eingeschossiger Putzbau unter Mansarddach mit geschweiftem Zwerchgiebel. Die Straßenfront ziert ein halbrunder Vorbau mit Säulengliederung.
Galerie
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Aufnahme von 1943.
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Aufnahme vom 6. April 2003.
Einzelnachweise
- ↑ Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 11. November 2021
- ↑ Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 133
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 134
- ↑ 4,0 4,1 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 52
- ↑ 5,0 5,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 135
- ↑ Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38
- ↑ 7,0 7,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 135
- ↑ Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 25