Erster Weltkrieg: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Vom '''Ersten Weltkrieg''' war Norden, anders als während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] oder des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] nicht unmittelbar betroffen. Zwar zogen viele Männer (freiwillig und unfreiwillig) in den Krieg und auch zahlreiche Norder Frauen mussten im Hinterland, beispielsweise in den zahlreichen Lazaretten in den Stadt ihren Kriegsdienst leisten, doch blieb die Stadt von direkten Angriffen verschont. Doch wie jeder Krieg brachte auch der Erste Weltkrieg schwerwiegende Einschnitte in den Alltag der Menschen mit sich, insbesondere bei der Nahrungsmittelversorgung. Auch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel nach dem Krieg, die Ausrufung der Weimarer Republik und die gravierende Inflation, führten zu nicht unerheblichen Umbrüchen.
 
==Verlauf==
Schon kurz nach Kriegsbeginn begann man, die Schüler der [[Liste der Schulen im Stadtgebiet|Norder Schulen]] und des Umlands zu Erntearbeiten heranzuziehen, da viele der Landarbeiter kriegsbedingt nicht verfügbar waren. Auch durch Einquartierung von Soldaten, wie im Falle der [[Itzendorfer Schule]], wo Soldaten zur Bewachung der Funkstation [[Norddeich Radio]] abgestellt waren, kam der Schulunterricht gehäuft zum Erliegen.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 60</ref> Zur Rationierung der knapper werden Rohstoffe und Lebensmittel wurden Bezugskarten eingeführt und jedermann nur ein gewisses Kontigent als persönlicher Bedarf zugeteilt. In all der Not hielten die Norder jedoch zusammen, insbesondere die Frauen der im Feld stehenden Soldaten veranstalteten Wohltätigkeitsveranstaltungen u.ä., um mit den Erlösen ihre Männer zu unterstützen.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 61</ref>
 
Einen ersten (und wahrscheinlich auch einzigen) ''Feindkontakt'' gab es am 8. Januar 1916. Seeseits des Deichs, nahe des [[Roter Pfahl|Roten Pfahls]], stürzte ein Wasserflugzeug ab. Der Pilot wurde zunächst gerettet, verstarb jedoch später an seinen Verletzungen. Sein Begleiter ertrank noch in den Fluten.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 62</ref>
 
Je länger der Krieg andauerte, umso schwieriger wurde die Versorungslage der Zivilbevölkerung. Insbesondere in dem strengen Winter der Kriegsjahre 1917 und 1918 litten die Norder unter dem Kohlemangel. Besonders schwerwiegend war dies für die ärmeren Schichten, die sich kaum die horrenden Preise für dieses knappe Gut leisten konnten. Der Schulunterricht an allen höheren Schulen wurden auf höchste Anordnung der kaiserlichen Regierung in Berlin geschlossen, vor allem auch, um den allgemeinen Kohlebedarf zu senken.<ref name=":0" />
 
Im letzten Kriegsjahr kam es gehäuft zu Hamsterfahrten von Menschen aus dem Rheinland und Westfalen, die versuchten, sich bei den reichen [[Marsch|Marschbauern]], die anders als der große Rest der Bevölkerung, noch ausreichend Vorräte hatten, die sie horteten und meist nicht bereit waren, zu teilen. Diese Hamsterfahrten setzten sich noch bis 1920 fort.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 63</ref>
 
In den unsicheren Zeiten nach dem Krieg entstand in [[Westermarsch]] eine [[Bürgerwehr]], die jedoch nicht lange Bestand hatte.
 
==Einzelnachweise==
<references />
 
==Siehe auch==
*[[Zweiter Weltkrieg|Norden während des Zweiten Weltkriegs]]
 
[[Kategorie:Ereignisse]]

Version vom 17. Juni 2021, 16:01 Uhr

Vom Ersten Weltkrieg war Norden, anders als während des Dreißigjährigen Krieges oder des Zweiten Weltkriegs nicht unmittelbar betroffen. Zwar zogen viele Männer (freiwillig und unfreiwillig) in den Krieg und auch zahlreiche Norder Frauen mussten im Hinterland, beispielsweise in den zahlreichen Lazaretten in den Stadt ihren Kriegsdienst leisten, doch blieb die Stadt von direkten Angriffen verschont. Doch wie jeder Krieg brachte auch der Erste Weltkrieg schwerwiegende Einschnitte in den Alltag der Menschen mit sich, insbesondere bei der Nahrungsmittelversorgung. Auch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel nach dem Krieg, die Ausrufung der Weimarer Republik und die gravierende Inflation, führten zu nicht unerheblichen Umbrüchen.

Verlauf

Schon kurz nach Kriegsbeginn begann man, die Schüler der Norder Schulen und des Umlands zu Erntearbeiten heranzuziehen, da viele der Landarbeiter kriegsbedingt nicht verfügbar waren. Auch durch Einquartierung von Soldaten, wie im Falle der Itzendorfer Schule, wo Soldaten zur Bewachung der Funkstation Norddeich Radio abgestellt waren, kam der Schulunterricht gehäuft zum Erliegen.[1] Zur Rationierung der knapper werden Rohstoffe und Lebensmittel wurden Bezugskarten eingeführt und jedermann nur ein gewisses Kontigent als persönlicher Bedarf zugeteilt. In all der Not hielten die Norder jedoch zusammen, insbesondere die Frauen der im Feld stehenden Soldaten veranstalteten Wohltätigkeitsveranstaltungen u.ä., um mit den Erlösen ihre Männer zu unterstützen.[2]

Einen ersten (und wahrscheinlich auch einzigen) Feindkontakt gab es am 8. Januar 1916. Seeseits des Deichs, nahe des Roten Pfahls, stürzte ein Wasserflugzeug ab. Der Pilot wurde zunächst gerettet, verstarb jedoch später an seinen Verletzungen. Sein Begleiter ertrank noch in den Fluten.[3]

Je länger der Krieg andauerte, umso schwieriger wurde die Versorungslage der Zivilbevölkerung. Insbesondere in dem strengen Winter der Kriegsjahre 1917 und 1918 litten die Norder unter dem Kohlemangel. Besonders schwerwiegend war dies für die ärmeren Schichten, die sich kaum die horrenden Preise für dieses knappe Gut leisten konnten. Der Schulunterricht an allen höheren Schulen wurden auf höchste Anordnung der kaiserlichen Regierung in Berlin geschlossen, vor allem auch, um den allgemeinen Kohlebedarf zu senken.[3]

Im letzten Kriegsjahr kam es gehäuft zu Hamsterfahrten von Menschen aus dem Rheinland und Westfalen, die versuchten, sich bei den reichen Marschbauern, die anders als der große Rest der Bevölkerung, noch ausreichend Vorräte hatten, die sie horteten und meist nicht bereit waren, zu teilen. Diese Hamsterfahrten setzten sich noch bis 1920 fort.[4]

In den unsicheren Zeiten nach dem Krieg entstand in Westermarsch eine Bürgerwehr, die jedoch nicht lange Bestand hatte.

Einzelnachweise

  1. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 60
  2. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 61
  3. 3,0 3,1 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 62
  4. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 63

Siehe auch