Haus Samson: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Haus Samson''' ist ein um 1825 errichtetes und heute unter Denkmalschutz stehendes Gebäude.<ref name=":0">Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 35</ref> Ursprünglich von der [[Heinz Samson|Familie Samson]] errichtet, kam es nach 1938 in den Besitz von [[Johannes Amt|Dr. Amt]], der hier lange Zeit seine Arztpraxis hatte.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 172</ref> Der Gebäudekern stammt, wie bei vielen Häusern des [[Neuer Weg|Neuen Wegs]], bereits aus dem 16. Jahrhundert.<ref name=":1">Sparkasse Aurich-Norden (2002): Neuer Weg in Norden (Werbeflyer)</ref>
Das '''Haus Samson''' ist ein um 1825 errichtetes und heute unter Denkmalschutz stehendes Gebäude.
 
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==Geschichte==
==Geschichte==
Das Gebäude wurde um 1825<ref name=":0">Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 35</ref> von der Familie Samson errichtet, deren bekanntester Vertreter wohl [[Heinz Samson]] war, nach dem die [[Samson-Allee]] beim [[Parkfriedhof]] in [[Ostlintel]] benannt wurde. Der Gebäudekern stammt, wie bei vielen Häusern des [[Neuer Weg|Neuen Wegs]], bereits aus dem 16. Jahrhundert.<ref name=":1">Sparkasse Aurich-Norden (2002): Neuer Weg in Norden (Werbeflyer)</ref>
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Als die SA in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zahlreiche jüdische Häuser heimsuchte, plünderten sie auch das Samson'sche Haus. Nachdem die Familie Anzeige gegen die SA-Männer erstattet hatte, führte die [[Polizei Norden|Polizei]] Ermittlungen gegen diese. Der Kriminalbeamte Jäger fand heraus, dass die SA die gestohlenen Gegenstände in ihr ''Sturmlokal'', den [[Gasthof Zur Börse]], gebracht hatten. Jäger schrieb daraufhin an den verantwortlichen [[Lenhard Everwien|NSDAP-Kreisleiter Everwien]], der zwar zumindest die der Familie Samson geraubten Gegenstände zurückführen ließ, die weiteren Ermittlungen aber dadurch behinderte, dass er anordnete, die weiteren Ermittlungen in die Zuständigkeit der NSDAP zu ziehen.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 307</ref>
Als die SA in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zahlreiche jüdische Häuser heimsuchte, plünderten sie auch das Samson'sche Haus. Nachdem die Familie Anzeige gegen die SA-Männer erstattet hatte, führte die [[Polizei Norden|Polizei]] Ermittlungen gegen diese. Der Kriminalbeamte Jäger fand heraus, dass die SA die gestohlenen Gegenstände in ihr ''Sturmlokal'', den [[Gasthof Zur Börse]], gebracht hatten. Jäger schrieb daraufhin an den verantwortlichen [[Lenhard Everwien|NSDAP-Kreisleiter Everwien]], der zwar zumindest die der Familie Samson geraubten Gegenstände zurückführen ließ, die weiteren Ermittlungen aber dadurch behinderte, dass er anordnete, die weiteren Ermittlungen in die Zuständigkeit der NSDAP zu ziehen.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 307</ref>


Das heutige Krüppelwalmdach stammt von 1951, das ursprüngliche Gesims wurde 1946 abgebrochen, da sich hier aufgrund eines fehlenden Dachüberstands häufig Regenwasser anstaute. 2001 wurde das Gesims  im Auftrag der [[Sparkasse Aurich-Norden]] restauriert (natürlich ohne den Baufehler) und das Gebäude im Erdgeschoss umgebaut.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Man orientierte sich an den historischen Plänen, nachdem die Fassade 1957 völlig verändert worden war. 1969 wurde dann auch die Lücke zwischen dem Haus Samson und dem benachbarten [[Speicher de Hoop]] durch einen Mittelbau geschlossen.<ref name=":0" />
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Das heutige Krüppelwalmdach stammt von 1951, das ursprüngliche Gesims wurde 1946 abgebrochen, da sich hier aufgrund eines fehlenden Dachüberstands häufig Regenwasser anstaute. 2001 wurde das Gesims  im Auftrag der [[Sparkasse Aurich-Norden]] restauriert (natürlich ohne den Baufehler) und das Gebäude im Erdgeschoss umgebaut.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Man orientierte sich an den historischen Plänen, nachdem die Fassade 1957 völlig verändert worden war. 1969 wurde dann auch die Lücke zwischen dem Haus Samson und dem benachbarten [[Speicher de Hoop]] durch einen Mittelbau geschlossen.<ref name=":0" />
 
==Galerie==
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Haus de Löwe]]
*[[Haus Wolff]]
*[[Haus Wolff]]
*[[Liste der Häuser am Neuen Weg]]
*[[Liste der Häuser am Neuen Weg]]

Aktuelle Version vom 28. Oktober 2024, 19:04 Uhr

Haus Samson

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Basisdaten
Entstehungszeit um 1825 (16. Jhdt.)
Erbauer Familie Samson
Bauweise verputzter Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Neuer Weg 70

26506 Norden

Das Haus Samson ist ein um 1825 errichtetes und heute unter Denkmalschutz stehendes Gebäude.

Geschichte

Das Gebäude wurde um 1825[1] von der Familie Samson errichtet, deren bekanntester Vertreter wohl Heinz Samson war, nach dem die Samson-Allee beim Parkfriedhof in Ostlintel benannt wurde. Der Gebäudekern stammt, wie bei vielen Häusern des Neuen Wegs, bereits aus dem 16. Jahrhundert.[2]

Die Familie Samson gehörte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung und Verfolgung zu den wohlhabendsten Familien Nordens sowie zu den größten Kaufmännern Ostfrieslands. Durch Vieh- und Getreidehandel hatten sie es zu ansehnlichem Wohlstand gebracht.[3]

Als die SA in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zahlreiche jüdische Häuser heimsuchte, plünderten sie auch das Samson'sche Haus. Nachdem die Familie Anzeige gegen die SA-Männer erstattet hatte, führte die Polizei Ermittlungen gegen diese. Der Kriminalbeamte Jäger fand heraus, dass die SA die gestohlenen Gegenstände in ihr Sturmlokal, den Gasthof Zur Börse, gebracht hatten. Jäger schrieb daraufhin an den verantwortlichen NSDAP-Kreisleiter Everwien, der zwar zumindest die der Familie Samson geraubten Gegenstände zurückführen ließ, die weiteren Ermittlungen aber dadurch behinderte, dass er anordnete, die weiteren Ermittlungen in die Zuständigkeit der NSDAP zu ziehen.[4]

Nach der Enteignung kam das Gebäude in den Besitz von Dr. Amt, der hier lange Zeit seine Arztpraxis hatte.[5]

Nahezu alle Familienmitglieder wurden 1940 in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Lediglich der junge Heinz Samson konnte 1939 nach England fliehen.[3]

Das heutige Krüppelwalmdach stammt von 1951, das ursprüngliche Gesims wurde 1946 abgebrochen, da sich hier aufgrund eines fehlenden Dachüberstands häufig Regenwasser anstaute. 2001 wurde das Gesims im Auftrag der Sparkasse Aurich-Norden restauriert (natürlich ohne den Baufehler) und das Gebäude im Erdgeschoss umgebaut.[1][2] Man orientierte sich an den historischen Plänen, nachdem die Fassade 1957 völlig verändert worden war. 1969 wurde dann auch die Lücke zwischen dem Haus Samson und dem benachbarten Speicher de Hoop durch einen Mittelbau geschlossen.[1]

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 35
  2. 2,0 2,1 Sparkasse Aurich-Norden (2002): Neuer Weg in Norden (Werbeflyer)
  3. 3,0 3,1 Unbekannter Autor: Wir wohnten neben euch. Norden zur Zeit des Nationalsozialismus (Online-Publikation als .pdf-Dokument)
  4. Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 307
  5. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 172

Siehe auch