Schlachthof: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Schlachthof'''
Der '''Schlachthof''' an der danach benannten [[Schlachthausstraße]] befindet sich in unmittelbarer Nähe zum [[Norder Hafen]]. Er wurde ursprünglich für die [[Schlachterzunft|städtischen Schlachter]] im Jahre 1890 erbaut.
 
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==Geschichte==
Ursprünglich befand sich das Gebiet auf dem Grund der [[Westermarsch I|Gemeinde Westermarsch I]] und wurde ihr, ebenso wie das Gelände des benachbarten [[Gaswerk|Gaswerks]], von der Stadt abgekauft, da in der [[Kernstadt]] kein Platz dafür war.
 
Während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die in Norden lebenden [[Jüdische Gemeinde Norden|Juden]] anhand einer ''Judenkartei'' von der SA zusammengetrieben, gedemütigt und zum Schlachthof getrieben, wo sie in Viehboxen gesperrt, mit Stromschlägen gefoltert und anschließend ''verhört'' wurden. Während dieser Stunden wurden die jüdischen Wohnungen durchsucht, wobei das Bargeld beschlagnahmt und viel anderes gestohlen wurde.<ref name=":32">[https://www.alemannia-judaica.de/norden_synagoge.htm Norden (Kreis Aurich, Ostfriesland): Jüdische Geschichte / Synagoge]  auf Alemannia Judaica, abgerufen am 14. April 2021</ref> Erst als [[Lenhard Everwien|NSDAP-Kreisleiter Everwien]] von der unwürdigen Aktion erfuhr, wurden zumindest die über 50 Jahre alten Männer und Frauen freigelassen.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 305</ref>
 
Am nächsten Tag wurden die Gepeinigten zunächst zu Aufräumarbeiten an der Synagoge eingesetzt, wobei die SA sie zwang, noch erhaltene Kultgegenstände zu verbrennen. Anschließend wurden die Frauen entlassen und die Männer zum Teil in der Schule, zum Teil im [[Gefängnis|Norder Gefängnis]] untergebracht. Am 11. November wurden sie schließlich zusammen mit etwa 200 anderen jüdischen Ostfriesen nach Oldenburg ''überstellt'', wo sie in einer Kaserne zusammengetrieben wurden. Etwa 1.000 jüdische Ostfriesen, Oldenburger und Bremer wurden anschließend mit einem Zug in das Konzentrationslager Sachsenhausen nördlich von Berlin deportiert, wo sie bis Dezember 1938 oder Anfang 1939 inhaftiert blieben.<ref name=":42">Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 242</ref>
 
Umfangreiche Sanierungsarbeiten wurden 1959 und 1997 vorgenommen. Das gesamte Gebäudeensemble (mit Nebengebäuden) steht heute unter Denkmalschutz.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref> Im Zuge der letztgenannten Modernisierung gründeten die Norder Schlachter die Erzeugergemeinschaft ''Norder Fleisch - Die Gläserne Kette'', mit der regionales Fleisch transparent beworben und verkauft wurden.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 90</ref><ref>[http://www.die-glaeserne-kette.de/ Internetseite von ''Norder Fleisch - Die Gläserne Kette''], abgerufen am 16. August 2021</ref> Heute wird der Schlachthof nur noch von einem ortsansässigen Schlachter genutzt, der hier montags Schlachtungen durchführt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude beherbergt mittlerweile mehrere Wohnungen.
 
==Sonstiges==
Ein Schlachthaus hat es wohl bereits im [[Kloster Marienthal]] gegeben, das auch nach der Säkularisation noch als solches Weiterverwendung gefunden hat.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 61</ref> Vorwiegend wurden jedoch noch bis in das späte 20. Jahrhundert Hausschlachtungen durchgeführt, vor allem in der 1919 eingemeindeten [[Sandbauerschaft]].
 
Bis zum Aufkommen des Kraftfahrzeugverkehrs und noch lange danach wurden die zu schlachtenden Tiere, insbesondere Schweine, von den Höfen über die Straßen bis zum Schlachthof getrieben.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 115</ref> Heute wäre dies kaum noch vorstellbar.
 
Zwischen 1965 und 1975 wurden pro Woche etwa 305 Schweine und 15 Großtiere geschlachtet. Heute sind es nur noch etwa sechs bis acht.<ref>Angaben eines facebook-Nutzers unter dem Beitrag vom 9. Oktober 2022</ref>
 
==Galerie==
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Datei:Schlachthausstrasse 12 05052019.jpg|Der Schlachthof in der Schlachthausstraße - Aufnahme vom 5. Mai 2019.
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Zunft- und Gildewesen]]
*[[Gaswerk]]
* [[Zunft- und Gildewesen]]


[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]

Aktuelle Version vom 11. Oktober 2022, 04:11 Uhr

Schlachthof

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Basisdaten
Entstehungszeit 1890
Erbauer Stadt Norden
Bauweise Schlachthof
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Schlachthausstraße 12

26506 Norden

Der Schlachthof an der danach benannten Schlachthausstraße befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Norder Hafen. Er wurde ursprünglich für die städtischen Schlachter im Jahre 1890 erbaut.

Geschichte

Ursprünglich befand sich das Gebiet auf dem Grund der Gemeinde Westermarsch I und wurde ihr, ebenso wie das Gelände des benachbarten Gaswerks, von der Stadt abgekauft, da in der Kernstadt kein Platz dafür war.

Während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die in Norden lebenden Juden anhand einer Judenkartei von der SA zusammengetrieben, gedemütigt und zum Schlachthof getrieben, wo sie in Viehboxen gesperrt, mit Stromschlägen gefoltert und anschließend verhört wurden. Während dieser Stunden wurden die jüdischen Wohnungen durchsucht, wobei das Bargeld beschlagnahmt und viel anderes gestohlen wurde.[1] Erst als NSDAP-Kreisleiter Everwien von der unwürdigen Aktion erfuhr, wurden zumindest die über 50 Jahre alten Männer und Frauen freigelassen.[2]

Am nächsten Tag wurden die Gepeinigten zunächst zu Aufräumarbeiten an der Synagoge eingesetzt, wobei die SA sie zwang, noch erhaltene Kultgegenstände zu verbrennen. Anschließend wurden die Frauen entlassen und die Männer zum Teil in der Schule, zum Teil im Norder Gefängnis untergebracht. Am 11. November wurden sie schließlich zusammen mit etwa 200 anderen jüdischen Ostfriesen nach Oldenburg überstellt, wo sie in einer Kaserne zusammengetrieben wurden. Etwa 1.000 jüdische Ostfriesen, Oldenburger und Bremer wurden anschließend mit einem Zug in das Konzentrationslager Sachsenhausen nördlich von Berlin deportiert, wo sie bis Dezember 1938 oder Anfang 1939 inhaftiert blieben.[3][4]

Umfangreiche Sanierungsarbeiten wurden 1959 und 1997 vorgenommen. Das gesamte Gebäudeensemble (mit Nebengebäuden) steht heute unter Denkmalschutz.[5] Im Zuge der letztgenannten Modernisierung gründeten die Norder Schlachter die Erzeugergemeinschaft Norder Fleisch - Die Gläserne Kette, mit der regionales Fleisch transparent beworben und verkauft wurden.[6][7] Heute wird der Schlachthof nur noch von einem ortsansässigen Schlachter genutzt, der hier montags Schlachtungen durchführt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude beherbergt mittlerweile mehrere Wohnungen.

Sonstiges

Ein Schlachthaus hat es wohl bereits im Kloster Marienthal gegeben, das auch nach der Säkularisation noch als solches Weiterverwendung gefunden hat.[8] Vorwiegend wurden jedoch noch bis in das späte 20. Jahrhundert Hausschlachtungen durchgeführt, vor allem in der 1919 eingemeindeten Sandbauerschaft.

Bis zum Aufkommen des Kraftfahrzeugverkehrs und noch lange danach wurden die zu schlachtenden Tiere, insbesondere Schweine, von den Höfen über die Straßen bis zum Schlachthof getrieben.[9] Heute wäre dies kaum noch vorstellbar.

Zwischen 1965 und 1975 wurden pro Woche etwa 305 Schweine und 15 Großtiere geschlachtet. Heute sind es nur noch etwa sechs bis acht.[10]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Norden (Kreis Aurich, Ostfriesland): Jüdische Geschichte / Synagoge auf Alemannia Judaica, abgerufen am 14. April 2021
  2. Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 305
  3. Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich
  4. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 242
  5. Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 11. November 2021
  6. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 90
  7. Internetseite von Norder Fleisch - Die Gläserne Kette, abgerufen am 16. August 2021
  8. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 61
  9. Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 115
  10. Angaben eines facebook-Nutzers unter dem Beitrag vom 9. Oktober 2022

Siehe auch