Am Markt 32: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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'''Am Markt 32''' befindet sich eines der wenigen Häuser [[Am Markt]], das - aus unbekannten Gründen - nicht unter Denkmalschutz steht.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 10. November 2021</ref>
'''Am Markt 32''' befindet sich eines der wenigen Häuser [[Am Markt]], das - aus unbekannten Gründen - nicht unter Denkmalschutz steht.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 10. November 2021</ref>
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==Geschichte==
In der ''Ost-Friesischen Chronik'' berichtet der ostfriesische Pastor und Geschichtsschreiber Christian Funck, dass südlich neben der [[Westerpastorei]] ([[Am Markt]] 33) der Glasmaler [[David Joris]] (oder Jürgens) wohnte. Joris bzw. Jürgens wurde 1501 in Delft in Holland geboren. Er trat den Wiedertäufern bei und ließ sich von Ubbo Philipps zum Lehrer ausbildungen. 1537 wurden 35 Wiedertäufer hingerichtet, unter ihnen befand sich auch seine Mutter. Joris wurde vom Scharfrichter entstellt, indem dieser ihm die Zunge durchstieß. Wie so viele niederländische Glaubensflüchtlinge jener Zeit kam auch Joris nach Ostfriesland, nachdem 1539 ein Kopfgeld von 100 Gulden auf ihn ausgesetzt wurden.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 88</ref>
Joris, der bis heute in der Kirche der Münsterischen Wiedertäufer als einer von zwei wahren Propheten verehrt wird, wohnte fortan einige Zeit im Hause Am Markt 32. Später begab er sich dann nach Emden, wo er Gespräche mit dem bekannten Johannes á Lasco führte. 1544 ging Joris nach Basel und nahm den Namen Johan von Brügge an. In Basel lebte er unerkannt bis zu seinem Tode 1556. Drei Jahre nach seinem Tode wurde seine wahre Identität bekannt. Der Scharfrichter exhumierte die Leiche und verbrannte sie nebst Joris' Bildnisse und Bücher.<ref name=":0" />
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Um 1820 konnte man an diesem Hause eine geschnitzte Haustür des Kunsttischlers und Instrumentenbauers [[Peter Apts]], die später zum [[Gut Lintel]] verbracht wurde. Ab 1835 gehörte das Haus [[Collemann von Schatteburg]], ab 1856 [[Georg Störing|Georg W. Störing]] und um 1891 der Witwe Harenberg, geb. Edinga, die noch bis mindestens 1898 hier wohnte.<ref name=":1" />
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==Galerie==
==Galerie==
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Datei:Am Markt 31 Am Markt 32 1966 01.jpg|Aufnahme von 1966. Links [[Am Markt 31]].
Datei:Am Markt 30 bis 34 12 11 1977 01.jpg|[[Am Markt 30]], [[Am Markt 31]], Am Markt 32, [[Am Markt 33]] und [[Am Markt 34]] am 12. November 1977.
Datei:Am Markt 30 bis 34 12 11 1977 01.jpg|[[Am Markt 30]], [[Am Markt 31]], Am Markt 32, [[Am Markt 33]] und [[Am Markt 34]] am 12. November 1977.
Datei:Am Markt 32 - 06 04 2003.jpg|Am Markt 32 - Aufnahme vom 6. April 2003.
Datei:Am Markt 32 - 06 04 2003.jpg|Am Markt 32 - Aufnahme vom 6. April 2003.

Aktuelle Version vom 2. Mai 2024, 09:52 Uhr

Am Markt 32

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Basisdaten
Entstehungszeit vor 1910
Erbauer unbekannt
Bauweise Großes Stadthaus
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 32

26506 Norden

Am Markt 32 befindet sich eines der wenigen Häuser Am Markt, das - aus unbekannten Gründen - nicht unter Denkmalschutz steht.[1]

Geschichte

In der Ost-Friesischen Chronik berichtet der ostfriesische Pastor und Geschichtsschreiber Christian Funck, dass südlich neben der Westerpastorei (Am Markt 33) der Glasmaler David Joris (oder Jürgens) wohnte. Joris bzw. Jürgens wurde 1501 in Delft in Holland geboren. Er trat den Wiedertäufern bei und ließ sich von Ubbo Philipps zum Lehrer ausbildungen. 1537 wurden 35 Wiedertäufer hingerichtet, unter ihnen befand sich auch seine Mutter. Joris wurde vom Scharfrichter entstellt, indem dieser ihm die Zunge durchstieß. Wie so viele niederländische Glaubensflüchtlinge jener Zeit kam auch Joris nach Ostfriesland, nachdem 1539 ein Kopfgeld von 100 Gulden auf ihn ausgesetzt wurden.[2]

Joris, der bis heute in der Kirche der Münsterischen Wiedertäufer als einer von zwei wahren Propheten verehrt wird, wohnte fortan einige Zeit im Hause Am Markt 32. Später begab er sich dann nach Emden, wo er Gespräche mit dem bekannten Johannes á Lasco führte. 1544 ging Joris nach Basel und nahm den Namen Johan von Brügge an. In Basel lebte er unerkannt bis zu seinem Tode 1556. Drei Jahre nach seinem Tode wurde seine wahre Identität bekannt. Der Scharfrichter exhumierte die Leiche und verbrannte sie nebst Joris' Bildnisse und Bücher.[2]

1722 wurde Hindrich Kempen als Eigentümer des Hauses genannt. Am 24. Januar 1751 veräußerte der Hausmann Gerd Alberts das Haus an die Eheleute Reemd Behrends und Trientje Janssen für 726 Gulden. Am 22. Februar 1779 wurde zwischen dem Bäckermeister Behrends und seiner zweiten Ehefrau Eltje Gummels sowie Marekje Ihntjes, Witwe des Majors und Stadtwachtmeisters David Wilcken, ein Verkaufsvertrag über 1.500 Gulden aufgesetzt.[2][3]

Noch 1810 wurde die Witwe Ihntjes als Eigentümer dieses Hauses genannt.[3] Am 31. Oktober 1795 hatte Marekje Ihntjes auch das benachbarte Haus Am Markt 31 erworben. Sie verfügte offenbar über für eine Witwe eher ungewöhnlich hohe Barmittel.[3]

Um 1820 konnte man an diesem Hause eine geschnitzte Haustür des Kunsttischlers und Instrumentenbauers Peter Apts, die später zum Gut Lintel verbracht wurde. Ab 1835 gehörte das Haus Collemann von Schatteburg, ab 1856 Georg W. Störing und um 1891 der Witwe Harenberg, geb. Edinga, die noch bis mindestens 1898 hier wohnte.[3]

Im Adressbuch von 1926 wird Studienrat Wilhelm Grevemeyer genannt, 1950/1951 Margarethe Grevemeyer und 1976 der Kaufmann Erich Kahle. Spätestens seit den 1990er Jahren befand sich hier dann ein Antiquitätengeschäft.[3]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 10. November 2021
  2. 2,0 2,1 2,2 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 88
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 90

Siehe auch