Fräuleinshof: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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26506 Norden
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'''Fräuleinshof''' ist sowohl der Name eines alten Gebäudes auf dem Gelände des ehemaligen [[Dominikanerkloster|Dominikanerklosters]] in der [[Fräuleinshof (Straße)|gleichnamigen Straße]] als auch der Name des umliegenden Platzes sowie der [[Fräuleinshof (Straße)|Straße]]. Nach dem Ende des Klosters diente das Anwesen den ostfriesischen Grafen sowie später als Hauptsitz des [[Amt Norden|Amtes Norden]] sowie des [[Landkreis Norden|Landkreises Norden]].
Der '''Fräuleinshof''' ist ein altes Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen [[Dominikanerkloster|Dominikanerklosters]] in der [[Fräuleinshof (Straße)|gleichnamigen Straße]].
__TOC__
==Geschichte==
Das gesamte Areal um den Fräuleinshof gehörte einst zu einem [[Dominikanerkloster]]. Im Zuge der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters infolge der auch in Ostfriesland Einzug haltenden Reformation fiel das katholische Kloster samt Anlage an [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]], welcher sich an der Nordseite des Geländes eine Residenz errichten ließ, das wesentliche Teile der alten Klostergebäude umschloss. Die Residenz und die anderen Gebäude der ehemaligen Klosteranlage wurden jedoch schon bald darauf, ebenso wie beispielsweise die [[Andreaskirche]] und das [[Kloster Marienthal]] im Jahr 1531 von Junker [[Balthasar von Esens]] gebrandschatzt und mussten daraufhin abgebrochen werden.<ref name=":0" />


==Geschichte==
Der bis heute erhaltene Fräuleinshof wurde kurze Zeit später errichtet und 1587 erstmals als ''Frowkens Hoff'' (Fräuleinshof) erwähnt. Nach Darstellung des ostfriesischen Hofpredigers Bertram soll der Name daher rühren, weil die verwitwete Prinzessin Catharina von Schweden nebst ihren Töchtern nach dem Tode ihres Mannes, [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]], hier bis zu ihrem Lebensende residierte. Andere Quellen gehen davon aus, dass [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] dort seine unverheirateten Schwestern (''Fräuleins'') wohnen ließ und in Erinnerung an sie der Name entstanden sei. Von Theda weiß man, dass sie 1563 an einem Schlaganfall starb und auch ihre Schwester Armgard, die mit ihr im Kloster Marienthal erzogen wurde, starb 1558 unverheiratet.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2000): Norder Häuser, Bewohner Fräuleinshof, Ruthörn und Norddeicher Straße (I), in: Ostfriesischer Kurier 30. September 2000, S. 51</ref> Die Prinzessinnen sollen in einem Westflügel des Gebäudes gewohnt haben, der auch ''Westerhues'' genannt wurde. Ihre Räumlichkeiten selbst trugen den Namen ''Prinzessinnenkammer''.<ref name=":1">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 95</ref>
Das gesamte Areal um den Fräuleinshof gehörte einst zum hier ansässigen [[Dominikanerkloster]]. Im Zuge der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters infolge der auch in Ostfriesland Einzug haltenden Reformation fiel das katholische Kloster samt Anlage etwa zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den ostfriesischen Grafen [[Enno II. Cirksena]], welcher sich an der Nordseite des Geländes eine Residenz errichten ließ. Die Residenz und die anderen Gebäude der ehemaligen Klosteranlage wurden jedoch, ebenso wie beispielsweise die [[Andreaskirche]] und das [[Kloster Marienthal]] im Jahr 1531 von Junker [[Balthasar von Esens]] gebrandschatzt. Sie mussten daraufhin abgebrochen werden.
 
Beim Abbruch des Vorgängerbaus des [[Ulrichsgymnasium|Ulrichsgymnasiums]] im Jahre 1850 kamen bei Grabungsarbeiten die Überreste der umfangreichen Bodenaufschüttungen, die mit dem Bau des [[Dominikanerkloster|Dominikanerklosters]] einhergingen, zum Vorschein.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 64</ref> Weitere Funde wurden bei Erweiterungsarbeiten des Schulgebäudes im Jahre 1992 gemacht. Der Einschätzung der Archäologen zufolge handelt es sich wahrscheinlich um Überreste eines ehemals freistehenden Gebäudes auf dem Klostergelände.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 66</ref>


Der bis heute erhaltene Fräuleinshof wurde kurze Zeit später errichtet und bereits 1554 als "Broder Kerkhoff" (Bruder Friedhof) und 1587 erstmals als "Frowkens Hoff" (Fräuleinshof) erwähnt. Nach Darstellung des ostfriesischen Hofpredigers Bertram soll der Name daher rühren, weil die verwitwete Prinzessin Catharina von Schweden nebst ihren Töchtern nach dem Tode ihres Mannes, dem ostfriesischen Grafen [[Edzard II. Cirksena]], hier bis zu ihrem Lebensende residierte. Andere Quellen gehen davon aus, dass Enno II. Cirksena dort seine unverheirateten Schwestern (Fräuleins) wohnen ließ und in Erinnerung an sie der Name "Fräuleinshof" entstanden sei. Von Theda weiß man, dass sie 1563 an einem Schlaganfall starb und auch ihre Schwester Armgard, die mit ihr im Kloster Marienthal erzogen wurde, starb 1558 unverheiratet.<ref>Schreiber, Gretje (2000): Norder Häuser, Bewohner Fräuleinshof, Ruthörn und Norddeicher Straße (I), in: Ostfriesischer Kurier 30. September 2000, S. 51</ref>
Einhergehend mit der Gründung des [[Landkreis Norden|Landkreises Norden]] wurde der Fräuleinshof Sitz der Verwaltung und des [[Landrat|Landrats]]. Bereits das [[Amt Norden]] hatte hier seinen Sitz.<ref name=":1" /> Das [[Kreishaus|Landratsamt bzw. spätere Kreishaus]] wurde 1953 noch um einen Erweiterungsbau ergänzt. Von 2004 bis 2006 wurde dieser Anbau, in dem sich einst zahlreiche Büros der Verwaltung befanden, durch einen Neubau (Mensa für die Schulspeisung) ersetzt. Das Areal und die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz und dienen unter anderem noch als Außenstellen von Verwaltungsbehörden des Landkreises Aurich, andere Teile werden vom [[Ulrichsgymnasium]] genutzt.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 2. Juni 2021</ref>


Einhergehend mit der Gründung des [[Landkreis Norden|Landkreises Norden]] wurde der Fräuleinshof der neue Kreissitz. Vermutlich hatte bereits das [[Amt Norden]] hier seinen Sitz. Das Areal und die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.
==Galerie==
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Datei:Fräuleinshof Kreishaus Landratsamt 1900 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1900.
Datei:Fräuleinshof Kreishaus Landratsamt 1910 01.jpg|Aufnahme aus dem Jahr 1910.
Datei:Fräuleinshof Landratsamt Landkreis Norden Amtsgericht Ulrichsgymnasium um 1950 01.jpg|Blick auf den Fräuleinshof (um 1950).
Datei:Fräuleinshof Landratsamt um 1960 01.jpg|Blick auf das Landratsamt (um 1960).
Fräuleinshof Landratsamt Verwaltungsgebäude Anbau vor Abriss 22 07 2004 01.JPG|Abbruch des Anbaus am Landratsamt - Aufnahme vom 22. Juli 2004.
Fräuleinshof Landratsamt Verwaltungsgebäude Anbau vor Abriss 09 11 2004 01.JPG|Abbruch des Anbaus am Landratsamt - Aufnahme vom 9. November 2004.
Fräuleinshof Landratsamt Verwaltungsgebäude Anbau vor Abriss 14 11 2004 02.JPG|Abbruch des Anbaus am Landratsamt - Aufnahme vom 14. November 2004.
Fräuleinshof Landratsamt Verwaltungsgebäude Anbau vor Abriss 03 12 2004 07.JPG|Abbruch des Anbaus am Landratsamt - Aufnahme vom 3. Dezember 2004.
Datei:Fräuleinshof - 24052005.jpg|Fräuleinshof bzw. Landratsamt - Aufnahme vom 24. Mai 2005.
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Dominikanerkloster]]
*[[Dominikanerkloster]]
*[[Fräuleinshof (Straße)]]
*[[Ulrichsgymnasium]]
*[[Landkreis Norden]]


[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]

Aktuelle Version vom 18. September 2022, 12:33 Uhr

Fräuleinshof

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Basisdaten
Entstehungszeit um 1587
Erbauer Graf Enno II.
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Fräuleinshof 11

26506 Norden

Fräuleinshof ist sowohl der Name eines alten Gebäudes auf dem Gelände des ehemaligen Dominikanerklosters in der gleichnamigen Straße als auch der Name des umliegenden Platzes sowie der Straße. Nach dem Ende des Klosters diente das Anwesen den ostfriesischen Grafen sowie später als Hauptsitz des Amtes Norden sowie des Landkreises Norden.

Geschichte

Das gesamte Areal um den Fräuleinshof gehörte einst zu einem Dominikanerkloster. Im Zuge der Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters infolge der auch in Ostfriesland Einzug haltenden Reformation fiel das katholische Kloster samt Anlage an Graf Enno II., welcher sich an der Nordseite des Geländes eine Residenz errichten ließ, das wesentliche Teile der alten Klostergebäude umschloss. Die Residenz und die anderen Gebäude der ehemaligen Klosteranlage wurden jedoch schon bald darauf, ebenso wie beispielsweise die Andreaskirche und das Kloster Marienthal im Jahr 1531 von Junker Balthasar von Esens gebrandschatzt und mussten daraufhin abgebrochen werden.[1]

Der bis heute erhaltene Fräuleinshof wurde kurze Zeit später errichtet und 1587 erstmals als Frowkens Hoff (Fräuleinshof) erwähnt. Nach Darstellung des ostfriesischen Hofpredigers Bertram soll der Name daher rühren, weil die verwitwete Prinzessin Catharina von Schweden nebst ihren Töchtern nach dem Tode ihres Mannes, Graf Edzard II., hier bis zu ihrem Lebensende residierte. Andere Quellen gehen davon aus, dass Graf Enno II. dort seine unverheirateten Schwestern (Fräuleins) wohnen ließ und in Erinnerung an sie der Name entstanden sei. Von Theda weiß man, dass sie 1563 an einem Schlaganfall starb und auch ihre Schwester Armgard, die mit ihr im Kloster Marienthal erzogen wurde, starb 1558 unverheiratet.[1] Die Prinzessinnen sollen in einem Westflügel des Gebäudes gewohnt haben, der auch Westerhues genannt wurde. Ihre Räumlichkeiten selbst trugen den Namen Prinzessinnenkammer.[2]

Beim Abbruch des Vorgängerbaus des Ulrichsgymnasiums im Jahre 1850 kamen bei Grabungsarbeiten die Überreste der umfangreichen Bodenaufschüttungen, die mit dem Bau des Dominikanerklosters einhergingen, zum Vorschein.[3] Weitere Funde wurden bei Erweiterungsarbeiten des Schulgebäudes im Jahre 1992 gemacht. Der Einschätzung der Archäologen zufolge handelt es sich wahrscheinlich um Überreste eines ehemals freistehenden Gebäudes auf dem Klostergelände.[4]

Einhergehend mit der Gründung des Landkreises Norden wurde der Fräuleinshof Sitz der Verwaltung und des Landrats. Bereits das Amt Norden hatte hier seinen Sitz.[2] Das Landratsamt bzw. spätere Kreishaus wurde 1953 noch um einen Erweiterungsbau ergänzt. Von 2004 bis 2006 wurde dieser Anbau, in dem sich einst zahlreiche Büros der Verwaltung befanden, durch einen Neubau (Mensa für die Schulspeisung) ersetzt. Das Areal und die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz und dienen unter anderem noch als Außenstellen von Verwaltungsbehörden des Landkreises Aurich, andere Teile werden vom Ulrichsgymnasium genutzt.[5]

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Schreiber, Gretje (2000): Norder Häuser, Bewohner Fräuleinshof, Ruthörn und Norddeicher Straße (I), in: Ostfriesischer Kurier 30. September 2000, S. 51
  2. 2,0 2,1 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 95
  3. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 64
  4. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 66
  5. Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 2. Juni 2021

Siehe auch