Julius Wolff: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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'''Julius Wolff''' unterrichtete in den 1930er Jahren an der [[Jüdische Schule|jüdischen Schule]], wo er die zweite Lehrerstelle innehatte. Traurige Bekanntheit erlangte er durch die nationalsozialistische Verfolgung. Ein bekanntes Bild dieser Zeit die Demütigung Wolfs und seiner ''arischen'' Freundin [[Christine Neemann]]. Die beiden wurden am 24. Juli 1935 von SA-Männern durch die Straßen getrieben und tragen dabei Schilder mit der Aufschrift ''Ich bin ein Rasseschänder'' bzw. ''Ich bin ein deutsches Mädchen und habe mich vom Juden schänden lassen'' um den Hals.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref>
[[Datei:Julius Wolff Christine Neemann Polizei Juden Nationalsozialismus Osterstraße 22 07 1935 01.jpg|mini|Prangermarsch von Wolff und Neemann.]]
'''Julius Wolff''' unterrichtete in den 1930er Jahren an der [[Jüdische Schule|jüdischen Schule]] in Norden, wo er die zweite Lehrerstelle innehatte. Traurige Bekanntheit erlangte er durch die nationalsozialistische Verfolgung. Ein bekanntes Bild dieser Zeit ist die Demütigung Wolffs und seiner nichtjüdischen Verlobten [[Christine Neemann]]. Eine solche Verbindung einzugehen war zur Zeit des Nationalsozialismus unter Strafe verboten. Die beiden wurden am 22. Juli 1935 von SA-Männern durch die Straßen getrieben und mussten dabei Schilder mit der Aufschrift ''Ich bin ein Rasseschänder'' bzw. ''Ich bin ein deutsches Mädchen und habe mich vom Juden schänden lassen'' um den Hals tragen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241</ref>
 
[[Polizei Norden|Polizeichef]] Limbach hatte zuvor vergeblich versucht, die Aktion zu verhindern, war mit seinem Widerspruch jedoch beim [[Landratsamt]] des [[Landkreis Norden|Landkreises Norden]] und der Geheimen Staatspolizei in Wilhelmshaven gescheitert. Dennoch löste die Polizei den demütigenden Marsch letztlich auf und nahm Neemann und Wolff in Haft. Die Gestapo verbrachte sie von dort zunächst in das [[Gerichtsgefängnis|Norder Gerichtsgefängnis]] und anschließend nach Aurich, von wo sie beide wiederum in das KZ Esterwegen überstellt, aber später freigelassen wurden.<ref>Raim, Edith (2013): Justiz zwischen Diktatur und Demokratie, München, S. 675</ref> Wolff konnte anschließend noch rechtzeitig in die Vereinigten Staaten fliehen.<ref>[https://www.annefrank.de/fileadmin/Redaktion/Ausstellung_Berlin/Dokumente/160315_Einfuehrung_fuer_Lehrkraefte_A4.pdf Information zur Ausstellungsvorbereitung über Anne Frank], abgerufen am 11. August 2021</ref>
 
Neben seiner Lehrerstelle scheint Wolff ein zweites Standbein als Manufakturen- und Handelsvertreter an der damaligen [[Uffenstraße]] 25 besessen zu haben. Das Gewerbe hatte er offenbar am 25. November 1937 beim Gewerbeamt abgemeldet und hatte das Land danach wohl verlassen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 92</ref>


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==

Aktuelle Version vom 30. Oktober 2022, 06:39 Uhr

Prangermarsch von Wolff und Neemann.

Julius Wolff unterrichtete in den 1930er Jahren an der jüdischen Schule in Norden, wo er die zweite Lehrerstelle innehatte. Traurige Bekanntheit erlangte er durch die nationalsozialistische Verfolgung. Ein bekanntes Bild dieser Zeit ist die Demütigung Wolffs und seiner nichtjüdischen Verlobten Christine Neemann. Eine solche Verbindung einzugehen war zur Zeit des Nationalsozialismus unter Strafe verboten. Die beiden wurden am 22. Juli 1935 von SA-Männern durch die Straßen getrieben und mussten dabei Schilder mit der Aufschrift Ich bin ein Rasseschänder bzw. Ich bin ein deutsches Mädchen und habe mich vom Juden schänden lassen um den Hals tragen.[1]

Polizeichef Limbach hatte zuvor vergeblich versucht, die Aktion zu verhindern, war mit seinem Widerspruch jedoch beim Landratsamt des Landkreises Norden und der Geheimen Staatspolizei in Wilhelmshaven gescheitert. Dennoch löste die Polizei den demütigenden Marsch letztlich auf und nahm Neemann und Wolff in Haft. Die Gestapo verbrachte sie von dort zunächst in das Norder Gerichtsgefängnis und anschließend nach Aurich, von wo sie beide wiederum in das KZ Esterwegen überstellt, aber später freigelassen wurden.[2] Wolff konnte anschließend noch rechtzeitig in die Vereinigten Staaten fliehen.[3]

Neben seiner Lehrerstelle scheint Wolff ein zweites Standbein als Manufakturen- und Handelsvertreter an der damaligen Uffenstraße 25 besessen zu haben. Das Gewerbe hatte er offenbar am 25. November 1937 beim Gewerbeamt abgemeldet und hatte das Land danach wohl verlassen.[4]

Einzelnachweise

  1. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241
  2. Raim, Edith (2013): Justiz zwischen Diktatur und Demokratie, München, S. 675
  3. Information zur Ausstellungsvorbereitung über Anne Frank, abgerufen am 11. August 2021
  4. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 92

Siehe auch