Zunft- und Gildewesen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Ein Zunft- und Gildewesen hat es auch in Norden gegeben. Die unterschiedlichen Kaufmanns- bzw. Handwerksberufe fanden sich in diesen zusammen. In Bezug auf erstere ist in der Regel von Gilden die Rede, während man bei handwerklichen Berufen eher von Zünften sprach. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch nur das Wort "Zunft" durch, weshalb beide Wesen auch in diesem Artikel zusammengefasst werden.

Geschichte

Die älteste Nachricht von einer Norder Zunftrolle datiert auf den 23. Januar 1589, als Graf Edzard II. die Handwerksrolle der Norder Goldschmiede anerkennt und bestätigt. Hierbei nimmt er ausdrücklich Bezug auf die bereits von seinem Großvater Edzard dem Großen verliehene Rolle.[1]

Da Norden anderen Städten, wie beispielsweise Emden, im wirtschaftlichen Leben stets nachstand, gab es hier auch nicht annähernd so viele Zünfte wie dort. Auch war es üblich, dass sich mehrere miteinander ähnliche Berufe zu einer Zunft zusammenschlossen, so etwa die Kramer (Händler) und die (Ge-)Wandschneider (Tuchhändler), zu denen während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) häufig auch Apotheker und sogar Goldschmiede kamen. Vielen Zünften war indes nur eine kurze Existenz beschieden. Die Goldschmiede und die Brauer konnten sich beispielsweise nur wenige Jahrzehnte in einer eigenen Gilde organisieren bzw. halten. Traditionell nahm seit dem 18. Jahrhundert ein Mitglied des Magistrats die Rolle des Amtspatrons (Schirmherren) einer Zunft ein.[1]

Ungefähr zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Norden schließlich eine Kramer-, eine Bäcker-, eine Küfer-, eine Schmiede-, eine Schneider-, eine Schuhmacher-, eine Weber- und eine Sattlerzunft. Viele Berufe waren - wie vorbeschrieben - nicht in einer eigenen Zunft organisiert, was vor allem an den wenigen vorhandenen Meisterbetrieben lag. 1768 gehörten daher die Maurer, die Tischler, die Zimmermänner, die Stellmacher und die Drechsler zusammen, obgleich die Maurer wiederholt versuchten, eine eigene Zunft zu organisieren. Ebenso erfolglos wie die vorgenannten Berufe zur Bildung einer eigenen Zunft waren die Lohgerber, die Segelmacher und die Blaufärber sowie die Zinn- und Gelbgießer, die Hutmacher, die Kupferschmiede, die Blechschläger sowie die Klempner, Glaser und Maler.[1]

Erstmalig ließ die Sattlerzunft im Jahre 1735 nicht mehr nur in der Stadt ansässige Sattler zu, sondern auch solche aus dem restlichen Amt Norden. Dies führte schließlich zur Gründung weiterer, derartiger Zünfte in Dornum, Hage und Marienhafe. Ermöglicht wurde dies durch Lockerungen der preußischen Regierung unter Friedrich dem Großen, nachdem Ostfriesland mit dem Tode des letzten Cirksena im Jahre 1744 preußisch wurde. Diese Lockerungen brachten zum einen neuen Wind in das eingefahrene Zunftwesen, das potentielle Neulinge mit überhöhten Gebühren zur Wahrung von Monopolstellungen abzuschrecken wusste.[1] Zum anderen führten sie jedoch keine wesentliche Verbesserung ein und schon 1803 wurden die Weberzünfte aufgehoben. Als Ostfriesland ab 1806 unter französische Herrschaft geriet, wurden auch alle anderen Zünfte und Gilden aufgelöst. Erst zum 1. September 1819, Ostfriesland gehörte nun zum Königreich Hannover, wurden diese auf Antrag beim königlichen Ministerium wiederhergestellt.[2]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 59
  2. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 60

Siehe auch