Ludgeruskirche

Aus Norder Stadtgeschichte
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Ludgeruskirche

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Basisdaten
Entstehungszeit 1884-1885
Erbauer Katholische Gemeinde Norden
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Osterstraße 21

26506 Norden

Die Ludgeruskirche ist die katholische Kirche von Norden und wesentlich jünger als die Ludgerikirche, mit der sie vereinzelt von Ortsunkundigen verwechselt wird. Sie wurde am 20. Oktober 1885 eingeweiht und befindet sich seitdem an der Osterstraße 21.[1]

Geschichte

Bis die Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch in Norden Einzug hielt, war die Stadt rein katholisch geprägt. Dies änderte sich, nachdem die Lutheraner sich gegen die Katholiken und die Reformierten durchsetzen konnten. Bis heute ist die Stadt überwiegend evangelisch-lutherisch geprägt. Katholische Kirchen gab es nun nicht mehr und nur noch vereinzelt katholische Christen.

Die sogenannten "Emder Konkordate", ein am 7. November 1599 zwischen Enno III. Cirksena und der Ostfriesischen Landschaft geschlossener Vertrag, der die Gleichstellung von Lutheranern und Reformierten zum Gegenstand hatte, verhinderte über Jahrhunderte die Neugründung einer katholischen Gemeinde bzw. eines solchen Kirchenbaus. Katholische Gottesdienste fanden unregelmäßig zunächst im Untergrund statt und später regelmäßig auf Betreiben der streng katholischen Ehefrau des Dodo zu Innhausen und Knyphausen in der Kapelle des Lütetsburger Schlosses.[1] Für 1720 sind katholische Gottesdienste in einer Mietkammer an der Großneustraße 1 bezeugt.

Am 4. Januar 1779 erlaubte Friedrich der Große den Katholiken per Dekret die freie Religionsausübung in Norden und Umgebung. Daraufhin wurde in einem Gebäudekomplex an der (historischen) Sielstraße 55/56 eine dem Erzengel Michael geweihte Kapelle nebst Pfarrhaus und Schule eingerichtet. Diese war laut Pfarrer Franz-Josef Strieker, der von 1852 bis 1861 hier Dienst tat, kaum größer als zwölf mal sieben Meter und eher ein "ärmlicher Bethsaal zu nennen, in einer Weise unscheinbar und versteckt gelegen, als wenn sich die katholische Gemeinde zu verbergen hätte oder auch nur eine geduldete oder unterdrückte Sekte wäre." Zudem sei das Gotteshaus von außen nicht als solches zu erkennen.

Anfang 1859 zogen Helfer in zwei Großbezirken des Bistums, Aurich und Osnabrück, von Haus zu Haus, um Geld für den geplanten Kirchbau in Norden zu sammeln. Ein unkündbares zinsloses Darlehen des Münsteraner Pelzhändlers Josef Hötte sicherte schließlich die Finanzierung. Nach Ablauf von zehn Jahren sollte die Abzahlung beginnen, sobald die Gemeinde dazu in der Lage sei.

Im Jahre 1864 wurde an der Osterstraße 20 zunächst ein Pfarrhaus mit Kapelle und 1885 auf dem hinteren Grundstücksbereich ein reguläres Gotteshaus errichtet.[2] Dem Wunsch des Stifters Hötte entsprechend wurde die Kirche dem heiligen Ludger gewidmet, dem bereits die Norder evangelische Ludgerikirche gewidmet war.

Einen starken Wachstumsschub erfuhr die Ludgerus-Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug Vertriebener aus dem katholisch geprägten Schlesien. Auch mit dem Zuzug von sogenannten "Boat People", Flüchtlinge aus Vietnam in den 1960er und 1970er Jahren, kamen neue Gemeindemitglieder hinzu. Für die vietnamesischen Katholiken stellt die Kirche bis heute ein regionaler Versammlungsort dar.

Von 2015 bis 2018 wurde die Kirche äußerlich restauriert und in Stand gesetzt.[3]

Beschreibung

Die Kirche wurde überwiegend aus Backsteinen im Stile des Neuromanismus errichtet. Der vergleichsweise schlichten Saalkirche sind im Norden ein Querhaus und der rechteckige Chor, im Süden eine schmalere Portalvorhalle mit Ziergiebel und aufgesetztem Turm angefügt. Hier ist die Außenwand mit Blendarkaden, Bogenfriesen und Lisenen gegliedert. Das Portal krönt ein halbkreisförmiges Maßwerkfenster. Das heutige Kirchengerät stammt aus der Zeit um 1884, ältere Gegenstände aus der Zeit vor dem Kirchenbau sind nicht mehr vorhanden.

Die erst im Jahr 1890 eingebaute Orgel wurde von Johann Diepenbrock erbaut. Das Instrument verfügt über eine einmanualige, mechanisch gesteuerte Kegellade. Im Jahre 2007 wurde von der Firma Westfälischer Orgelbau S. Sauer aus Höxter-Ottbergen ein neues Instrument erbaut. Dabei blieb der Prospekt Diepenbrocks im Stil des Historismus erhalten. Das neue Instrument verfügt über zwei Manuale und Pedal sowie 1481 Pfeifen. Beim Bau dieser neuen Orgel wurden Windladen, Pfeifenwerk und Spieltisch von der ehemaligen Seifert-Orgel der Pfarrkirche St. Cyriakus in Weeze übernommen.

Literatur

  • Rödiger, Hans-Bernd / Ramm, Heinz (1983): Friesische Kirchen im Auricherland, Norderland, Brokmerland und im Krummhörn, Band 2, S. 101

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 19
  2. Cremer, Ufke / Haddinga, Johann (2001): Norden. Die Stadtchronik, Norden, S. 80f.
  3. Internetseite der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Küste, abgerufen am 7. April 2021

Siehe auch