Hildebrand ten Doornkaat Koolman

Aus Norder Stadtgeschichte
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Hildebrand ten Doornkaat Koolman (* 24. November 1854 in Norden, † 13. Oktober 1903 in Bremen) war Kaufmann und Reeder sowie Geschäftsführer und Mitbesitzer der Kornbrennerei Doornkaat. Er war der Sohn von

Leben

Jan ten Doornkaat Koolman wurde als Sohn seines gleichnamigen Vaters und dessen Ehefrau Menna Johanna Silomon in Norden geboren.

Nachdem er mit 16 Jahren das Ulrichgymnasium verließ, absolvierte er eine Buchbinderlehre, die er 1835 beendete. Jan, der sich mehr den geistigen Dingen als dem Firmengeschäft verbunden fühlte, äußerte den Wunsch, nach Halle zu ziehen, um dort in einer Buchhandlung zu arbeiten. Seine Eltern verweigerten ihm diesen Wunsch und forderten seinen Einstieg in das Familienunternehmen, in das er 1836 eintrat.

1846 zog sich sein Vater aus dem Firmengeschäft zurück und übertrug ihm und Fiepko die Geschäftsführung. Trotz seines ursprünglichen Wunsches, einen anderen Berufsweg zu gehen, zeigte er großes wirtschaftliches Geschick. Allein in den beiden ersten Jahrzehnten der Nachfolger des Firmengründers, also im Zeitraum von 1846 bis 1876, verzehnfachte sich die Jahresproduktion von 1560 auf 15 000 Hektoliter. Die Brüder bauten die Fabrik systematisch aus und hielten sie auf dem neuesten Stand der Technik. Während der Bruder Fiepko für die praktisch-technische Seite des Betriebes zuständig war, widmete Jan sich der kaufmännischen Seite; eine glückliche Arbeitsaufteilung, die offenbar auch durch ein harmonisches Verhältnis der Brüder befördert wurde.

Am 24. Mai 1846 heiratete Jan ten Doornkaat Koolmann die Tochter eines mennonitischen Kaufmannes, Menna Johanna Silomon. Das Ehepaar hatte neun Kinder, drei Söhne und sechs Töchter, wovon das als Nachfolger ausersehene erstgeborene, der nach dem Vater benannte Sohn Jan im Deutsch-französischen Krieg fiel.

Seit 1864 war Jan ten Doornkaat Koolman Ehrenbürger der Stadt Norden. 1870 ernannte man ihn zum Kommerzienrat, 1887 zum Geheimen Kommerzienrat.

Nach dem Tod Fiepkos im Jahr 1876 wurde Jan alleiniger Inhaber der Firma, deren Grundbesitz er 1884 und 1885 noch einmal kräftig vergrößern konnte. Als er 1886 mit einer großen Feier den 50. Jahrestag seiner Tätigkeit in der Firma beging, beschäftigte diese 100 Arbeiter und die Jahresproduktion betrug fast zwei Millionen Liter. "Doornkaat" war jetzt eine in ganz Deutschland bekannte Marke, die schließlich auch 1894 in das Warenzeichenregister als geschütztes Markenzeichen eingetragen wurde. Dass man dem Jubilar an diesem Tag einen, wie der Ostfriesische Kurier schrieb, "fast endlosen" Fackelzug mit rund 700 Fackeln darbrachte, dass die ganze Stadt Norden mit Flaggen geschmückt war, mag ein Beweis sein für das Ansehen und die Beliebtheit, die er sich erworben hatte. Tatsächlich war Jan ten Doornkaat Koolman ein menschenfreundlicher und wohltätiger Mann und bekennender Christ. In der Mennonitengemeinde wirkte er, wie auch schon sein Vater, über viele Jahre als Diakon und Kirchenältester. Persönlich bescheiden, unterstützte er freigebig viele, die der Hilfe bedürftig waren.

Auch politisch engagierte er sich. Im Revolutionsjahr 1848 machte man ihn zum Präsidenten der Bürgerversammlung. Seit 1850 war er Senator, seit 1857 Bürgervorsteher (Vorsitzender des Stadtrates. Von 1850 bis 1856 war er Mitglied der Zweiten hannoverschen Kammer, von 1869 bis 1870 gehörte er dem Reichstag des Norddeutschen Bundes an, von 1877 bis 1879 dem Deutschen Reichstag als Nationalliberaler. Für das preußische Abgeordnetenhaus hatte er 1867 allerdings erfolglos kandidiert. Dazu kamen weitere Aktivitäten und Mitgliedschaften: Er war korrespondierendes Mitglied des braunschweigischen Vereins für Land- und Forstwirtschaft, Mitglied des ostfriesischen Landwirtschaftlichen Vereins, Ausschussmitglied des deutschen Pomologen-Vereins und Vorstandsmitglied des hannoverschen Pomologen-Vereins.

Bereits früh interessierte er sich auch für Pflanzen und legte Gewächshäuser an, in denen er exotische Blumen und Wein zog. Insbesondere galt sein Interesse der Obstzucht, über deren Möglichkeiten unter den erschwerten ostfriesischen Bedingungen mit den salzigen Seewinden er seine Landsleute aufklären wollte. 1864 legte er in Nadörst einen pomologischen Garten an, in den er viel Geld investierte, ohne große Erfolge vorweisen zu können.

1870 veröffentlichte er ein Buch über die Probleme der Apfelzucht in "einer der exponiertesten Gegenden Norddeutschlands", wie es im Titel hieß. Ein weiterer Niederschlag seiner naturwissenschaftlichen Interessen ist eine umfangreiche Naturaliensammlung. Sie wurde 1896 von seinem Sohn Hildebrand der Naturforschenden Gesellschaft in Emden, die der Vater schon zu Lebzeiten gefördert hatte, geschenkt. Sie war dann in den nach dem Sammler benannten Sälen des Museums der Gesellschaft ausgestellt.

Geisteswissenschaftlich tritt Jan ten Doornkaat Koolman zunächst als religiösnaturphilosophischer Kopf in Erscheinung. 1865 veröffentlicht er ein Buch über die Unendlichkeit der Welt, in dem er gegen den Trend der modernen Naturwissenschaft die prinzipielle Unauslotbarkeit des Universums als göttliche Schöpfung betont.

Am dauerhaftesten aber ist sein Name heute wohl mit der Leistung auf sprachwissenschaftlichem Gebiet verknüpft. So veröffentlichte er 1879 ein Wörterbuch der ostfriesischen (nicht plattdeutschen!) Sprache, das er ab 1862 gemeinsam mit einem Germanisten sowie einem jüdischen Lehrer erarbeitete. Mit seinem Eintritt in die Firma 1836 und der Zuständigkeit für die Geschäftsbeziehungen waren ausgedehnte Reisen durch ganz Ostfriesland und Kontakte mit unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung verbunden. Das Reisen war zu jener Zeit noch sehr viel gemächlicher und von Aufenthalten unterbrochen. Dadurch konnte der junge Geschäftsmann weite Einblicke in die Sprache der Ostfriesen erhalten und er lernte das ostfriesische Niederdeutsch in allen seinen Färbungen und lokalen Besonderheiten, mit seinen Redensarten und Sprichwörtern kennen. Bis heute gilt dieses Wörterbuch als bedeutendstes seiner Art, wenngleich es vielfach wissenschaftlicher Kritik, insbesondere in Bezug auf Herleitungen bestimmter Wörter, ausgesetzt war. Es erfuhr aber nicht nur Kritik, sondern auch Anerkennung von wissenschaftlicher Seite. Das Freie deutsche Hochstift in Frankfurt am Main ernannte ten Doornkaat Koolman 1880 zu seinem Ehrenmitglied und Meister. Ebenso war er Mitglied der Maatschappy Nederlandsche Letterkunde in Leiden.

Quellenverzeichnis

Siehe auch