Norder Platt
Als Norder Platt bezeichnet man die Varietät des Ostfriesischen Niederdeutsch, die in der Stadt Norden und den umliegenden Gebieten gesprochen wird.
Geografische Verbreitung
Der Begriff Norder Platt dient naturgemäß zur Bezeichnung der in der Stadt gesprochenen niederdeutschen Sprache (Norder Platt im engeren Sinne).
Er bezeichnet weiterhin aber auch die Besonderheiten der Plattdeutschen Varietäten, in welchen sich die Ortsdialekte im überwiegenden Gebiet des Altkreises Norden (Gegenden um Hage, Berum, Großheide und Arle sowie diejenigen südlich von der Stadt Norden im Brookmerland) allesamt ähneln. Auch die durch die räumliche Nähe zur Stadt Norden hin orientierten Inseln Juist, Norderney und Baltrum teilen viele Besonderheiten des Norder Platt.
Deutliche Unterschiede existieren aber bereits zum Krummhörner Platt, das sich eher zur Emder Variante orientiert, obwohl die Krummhörn ebenfalls Teil des ehemaligen Landkreises Norden gewesen ist.
Besondere Merkmale des Norder Platt
Das Gebiet um Norden lässt sich linguistisch grob der nordöstlichen Hälfte des ostfriesischen Platt zuordnen. Davon zu unterscheiden ist die südwestliche Hälfte (Krummhörn, Emden, Landkreis Leer). Dies ist wichtig zu wissen, da ein Großteil der regionalen Literatur von Autoren aus dem Raum Leer stammt und daher möglicherweise ein falsches Bild vermitteln kann.
1. Betrifft die Aussprache
- Sprachliche Realisierung einiger Langvokale (grob: einfacher, weniger Diphthonge)[1]
Beispiel: Arvt (Erbse), gesprochen wie „Aart“, im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert "Aarv".
- Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.
2. Betrifft Aussprache und Schreibweise
Spree (Star)
Froo (Frau), boen (bauen), troen (heiraten)
Flass (Flasche), Gras (Gras)
denn, wenn wennehr
dwelen (irren), reren (weinen)
Budel (Umstand, Zustand)
Goos (Gans)
bleihen (blühen), breihen (brühen), fleiten (pfeifen), freien (freuen), gleihen (glühen), greien (gedeihen)
Köppke (Tasse), löss (lose), över (über, übrig)
woll (wohl), nee (nicht), kien (kein)
3. Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik
Lautung einiger Formen des Präteritums: freet, geev, kweem, leeg, nehm, seeg, seet, weer
(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)
Betrifft Ablautreihen 7, 8… (?)
| Infinitiv, Imperativ | Person | Präsens | Präteritum | Partizip II |
| freten (fressen), freet | ik | freet | freet | freten |
| du | frettst | freetst | ||
| he,se | frett | freet | ||
| wi,ji,se | freten | freten |
Formen von „wesen“ (sein)
| Infinitiv, Imperativ | Person | Präsens | Präteritum | Partizip II |
| wesen | ik | bün | weer | (heb) west |
| du | büst | weerst | ||
| he,se | is | weer | ||
| wi,ji,se | sünd | weren |
Müssen: möten/mutten?
Sollen: sölen/sallen?
Einheitsplural auf -nt bei einigen Verbstämmen:
Beispiel: wi stahnt, ji seggent…
Zuvorderst bei Verben mit einsilbigem Infinitiv (doon, gahn, sehn, slaan, stahn..)
- ↑ vgl. Lücht, S. 38, Tab. 2, „Dollart-Linie“