Norder Platt: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==== 1.    Betrifft die Aussprache ====
==== 1.    Betrifft die Aussprache ====


* Sprachliche Realisierung einiger Langvokale (grob: einfacher, weniger Diphthonge)<ref>vgl. Lücht, S. 38, Tab. 2, „Dollart-Linie“</ref>
* Sprachlich weniger komplexe Realisierung einiger Langvokale (grob: einfacher, weniger Diphthonge oder gar Triphthonge, weniger Überlängen)<ref>vgl. Lücht, S. 38, Tab. 2, „Dollart-Linie“</ref>


''Beispiel: Arvt (Erbse), gesprochen wie „Aart“, im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert "Aarv".''
Beispiel: ''School'', realisiert im Norder Platt als "Schgoul", im Gegensatz dazu Krummhörn "Schgaul", Leer "Schgeaul"
 
Beispiel: Norderney, auf platt konventionell und einheitlich geschrieben als ''Nörderneei'' (Bestandteile ''Nörden'' "Norden", ''neei'' "neu", letzteres Wort in großen Teilen Ostfrieslands lautlich realisiert als Triphthong); wurde nach Protesten aus der Norderneyer Bevölkerung auf dem zweisprachigen Ortsschild allerdings angepasst an die lokale Aussprachevariante, welche auch derjenigen des Norder Platt entspricht: ''Nördernee'' (realisiert mit Diphthong)


* Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.
* Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.
*Sonderfall: Arvt (Erbse), ostfrieslandweit einheitliche Schreibweise, aber im Norder Platt gesprochen wie „Aart“, im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert als "Aarv".


==== 2.    Betrifft Aussprache und Schreibweise ====
==== 2.    Betrifft Aussprache und Schreibweise ====
Spree (Star)
(Variante im Norder Platt '''fett''':)


Froo (Frau), boen (bauen), troen (heiraten)
'''Spree''' (Star), anstatt wie in anderen Regionen oft: Spraa


Flass (Flasche), Gras (Gras)
'''Froo''' (Frau), '''boen''' (bauen), '''troen''' (heiraten), anstatt sonst oft: Frau, bauen, trauen


denn, wenn wennehr
'''Flass''' (Flasche), '''Gras''' (Gras), anstatt sonst auch: Fless, Gress


dwelen (irren), reren (weinen)
'''denn''', '''wenn''', '''wennehr''' - sonst oft mit -a-


Budel (Umstand, Zustand)
'''dwelen''' (irren), '''reren''' (weinen), sonst auch: dwalen, raren


Goos (Gans)
'''Budel''' (Umstand, Zustand), sonst auch Bodel


bleihen (blühen), breihen (brühen), fleiten (pfeifen), freien (freuen), gleihen (glühen), greien (gedeihen)
'''Goos''' (Gans)


Köppke (Tasse), löss (lose), över (über, übrig)
'''bleihen''' (blühen), '''breihen''' (brühen), '''fleiten''' (pfeifen), '''freien''' (freuen), '''gleihen''' (glühen), '''greien''' (gedeihen), andernorts realisiert mit -eu-


woll (wohl), nee (nicht), kien (kein)
'''Köppke''' (Tasse), '''löss''' (lose), '''över''' (über, übrig), sonst meistens ohne Umlaut realisiert
 
Weitere besondere Wortvarianten: '''woll''' (wohl), sonst oft wall, '''nee''' (nicht), Abfall des -t, '''kien''' (kein), anstatt keen


==== 3.    Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik ====
==== 3.    Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik ====
'''Lautung einiger Formen des Präteritums''': freet, geev, kweem, leeg, nehm, seeg, seet, weer
'''Lautung einiger Formen des Präteritums''': freet, geev, kweem, leeg, nehm, seeg, seet, weer (in anderen Gebieten meist mit kurzem -a- realisiert)


(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)
(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)


Betrifft Ablautreihen 7, 8… (?)
Betrifft Ablautreihen 7, 8…
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|'''Infinitiv, Imperativ'''
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Sollen: sölen/sallen?
Sollen: sölen/sallen?





Version vom 22. Mai 2022, 20:03 Uhr

Als Norder Platt bezeichnet man die Varietät des Ostfriesischen Niederdeutsch, die in der Stadt Norden und den umliegenden Gebieten gesprochen wird.

Geografische Verbreitung

Der Begriff Norder Platt dient naturgemäß zur Bezeichnung der in der Stadt gesprochenen niederdeutschen Sprache (Norder Platt im engeren Sinne).

Er bezeichnet weiterhin aber auch die Besonderheiten der Plattdeutschen Varietäten, in welchen sich die Ortsdialekte im überwiegenden Gebiet des Altkreises Norden (Gegenden um Hage, Berum, Großheide und Arle sowie diejenigen südlich von der Stadt Norden im Brookmerland) allesamt ähneln. Auch die durch die räumliche Nähe zur Stadt Norden hin orientierten Inseln Juist, Norderney und Baltrum teilen viele Besonderheiten des Norder Platt.

Deutliche Unterschiede existieren aber bereits zum Krummhörner Platt, das sich eher zur Emder Variante orientiert, obwohl die Krummhörn ebenfalls Teil des ehemaligen Landkreises Norden gewesen ist.

Literatur, Veröffentlichungen, Autoren

Das ostfriesische Plattdeutsch ist, im Vergleich zum Niederdeutschen überhaupt, welches seit langer Zeit in vielen norddeutschen (und nordniederländischen) Regionen von der jeweiligen Dachsprache verdrängt wird, noch in einem verhältnismäßig lebendigen Zustand. Es existiert eine reiche Literatur in ostfriesischem Platt. Speziell das Norder Platt ist dabei erkennbar unterrepräsentiert. Dies ist wichtig zu wissen, da ein Großteil der regionalen Literatur von Autoren aus dem Raum Leer stammt und daher möglicherweise ein falsches Bild vermitteln kann. Es existiert bisher keine zusammenhängende Darstellung aller Besonderheiten des Norder Platt.

Autoren, die im Norder Platt (im weiteren Sinne) schreiben oder geschrieben haben:

  • Arend Dreesen
  • Ludwig Kimme
  • Frerich Hokema
  • Rudolf Bielefeld
  • Fooke Hoissen Müller
  • Christof Wehking
  • Marieluise Stolper
  • Else Bontjes
  • Jan (Johann) Meiners

Besondere Merkmale des Norder Platt

Das Gebiet um Norden lässt sich linguistisch grob der nordöstlichen Hälfte des ostfriesischen Platt zuordnen. Davon zu unterscheiden ist die südwestliche Hälfte (Krummhörn, Emden, Landkreis Leer).

1. Betrifft die Aussprache

  • Sprachlich weniger komplexe Realisierung einiger Langvokale (grob: einfacher, weniger Diphthonge oder gar Triphthonge, weniger Überlängen)[1]

Beispiel: School, realisiert im Norder Platt als "Schgoul", im Gegensatz dazu Krummhörn "Schgaul", Leer "Schgeaul"

Beispiel: Norderney, auf platt konventionell und einheitlich geschrieben als Nörderneei (Bestandteile Nörden "Norden", neei "neu", letzteres Wort in großen Teilen Ostfrieslands lautlich realisiert als Triphthong); wurde nach Protesten aus der Norderneyer Bevölkerung auf dem zweisprachigen Ortsschild allerdings angepasst an die lokale Aussprachevariante, welche auch derjenigen des Norder Platt entspricht: Nördernee (realisiert mit Diphthong)

  • Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.
  • Sonderfall: Arvt (Erbse), ostfrieslandweit einheitliche Schreibweise, aber im Norder Platt gesprochen wie „Aart“, im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert als "Aarv".

2. Betrifft Aussprache und Schreibweise

(Variante im Norder Platt fett:)

Spree (Star), anstatt wie in anderen Regionen oft: Spraa

Froo (Frau), boen (bauen), troen (heiraten), anstatt sonst oft: Frau, bauen, trauen

Flass (Flasche), Gras (Gras), anstatt sonst auch: Fless, Gress

denn, wenn, wennehr - sonst oft mit -a-

dwelen (irren), reren (weinen), sonst auch: dwalen, raren

Budel (Umstand, Zustand), sonst auch Bodel

Goos (Gans)

bleihen (blühen), breihen (brühen), fleiten (pfeifen), freien (freuen), gleihen (glühen), greien (gedeihen), andernorts realisiert mit -eu-

Köppke (Tasse), löss (lose), över (über, übrig), sonst meistens ohne Umlaut realisiert

Weitere besondere Wortvarianten: woll (wohl), sonst oft wall, nee (nicht), Abfall des -t, kien (kein), anstatt keen

3.    Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik

Lautung einiger Formen des Präteritums: freet, geev, kweem, leeg, nehm, seeg, seet, weer (in anderen Gebieten meist mit kurzem -a- realisiert)

(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)

Betrifft Ablautreihen 7, 8…

Infinitiv, Imperativ Person Präsens Präteritum Partizip II
freten (fressen), freet ik freet freet freten
du frettst freetst
he,se frett freet
wi,ji,se freten freten

Formen von „wesen“ (sein)

Infinitiv, Imperativ Person Präsens Präteritum Partizip II
wesen ik bün weer (heb) west
du büst weerst
he,se is weer
wi,ji,se sünd weren


Müssen: möten/mutten?

Sollen: sölen/sallen?



Einheitsplural auf -nt bei einigen Verbstämmen:

Beispiel: wi stahnt, ji seggent…

Zuvorderst bei Verben mit einsilbigem Infinitiv (doon, gahn, sehn, slaan, stahn..)

  1. vgl. Lücht, S. 38, Tab. 2, „Dollart-Linie“