Marxsche Bierhalle: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Der '''Marxsche Bierhalle''' war eine Gastwirtschaft in der Innenstadt von Norden. Nach heutiger Nummerierung träge sie die Anschrift [[Osterstraße]] 158. Hier wurde am 10. Oktober 1886 die Gründung der [[Feuerwehr Norden]] beschlossen.<ref>Auszug aus dem Archiv der Feuerwehr Norden</ref>
Der '''Marxsche Bierhalle''' war eine Gastwirtschaft in der Innenstadt von Norden. Nach heutiger Nummerierung träge sie die Anschrift [[Osterstraße]] 158. Hier wurde am 10. Oktober 1886 die Gründung der [[Feuerwehr Norden]] beschlossen.<ref>Auszug aus dem Archiv der Feuerwehr Norden</ref>


== Geschichte ==
Der Heimatforscher [[Friedrich Sundermann]] geht davon aus, dass das Gebäude vor dem (heutigen) [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] als Rathaus der Stadt gedient hat. [[Ufke Cremer]] hingegen hält diese Behauptung für fraglich, widerlegt sie jedoch nicht, da das Gebäude - anders als der Großteil der damaligen Bebauung der Osterstraße trauf- und nicht giebelständig errichtet wurde und zudem ein vergleichsweise großes Grundstück aufweist. In jedem Fall wurde dieses Gebäude nach der Brandschatzung des Alten Rathauses durch [[Balthasar von Esens]] als Rathaus genutzt, sodass es bereits in der Zeit vor 1539 bzw. 1542 (Wiederaufbau des Alten Rathauses) existiert haben muss.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 39</ref>
Der Heimatforscher [[Friedrich Sundermann]] geht davon aus, dass das Gebäude vor dem (heutigen) [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] als Rathaus der Stadt gedient hat. [[Ufke Cremer]] hingegen hält diese Behauptung für fraglich, widerlegt sie jedoch nicht, da das Gebäude - anders als der Großteil der damaligen Bebauung der Osterstraße trauf- und nicht giebelständig errichtet wurde und zudem ein vergleichsweise großes Grundstück aufweist. In jedem Fall wurde dieses Gebäude nach der Brandschatzung des Alten Rathauses durch [[Balthasar von Esens]] als Rathaus genutzt, sodass es bereits in der Zeit vor 1539 bzw. 1542 (Wiederaufbau des Alten Rathauses) existiert haben muss.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 39</ref>


1953 wurden bei Reparaturmaßnahmen an der Straßenseite die schmalen runden Fensterbogen mit Sandsteinsturz wie am Westgiebel freigelegt, die typisch für das 16. Jahrhundert sind. 1778 wurde der Bau rückwärtig erweitert, als [[Johann Adolph Schulte]] hier eine Brennerei errichten ließ. Schulte war eigentlich Buchdrucker.<ref name=":0" /> Der hohe Alkoholkonsum der Ostfriesen ließ ihn damals in diesem Erwerbszweig wohl bessere Gewinnchancen erscheinen.
1953 wurden bei Reparaturmaßnahmen an der Straßenseite die schmalen runden Fensterbogen mit Sandsteinsturz wie am Westgiebel freigelegt, die typisch für das 16. Jahrhundert sind. 1778 wurde der Bau rückwärtig erweitert, als [[Johann Adolph Schulte]] hier eine Brennerei errichten ließ. Schulte war eigentlich Buchdrucker.<ref name=":0" /> Der hohe Alkoholkonsum der Ostfriesen ließ ihn damals in diesem Erwerbszweig wohl bessere Gewinnchancen erscheinen.


Die äußere Ausgestaltung in ihrer heutigen Form geht im Wesentlichen auf den Kaufmann [[Harm Christoph Rosenboom]] sowie das Jahr 1837 zurück. Er lehnte sie an die benachbarte [[Schwanen-Apotheke]] an.<ref name=":0" />
Die äußere Ausgestaltung in ihrer heutigen Form geht im Wesentlichen auf den Kaufmann [[Harm Christoph Rosenboom]] sowie das Jahr 1837 zurück. Er lehnte sie an die benachbarte [[Schwanen-Apotheke]] an.<ref name=":0" /> Um 1900 befand sich hier abermals eine Gastwirtschaft (Ausspannwirtschaft Arens). Ab 1913 gehörte diese [[Hermann Möllenkamp]], der sich und seiner Gaststätte einen guten Ruf in der Stadt erarbeitete.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 179</ref>
 
Seit den 1980er Jahren bis in die 2000er befand sich hier das ''Eiscafé Zanette'', das später in den [[Neuer Weg 93|Neuen Weg 93]] umzog.<ref name=":1" />
 
== Trivia ==
Als Pendant zum gegenüberliegenden [[Gasthof Jerusalem]] wurde die Gaststätte auch ''Bethlehem'' genannt. Fragte jemand: ''"Wullt du na Jerusalem?"'', so konnte es vorkommen, dass er die Antwort: ''"Nee, ik gah na Bethlehem."'' bekam.<ref name=":1" />


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==

Version vom 14. Juni 2021, 08:41 Uhr

Marxsche Bierhalle

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Basisdaten
Entstehungszeit vor 1539
Erbauer unbekannt
Bauweise Stadthaus
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Osterstraße 158

26506 Norden

Der Marxsche Bierhalle war eine Gastwirtschaft in der Innenstadt von Norden. Nach heutiger Nummerierung träge sie die Anschrift Osterstraße 158. Hier wurde am 10. Oktober 1886 die Gründung der Feuerwehr Norden beschlossen.[1]

Geschichte

Der Heimatforscher Friedrich Sundermann geht davon aus, dass das Gebäude vor dem (heutigen) Alten Rathaus als Rathaus der Stadt gedient hat. Ufke Cremer hingegen hält diese Behauptung für fraglich, widerlegt sie jedoch nicht, da das Gebäude - anders als der Großteil der damaligen Bebauung der Osterstraße trauf- und nicht giebelständig errichtet wurde und zudem ein vergleichsweise großes Grundstück aufweist. In jedem Fall wurde dieses Gebäude nach der Brandschatzung des Alten Rathauses durch Balthasar von Esens als Rathaus genutzt, sodass es bereits in der Zeit vor 1539 bzw. 1542 (Wiederaufbau des Alten Rathauses) existiert haben muss.[2]

1953 wurden bei Reparaturmaßnahmen an der Straßenseite die schmalen runden Fensterbogen mit Sandsteinsturz wie am Westgiebel freigelegt, die typisch für das 16. Jahrhundert sind. 1778 wurde der Bau rückwärtig erweitert, als Johann Adolph Schulte hier eine Brennerei errichten ließ. Schulte war eigentlich Buchdrucker.[2] Der hohe Alkoholkonsum der Ostfriesen ließ ihn damals in diesem Erwerbszweig wohl bessere Gewinnchancen erscheinen.

Die äußere Ausgestaltung in ihrer heutigen Form geht im Wesentlichen auf den Kaufmann Harm Christoph Rosenboom sowie das Jahr 1837 zurück. Er lehnte sie an die benachbarte Schwanen-Apotheke an.[2] Um 1900 befand sich hier abermals eine Gastwirtschaft (Ausspannwirtschaft Arens). Ab 1913 gehörte diese Hermann Möllenkamp, der sich und seiner Gaststätte einen guten Ruf in der Stadt erarbeitete.[3]

Seit den 1980er Jahren bis in die 2000er befand sich hier das Eiscafé Zanette, das später in den Neuen Weg 93 umzog.[3]

Trivia

Als Pendant zum gegenüberliegenden Gasthof Jerusalem wurde die Gaststätte auch Bethlehem genannt. Fragte jemand: "Wullt du na Jerusalem?", so konnte es vorkommen, dass er die Antwort: "Nee, ik gah na Bethlehem." bekam.[3]

Einzelnachweise

  1. Auszug aus dem Archiv der Feuerwehr Norden
  2. 2,0 2,1 2,2 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 39
  3. 3,0 3,1 3,2 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 179

Siehe auch