Altes Feuerwehrhaus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Am 6. Juni 1937 wurde im Rahmen der vierten ordentlichen Mitgliederversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Norden der Grundstein gelegt. Der Bau wurde bereits ein Jahr später beendet. Der Gebäudekomplex bestand aus drei großen Fahrzeughallen, zwei kleinen Garagen, einem Schlauchturm, einem Sitzungsaal und einer Wärterwohnung. Auch Räumlichkeiten für die Kreisschlauchpflegerei des [[Landkreis Norden]] nebst einem Keller fanden sich hier. Hinter dem Gebäude entstand ein großer, gepflasterter (Innen-)Hof.
Am 6. Juni 1937 wurde im Rahmen der vierten ordentlichen Mitgliederversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Norden der Grundstein gelegt. Der Bau wurde bereits ein Jahr später beendet. Der Gebäudekomplex bestand aus drei großen Fahrzeughallen, zwei kleinen Garagen, einem Schlauchturm, einem Sitzungsaal und einer Wärterwohnung. Auch Räumlichkeiten für die Kreisschlauchpflegerei des [[Landkreis Norden]] nebst einem Keller fanden sich hier. Hinter dem Gebäude entstand ein großer, gepflasterter (Innen-)Hof.


1959 wurden hinter dem Gebäude vier weitere Fahrzeughallen errichtet, weitere Hallen folgten 1974 mit dem Bau der [[Feuerwehrtechnische Zentrale|Feuerwehrtechnischen Zentrale]].
1959 wurden hinter dem Gebäude vier weitere Fahrzeughallen errichtet, weitere Hallen folgten 1974 mit dem Bau der [[Feuerwehrtechnische Zentrale|Feuerwehrtechnischen Zentrale]], die teilweise auch von der Norder Feuewehr genutzt werden konnten.


Bereits in den 1990er Jahren kamen Überlegungen auf, das bisherige Feuerwehrhaus durch einen Neubau zu errichten. Der bisherige Standort erwies sich schon bald nicht mehr als zeitgemäß. Es gab keine Sicherheitsabstände zwischen den Fahrzeugen, keine Abluftanlage und keine regulären Parkplätze für die Einsatzkräfte. Auch der einstige Vorteil, die zentrale Lage, erwies sich mit dem vermehrt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr als nachteilig, da die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nach einer Alarmierung zunehmends länger zum Feuerwehrhaus brauchten. Im
Bereits in den 1990er Jahren kamen Überlegungen auf, das bisherige Feuerwehrhaus durch einen Neubau zu errichten. Der bisherige Standort erwies sich schon bald nicht mehr als zeitgemäß. Es gab keine Sicherheitsabstände zwischen den Fahrzeugen, keine Abluftanlage und keine regulären Parkplätze für die Einsatzkräfte. Auch der einstige Vorteil, die zentrale Lage, erwies sich mit dem vermehrt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr als nachteilig, da die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nach einer Alarmierung zunehmends länger zum Feuerwehrhaus brauchten. Die Planungen zogen sich jedoch viele Jahre hin und scheiterten immer wieder an den unterschiedlichsten Gründen, vor allem jedoch an der Finanzierung.
 
 
 
Am 31. März 2009 zog die Feuerwehr schließlich in das am Ende der [[Osterstraße]] neu errichtete [[Hilfeleistungszentrum]].
 
Im Sommer 2018 schlug dann die letzte Stunde für das alte Feuerwehrhaus. Der Landkreis Aurich hatte das Gelände erworben und keine Nutzung mehr dafür. Nach dem Auszug der Feuerwehr verkam das Gelände zusehends und wurde nur noch als Lagerstätte genutzt. In engem Kontakt zwischen dem Abbruchunternehmer und dem Archivar der Norder Feuerwehr, [[Erich Weege]], wurde am 20. September 2018 die beim Bau in das Fundament eingelassene Kupferrolle gefunden. Bis heute ist es oftmals üblich, dass man bei Bauten eine Kupferrolle mit verschiedenen Dokumenten in das Fundament einlässt.
 
Am 25. Oktober 2018 wurde die Kupferrolle im benachbarten Sanitärgeschäft Kleen vorsichtig geöffnet. In einer versiegelten Glasflasche lagerte die Urkunde der Grundsteinlegung. Darin wird der Zweck des Baus erläutert und darauf hingewiesen, dass er "unter der genialen Führung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler [...] entstanden ist." Vorder- und Rückseite sind von Unterschriften zahlreicher Politiker, Führungskräften der Feuerwehren sowie Ehrengästen geziert. Neben der historisch wertvollen Urkunde waren die Brandordnung für die Stadt Norden von 1783, das Exerzierreglement für die Feuerwehr Norden von 1887, die Satzungen der Norder Wehr von 1907 und 1934, die Entwicklungsgeschichte der Feuerwehr Norden, eine Dienstanweisung von 1934 des Kreisfeuerwehrführers Norden, ein Tätigkeitsbericht des Kreisfeuerwehrverbandes Norden für das Geschäftsjahr 1936/37, zwei Norder Zeitungen mit Bildern und Berichten zum Neubau sowie eine Bekleidungsverordnung von 1934 in der Kapsel eingeschlossen.


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Der (erste) Gebäudekomplex bestand im Wesentlichen aus drei Teilen. Von der [[Klosterstraße]] aus betrachtet befand sich links die Kreisschlauchpflegerei, Vorläufer der [[Feuerwehrtechnische Zentrale|Feuerwehrtechnischen Zentrale]]. Dieser Gebäudeteil wurde giebelständig zur Klosterstraße errichtet. Er bestand aus zwei Garagen, hinter denen sich ein Flur befand. Von diesem Flur ging es wiederum in den Keller, der aus zwei Lager- und Versorgungsräumen (Gas, Wasser, Strom) bestand. In den Garagen befand sich später rechts der Waschraum und links die Kleiderkammer. Dort, wo anfänglich die Schläuche gereinigt wurden, entstanden später Sanitäranlagen.
Von der Kreisschlauchpflegerei gelangt man zum einen in den Schlauchturm und zum anderen in das eigentliche Feuerwehrgerätehaus. Hier befand sich im Eingangsbereich ein Büro, das vom Stadtbrandmeister genutzt wurde. Eine Treppe führte nach oben. Geradeaus gelangte man in die Wärterwohnung, in der ursprünglich der Hausmeister, später der Stadtbrandmeister und noch später ein Feuerwehrangehöriger mit seiner Familie wohnten. Später wurden diese Räume umgebaut und es enstanden hier das Archiv, der Sitzungssaal des Feuerwehrkommandos und im Obergeschoss Räumlichkeiten für die Jugendfeuerwehr.
Vor dem Eingang zur Wärterwohnung gelangte man nach links zunächst an einen kleinen Raum, in dem sich ursprünglich das Alarmtelefon befand. Hier riefen Norder Bürger über die reguläre Amtsnummer "44 88" an, um ein Feuer zu melden. Nach dem Bau einer ordentlichen Feuerwehr- und Rettungsleitstelle und Einführung des bundesweit einheitlichen Notrufs wurde das Gebäude zu einer Küche umgebaut.


An dieser Küche vorbei gelangte man über eine weitere kleine Treppe in den großen Versammlungssaal. Die Wand zierte von Anbeginn an der Spruch in altdeutscher Schrift "Sei diener deines Volkes in ständiger Bereitschaft". In vier Nischen, drei links, eine rechts, hingen die Schilder "I. Zug", "II. Zug", "III. Zug" und eins ohne Beschriftung, da der vierte Zug sich in [[Leybuchtpolder]] befindet. Zudem befand sich gleich vorne rechts eine kleine, gaststättenähnliche Theke, die in liebevoller Eigenarbeit errichtet wurde.


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==

Version vom 25. Februar 2021, 08:24 Uhr

Altes Feuerwehrhaus

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Basisdaten
Entstehungszeit 1937-1938
Erbauer Stadt Norden
Bauweise Feuerwehrhaus
Erhaltungszustand 2018 abgebrochen
Genaue Lage Klosterstraße 8

26506 Norden

Das alte Feuerwehrhaus befand sich bis zu seinem Abbruch in der Klosterstraße 8 in Norden. Es ersetzte eine Reihe an historischen Spritzenhäusern, die sich über das Stadtgebiet verteilten. Bis heute wurde die Fläche nicht neu bebaut und wird als Parkplatz für die Berufsschule genutzt.

Geschichte

Von der Gründung der Norder Feuerwehr im Jahr 1886 verfügte diese über mehrere sogenannte Spritzenhäuser, in denen die einzelnen Züge der Norder Feuerwehr stationiert waren. Jeder Zug hatte ein bestimmtes Aufgabengebiet.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begannen im ganzen Land die Kriegsvorbereitungen. Dazu zählte auch die Aufstellung schlagkräftiger Feuerwehren, die nun "Feuerlöschpolizei" und später "Feuerschutzpolizei" hießen. So begannen Mitte der 1930er Jahre die Bauarbeiten an einem neuen, zentralen Feuerwehrhaus. Als Standort wurde die zentral zur Norder Innenstadt gelegene Klosterstraße gewählt. Für den Bau mussten einige ältere Wohnhäuser weichen.

Am 6. Juni 1937 wurde im Rahmen der vierten ordentlichen Mitgliederversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Norden der Grundstein gelegt. Der Bau wurde bereits ein Jahr später beendet. Der Gebäudekomplex bestand aus drei großen Fahrzeughallen, zwei kleinen Garagen, einem Schlauchturm, einem Sitzungsaal und einer Wärterwohnung. Auch Räumlichkeiten für die Kreisschlauchpflegerei des Landkreis Norden nebst einem Keller fanden sich hier. Hinter dem Gebäude entstand ein großer, gepflasterter (Innen-)Hof.

1959 wurden hinter dem Gebäude vier weitere Fahrzeughallen errichtet, weitere Hallen folgten 1974 mit dem Bau der Feuerwehrtechnischen Zentrale, die teilweise auch von der Norder Feuewehr genutzt werden konnten.

Bereits in den 1990er Jahren kamen Überlegungen auf, das bisherige Feuerwehrhaus durch einen Neubau zu errichten. Der bisherige Standort erwies sich schon bald nicht mehr als zeitgemäß. Es gab keine Sicherheitsabstände zwischen den Fahrzeugen, keine Abluftanlage und keine regulären Parkplätze für die Einsatzkräfte. Auch der einstige Vorteil, die zentrale Lage, erwies sich mit dem vermehrt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr als nachteilig, da die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nach einer Alarmierung zunehmends länger zum Feuerwehrhaus brauchten. Die Planungen zogen sich jedoch viele Jahre hin und scheiterten immer wieder an den unterschiedlichsten Gründen, vor allem jedoch an der Finanzierung.


Am 31. März 2009 zog die Feuerwehr schließlich in das am Ende der Osterstraße neu errichtete Hilfeleistungszentrum.

Im Sommer 2018 schlug dann die letzte Stunde für das alte Feuerwehrhaus. Der Landkreis Aurich hatte das Gelände erworben und keine Nutzung mehr dafür. Nach dem Auszug der Feuerwehr verkam das Gelände zusehends und wurde nur noch als Lagerstätte genutzt. In engem Kontakt zwischen dem Abbruchunternehmer und dem Archivar der Norder Feuerwehr, Erich Weege, wurde am 20. September 2018 die beim Bau in das Fundament eingelassene Kupferrolle gefunden. Bis heute ist es oftmals üblich, dass man bei Bauten eine Kupferrolle mit verschiedenen Dokumenten in das Fundament einlässt.

Am 25. Oktober 2018 wurde die Kupferrolle im benachbarten Sanitärgeschäft Kleen vorsichtig geöffnet. In einer versiegelten Glasflasche lagerte die Urkunde der Grundsteinlegung. Darin wird der Zweck des Baus erläutert und darauf hingewiesen, dass er "unter der genialen Führung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler [...] entstanden ist." Vorder- und Rückseite sind von Unterschriften zahlreicher Politiker, Führungskräften der Feuerwehren sowie Ehrengästen geziert. Neben der historisch wertvollen Urkunde waren die Brandordnung für die Stadt Norden von 1783, das Exerzierreglement für die Feuerwehr Norden von 1887, die Satzungen der Norder Wehr von 1907 und 1934, die Entwicklungsgeschichte der Feuerwehr Norden, eine Dienstanweisung von 1934 des Kreisfeuerwehrführers Norden, ein Tätigkeitsbericht des Kreisfeuerwehrverbandes Norden für das Geschäftsjahr 1936/37, zwei Norder Zeitungen mit Bildern und Berichten zum Neubau sowie eine Bekleidungsverordnung von 1934 in der Kapsel eingeschlossen.

Beschreibung

Der (erste) Gebäudekomplex bestand im Wesentlichen aus drei Teilen. Von der Klosterstraße aus betrachtet befand sich links die Kreisschlauchpflegerei, Vorläufer der Feuerwehrtechnischen Zentrale. Dieser Gebäudeteil wurde giebelständig zur Klosterstraße errichtet. Er bestand aus zwei Garagen, hinter denen sich ein Flur befand. Von diesem Flur ging es wiederum in den Keller, der aus zwei Lager- und Versorgungsräumen (Gas, Wasser, Strom) bestand. In den Garagen befand sich später rechts der Waschraum und links die Kleiderkammer. Dort, wo anfänglich die Schläuche gereinigt wurden, entstanden später Sanitäranlagen.

Von der Kreisschlauchpflegerei gelangt man zum einen in den Schlauchturm und zum anderen in das eigentliche Feuerwehrgerätehaus. Hier befand sich im Eingangsbereich ein Büro, das vom Stadtbrandmeister genutzt wurde. Eine Treppe führte nach oben. Geradeaus gelangte man in die Wärterwohnung, in der ursprünglich der Hausmeister, später der Stadtbrandmeister und noch später ein Feuerwehrangehöriger mit seiner Familie wohnten. Später wurden diese Räume umgebaut und es enstanden hier das Archiv, der Sitzungssaal des Feuerwehrkommandos und im Obergeschoss Räumlichkeiten für die Jugendfeuerwehr.

Vor dem Eingang zur Wärterwohnung gelangte man nach links zunächst an einen kleinen Raum, in dem sich ursprünglich das Alarmtelefon befand. Hier riefen Norder Bürger über die reguläre Amtsnummer "44 88" an, um ein Feuer zu melden. Nach dem Bau einer ordentlichen Feuerwehr- und Rettungsleitstelle und Einführung des bundesweit einheitlichen Notrufs wurde das Gebäude zu einer Küche umgebaut.

An dieser Küche vorbei gelangte man über eine weitere kleine Treppe in den großen Versammlungssaal. Die Wand zierte von Anbeginn an der Spruch in altdeutscher Schrift "Sei diener deines Volkes in ständiger Bereitschaft". In vier Nischen, drei links, eine rechts, hingen die Schilder "I. Zug", "II. Zug", "III. Zug" und eins ohne Beschriftung, da der vierte Zug sich in Leybuchtpolder befindet. Zudem befand sich gleich vorne rechts eine kleine, gaststättenähnliche Theke, die in liebevoller Eigenarbeit errichtet wurde.

Einzelnachweise


Siehe auch